Titz: Schwermetall in Titzer Straßen

Titz: Schwermetall in Titzer Straßen

Auch in der Gemeinde Titz sind nach Arbeiten der Bauunternehmung Tholen (BUT), Geilenkirchen, erhöhte Schwermetall-Werte im Bettungsmaterial von zwei Straßen festgestellt worden. Wie der Beigeordnete Christian Canzler mitteilt, wurde „nicht das verbaut, was ausgeschrieben war“ - nämlich ein Natursand-Basaltsplitt-Gemisch.

In dem einem Fall handelt es sich um eine verhältnismäßig kleine Baumaßnahme einer Gasse im Kernort aus dem Jahr 2005. Der zweite Fall, so Canzler, betreffe eine Straße in einem Gewerbegebiet ohne anliegende Wohnbebauung, die 2001 angelegt worden sei.

Insgesamt seien rund 4700 Quadratmeter Gehweg und Fahrbahn betroffen. Bodenproben hätten ergeben, dass „die Grenzwerte bei den Einbauklassen überschritten“ worden seien. Es handele sich dabei um erhöhte Konzentrationen an Blei, Kupfer, Nickel und Zink.

Sowohl das Beprobungsgutachten selbst als auch die von der Gemeinde Titz erbetene Auswertung durch das Umweltamt des Kreises Düren bestätigten aber, dass keine akute Gefahr für die Gesundheit von Menschen bestehe. Denn solange die belasteten Stoffe, die im Bettungsmaterial der beiden Straßen verbaut worden und somit „gekapselt“ seien, könnten sie nicht in den Boden oder in direkten Kontakt mit Menschen gelangen, betont Canzler.

Beide Straßen würden von der Verwaltung besonders überwacht, es bestehe ein „internes“ Aufbruchverbot. Da alle Wasser-, Energie- und Telekommunikations-) Versorger ihre Baumaßnahmen der Gemeinde anzeigen müssten, könne dies überwacht werden.Über die beiden Fälle sei der Gemeinderat bereits in nichtöffentlicher Sitzung informiert worden, „um die Bevölkerung nicht unnötig zu verunsichern“.

Die Gemeinde Titz hat weiter eine Rechtsanwaltskanzlei aus dem Heinsberger Raum mit der Wahrnehmung ihrer Interessen beauftragt, welche auch weitere Kommunen gegenüber der BUT vertritt. Davon, so Canzler, werde unter anderem eine zügige Aufklärung erwartet.

Weiter habe die Kanzlei den Auftrag, alle Möglichkeiten von Schadensersatz durch BUT zu prüfen (etwa mit Kostenvorschüssen, um mit Baumaßnahmen nicht zu warten) und auch gleichzeitig strafrechtliche Aspekte zu klären. Allerdings sei der Gemeinde zuvorderst an einer außergerichtlichen Einigung mit dem Straßenbauer gelegen. Längst ermitteln auch die Staatsanwaltschaften Mönchengladbach und Aachen gegen das Geilenkirchener Unternehmen.

Das Schadstoffprofil in Titz entspricht etwa dem in einem Neubaugebiet in Grevenbroich. Dort sind inzwischen 8200 Quadratmeter Bettungsmaterial unter dem Straßenmaterial geborgen und entsorgt worden. Bei der Sanierung war monatelang ein spezieller Saugbagger im Einsatz, um zu verhindern, dass Staub mit Partikeln aufgewirbelt wird.

Auch dort war nach Angaben der Stadt von BUT angeblich ein „Natursand-Basaltsplitt-Gemisch“ verbaut worden. Tholen beharrt aber aufgrund eines gerichtlichen Beweisverfahrens darauf, dass „das verwendete Material den Technischen Lieferbedingungen für Gesteinskörnungen im Straßenbau (TL-Gestein StB 04) entspricht“. Der Lieferant MAV, Krefeld, ein Strabag-Ableger, hatte erklärt, an Tholen sei „Bettungssand“ verkauft worden.

Dabei habe es sich um „Schlackengranulat“ gehandelt, für deren Einbau „das abnehmende Bauunternehmen verantwortlich“ sei. MAV recycelt Schlacken und Aschen aus der Müllverbrennung und aus Kraftwerken sowie Reststoffe aus der Metallindustrie.

(gep)