Jülich: Senioren bringen viel Kritik an der Stadt Jülich an

Jülich: Senioren bringen viel Kritik an der Stadt Jülich an

Als Gast der Senioren Union Jülich informierte Ruth Tavernier, Vorsitzende des Seniorenbeirats der Stadt Jülich, eingangs die knapp 30 Zuhörer der Montagsrunde über die Zusammensetzung des Gremiums, das mit seinen rund 25 Mitgliedern gut vernetzt ist.

Wichtiger war den Zuhörern allerdings die Frage: Was macht der Seniorenbeirat? Hier verwies die Vorsitzende auf eine Fülle sehr unterschiedicher Aktivitäten, die immer noch weiter ausgebaut werden sollen. Einkaufsdienst, Begleitdienst in Vorbereitung, Singkreis, Tanzkreis, ergänzt durch Vorträge über Brandschutz, Medikamente im Alter oder postoperative Therapie.

Richtig lebhaft mit viel Kritik an der Stadt Jülich ging es bei Themen zu, die den Senioren auf den Nägeln brennen. Der Vorsitzende Wolfgang Gunia, zugleich einziger Stadtverordneter in der Runde, hatte viel Mühe, die Stadt ein wenig in Schutz zu nehmen bzw. deren Verhalten zu erläutern.

Aus der Fülle der Kritikpunkte sind hier nur einige aufzugreifen: Dass man in Jülich Fahrkarten für die Bundesbahn nur noch übers Internet kaufen kann, was für manchen Senior eine Barriere ist, empörte alle. Joseph Krott brichtete über die Bemühungen bei den Verantwortlichen der Bahn, bei den Bundestagsabgeordneten und bei Reisebüros. Noch sei aber kein Erfolg zu vermelden, so dass Marliese Roebers sogar vorschlug, eine Unterschriftenaktion zu starten.

Ein unüberwindbares Hindernis

Hoch her ging es, als Ruth Tavernier berichtete, dass sich Rollstuhl- und Rollatorfahrer von Kulturveranstaltungen in der Zitadelle ausgeschlossen fühlen, weil das Pflaster in den Poternen für sie ein unüberwindbares Hindernis darstelle. Verschiedene Lösungen wurden diskutiert, um hier Abhilfe zu schaffen: Auslegen der Poternen mit Gummimatten oder Asphaltierung eines Streifens des Pflasters. Der Denkmalschutz dürfe schließlich nicht dazu führen, Menschen auszugrenzen.

Breiten Raum nahm die Diskussion über die zu gernge Zahl öffentlicher Toiletten ein, ein Mangel, der sich besonders an Sonntagen bemerkbar mache, wenn die Geschäfte geschlossen sind. Die Stadt solle selbstreinigende Toiletten anschaffen, für die man auch eine Gebühr von den Nutzern verlangen könne, wie an den Raststätten der Autobahnen. Wolfgang Gunia erinnerte daran, dass inzwischen durch die Toiletten in der Rurtalbahn und am Bahnhof schon eine Besserung eingetreten sei.

Viel Ärger macht der Eindruck, dass Jülich eine schmutzige Stadt sei. Hier wird erwartet, dass die Stadt z.B. Minijobber auch EinEuro-Jobber einstellt, die Zahl der Papierkörbe erhöht und sie öfter leert. In diesem Zusamenhang beklagte Rolf Berns den Zustand des Schlossplatzes. Wo einst Blumenbeete das Auge erfreuten, liege nun ein unansehnlicher Trockenrasen. Gunia verteidigte dies mit dem Hinweis auf die vielen Feste, die dort veranstaltet werden und großen Anklang bei den Bürgern finden. Hier kam der Vorschlag, den Platz zu pflastern und transportable Blumenkübel aufzustellen.

Vielfältige Diskussionen

Beim Dank an Ruth Tavernier bestätigte der Vorsitzende selten eine so lebhafte und vielfältige Diskussion in der Montagsrunde erlebt zu haben. Er warb zudem für die Teilnahme am Seniorentag, der für den 11. November vorgesehen ist, für die Mitgliederversammlung am 30. Oktober mit Vorstandswahlen sowie die vorweihnachtliche Feier am 4. Dezember.

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