Jülich: „Senioren ins Netz“ in Jülich fühlen sich noch jung

Jülich : „Senioren ins Netz“ in Jülich fühlen sich noch jung

Was vor 17 Jahren als Förderprojekt der Stadt Jülich mit einem Internet-Treffpunkt für Senioren offiziell begonnen hat, hat im Laufe der Zeit längst ein Eigenleben entwickelt. Es war und ist eine Initiative für die Akzeptanz der neuen Informations- und Kommunikationstechniken sowie für einen von Berührungsängsten freien Umgang mit den modernen digitalen Medien.

Im Rahmen des Programms werden laut Elisabeth Fasel-Rüdebusch vom Amt für Familien, Generation und Integration wöchentlich zahlreiche Kurse und dauerhafte offene Treffen rund um PC, Smartphone, Foto- und Videotechniken angeboten. „Die Teilnehmerzahlen gehen auf das Jahr gerechnet in die Tausende“, bekräftigt sie. Was das Programm hergibt, wird von den Senioren nach wie vor gerne angenommen.

Schleppender Generationswechsel

Allerdings lasse ein anstehender Generationswechsel in den bereits seit 2000 existierenden Arbeitsgruppen zu wünschen übrig. Ein möglicher Grund dafür sei, dass einerseits die heutigen Senioren 55+ mit den modernen Medien bestens bekannt sind und andererseits sich selbst zudem gar nicht als Senioren betrachten. Positiv zu bewerten sind jedoch immer wieder neue Zugänge in den vielen Kursen. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich die Angebote rund um die digitale Bearbeitung von Foto- und Filmmaterial.

Der 6. Medientag von Senioren ins Netz ging mit freundlicher Unterstützung des Jülicher Schulzentrums an der Linnicher Straße in dessen Räumen über die Bühne. Die Arbeitsergebnisse wurden in vier Kategorien präsentiert, wovon drei traditionell vom Publikum preisgekrönt werden.

Ein besonderes Augenmerk der zahlreich erschienenen Zuschauer galt der Fotobuchausstellung. Unter Anleitung von Adelheid Simons-Hoppe entstehen seit mehr als zehn Jahren in den Kursen ganz persönliche Fotoalben. Ohne Gebrauch von Kleber, denn dem Zeitgeist entsprechend werden sie in Form eines digital bearbeiteten Fotobuches zusammengestellt. Von der Auswahl der Fotos über die Bearbeitung mittels einer speziellen Software bis hin zur Entstehung eines fertigen, persönlichen Buches kann alles erlernt werden. Daraus können zudem ein Kalender, ein Reiseführer mit Fotos und Texten von einem schönen Urlaub oder ein Fotobuch, das eine Zeitgeschichte erzählt, entstehen. So hält das Fotobuch von Eugen Viehof die Chronik des für den Braunkohletagebau abgebaggerten Guts Neulich und der dort über Jahrzehnte lebenden Familie fest.

Bei den wöchentlichen Treffen der Teilnehmer in der „Dachsteinhütte“ des Seniorenzentrums St. Hildegard werden alle bei den Foto- und Videoarbeiten auftretenden Probleme besprochen und technisches Know-How ausgetauscht. Dabei gilt der Grundsatz, wie Christoph Klemens, Amtsleiter für Familie, Generation und Integration, in seiner Begrüßungsrede bekräftigt: „Jeder bringt sich nach seinen Fähigkeiten, Interessen und Möglichkeiten ein. Jeder kann vom Wissen der anderen profitieren“.

Publikum vergibt die Preise

Wie gut diese Devise funktioniert, davon machten sich die Besucher in den folgenden Foto- und Videopräsentationen ein eigenes Bild. Bei der Fotoschau mit den vielen unterschiedlichen Themen erkor das Publikum „Das Hochmoor“ von Adelheid Simons-Hoppe zum Sieger. Zweitplatziert wurde die Fotogeschichte von Matthias Bärens zum „Wasserschloss Dyck“. In der Sparte Foto gewann die Arbeit „Kugel“ von Helga Schiffer. Michael Greve belegt mit seinem Bild „Zitadelle“ Platz zwei. Er trug als Mitglied der Fotogruppe unter der technischen Leitung von Bernd Jäger maßgeblich zur Entstehung des Katalogs für die Ausstellung „Ren Rong: Dialog der Weltkulturen“ bei.

Die Videofreunde um den künstlerischen und technischen Berater Klaus Kraft stellten dem Publikum fünf Videofilme zur Begutachtung vor. Hier gab es historische, humoristische oder einfach ästhetisch schöne Darbietungen zum Miterleben. Alfred Ponten mit seinem Film „Canal du Midi“ sah sich als glücklicher Sieger des Abends in dieser Kategorie. Die „Herbstlichter“ von Franz Lengsfeld belegten Platz zwei.

Zum großem Bedauern von Klaus Kraft wird in der Filmgruppe die Frauenquote nicht erfüllt. „Das ist schade, weil Frauen einen feineren, nicht nur technischen Blick in die Gestaltung von Videofilmen einbringen könnten“, sagt er.

Alle beim 6. Medientag präsentierten Werke sind in einer mehrmonatigen, kreativen Arbeit entstanden. Der spielerische und schon professionelle Umgang mit den Digitalen Medien wurde vom Publikum mit gebührendem Applaus belohnt. Ein Überraschungshighlight gab es an diesem Abend ebenfalls: Elisabeth Fasel-Rüdebusch erhielt von den Teilnehmern des Senioren-Programms als Dankeschön für ihre langjährige Unterstützung und Engagement den Ehrenpreis verliehen.

Fazit: Die Senioren von heute machen den Senioren von morgen Mut — egal wie das Seniorenalter zu definieren wäre — und sie tun es großartig. Man könnte auch sagen: filmreif.