Jülich: Selbstversuch: Kreisel ist das Problem, nicht Königshäuschen-Ampel

Jülich: Selbstversuch: Kreisel ist das Problem, nicht Königshäuschen-Ampel

Eigentlich müsste die Stauschau im Radio an jedem Werktag zur Feierabendzeit ergänzt werden. „Zwischen dem Jülicher Schwanenteich und Königshäuschen: Zwei Kilometer Stau in beiden Richtungen. Sie müssen ungefähr 20 Minuten mehr einplanen.“ Das ist das Ergebnis eines Selbstversuchs: Einmal Schwanenteich—Königshäuschen im Feierabendverkehr und zurück.

Die Teststrecke hin und retour ist 4,4 Kilometer lang, der Testzeitpunkt war Donnerstag gegen 17 Uhr. Das Resultat: 40 Minuten, also viel zu viel Zeit. Stadtauswärts beginnt das Kriechen auf der Rurbrücke auf der Großen Rurstraße. Das ist Wasser auf den Mühlrädern aller, die die gerade fertiggestellte Ampel an Königshäuschen schon verflucht haben, bevor sie installiert wurde.

Die Ampel, die eingerichtet wurde, um den Dauer-Unfallschwerpunkt Königshäuschen zu entschärfen, hat zweifelsohne das Potenzial, für noch mehr Stau zu sorgen. Im Test war das aber nicht so. Der Rückstau an Königshäuschen war zur Stoßzeit drei bis fünf Autos lang, immer dann, wenn die Bundesstraße 56 in Richtung Aldenhoven rotgesperrt war, weil Autofahrer von des Landstraße von Koslar in Richtung Jülich abgebogen sind. Vom Kreisverkehr bis zur Ampel sind es rund 200 Meter. Rückstau Fehlanzeige.

Kreisel ist heute zu klein

„Wir werden die Situation aber weiter überprüfen“, sagte Karl-Reinartz von StraßenNRW, der der Kommission zur Suche einer Lösung am Unfallschwerpunkt angehört hat.

Das Nadelöhr im Selbstversuch war der Kreisverkehr, an dem die B 56 aus Richtung Düren abknickt in Richtung Autobahn. Stau aus der Innenstadt, Stau aus Richtung Düren. „Der Kreisverkehr passt heute nicht mehr. Da müsste man Hand anlegen“, sagt Reinartz. Zur Landesgartenschau 1998 war der Kreisverkehr eingerichtet worden. Heute rollen dort mehr Autos und Lkw als früher, der Kreisverkehr ist zu klein und zu Stoßzeiten überlastet. Bund, Land und Stadt müssten sich an einen Tisch setzen.

Ein Lösungsbeispiel ist nicht weit weg. Der Kreisverkehr unmittelbar an der Autobahnabfahrt Jülich West ist größer und zweispurig ausgelegt. Das könnte nach Reinartz‘ Einschätzung auch beim verstopften Kreisverkehr helfen.

Das zweite Problem, dass sich beim Selbstversuch gezeigt hat: Der Rückweg stadteinwärts dauerte von der Rurbrücke bis zum Schwanenteich fast eine Viertelstunde. Sieben Ampeln innerhalb von 700 Metern muss passieren, wer nach der Rurquerung hinter dem Schwanenteich links abbiegen will. „Da stößt die grüne Welle an ihre Grenzen“, sagt Reinartz.

Das Verbreitern der Straße ist nicht möglich, die Fußgängerampeln haben ihre Berechtigung. StraßenNRW und Stadt könnten allenfalls an der Ampelschaltung drehen. Das wurde in der Kommunalpolitik jüngst noch diskutiert. Das Jülicher Ordnungsamt hat argumentiert, dass veränderte Ampelschaltungen per Gutachten untersucht werden müssten. Das kostet einen satten fünfstelligen Betrag und soll recht wenig bringen.