Jülich: Schwere Körperverletzung im Karneval: Geldstrafen für Vater und Sohn

Jülich: Schwere Körperverletzung im Karneval: Geldstrafen für Vater und Sohn

Die von einem 50-jährigen Kirchberger mitsamt seinem 26-jährigen Sohn angezettelte Schlägerei beim vorjährigen „Möhneball“ in Lich-Steinstraß hat ein kostspieliges Nachspiel. Während gegen den Vater die Anklage der schweren Körperverletzung gegen Zahlung von 1000 Euro Bußgeld fallengelassen wurde, wurde der Sohn nun vom Amtsgericht Jülich zur Zahlung von 4500 Euro verurteilt.

Zudem muss er die Kosten des Verfahrens und die des Nebenklägers zahlen. Zudem steht ihm noch ein Zivilprozess ins Haus.

Was sich genau am Karnevalsfreitag im Jahre 2015 ereignete, dies kam auch am dritten Verhandlungstag vor der vorsitzenden Richterin Grahn nicht genau ans Tageslicht; trotz der Aussagen von sieben geladenen Zeugen. Die sagten alle übereinstimmend aus, dass der 50-Jährige im Verlauf der Karnevalsveranstaltung plötzlich einen 26-Jährigen Jülicher, den Nebenkläger, in den Schwitzkasten genommen hatte, und mit ihm nach einigen Sekunden zu Boden gefallen war.

Anschließend sei der Geschädigte vom angeklagten Sohn mit Schlägen traktiert worden, die mit einer Nasenfraktur und einer Handverletzung für ihn im Jülicher Krankenhaus endeten. Warum der Kirchberger die Auseinandersetzung angezettelt hatte, dies konnten auch zwei weitere Zeugen — einer war auf Bitten eines Freundes zur Verhandlung erschienen — nicht sagen.

Sie hatten beide nur die unmittelbare Auseinandersetzung gesehen, wobei eine noch von den Beklagten benannte und eingeladene Zeugin erklärte, dass sie zwar den Würgegriff des Vaters, auch den anschließenden Sturz, aber nicht die Schläge gesehen hatte. Im Gegensatz dazu stand die Aussage eines 28-jährigen aus Hambach. Der hatte mit Freunden des Maiclubs den Ball besucht, hatte miterlebt, „wie plötzlich einer von hinten den jungen Mann in den Schwitzkasten nahm, dann zusammen mit dem körperlich überlegenen Angreifer zu Boden ging.“ Warum der Angriff geschah, dies blieb auch ihm fremd.

Am Nebentisch sei es verbal zwar lautstark zugegangen, aber irgendwelche Vorfälle habe es nicht gegeben. Die hatte aber nach eigener Aussage der angeklagte 50-Jährige erlebt. Dies sei ja auch, wie er zuvor am zweiten Verhandlungstag geschildert hatte, der Grund gewesen, einzugreifen. „Ich wollte den Aggressivsten aus dem Verkehr ziehen.“ Und dies sei in seinen Augen der 26-jährige Jülicher gewesen. Dass dem so war, dies hatte kein Zeuge erlebt.

Gesehen hatte allerdings der Hambacher, dass der angeklagte Sohn den am Boden liegen zwei bis dreimal heftig ins Gesicht geschlagen habe, „so sehr, dass das Blut spritzte, Umstehende Blutflecken auf den Schuhen und der Kleidung hatten.“ Dass er zweimal zugeschlagen habe, dies gestand der jüngere der beiden Angeklagten ein. Ein Geständnis, das sich, wie Richterin Grahn bei ihrer Urteilsverkündung sagte, strafmildernd auswirkte. Zuvor hatte sie beim Vater, von dem zwar die Auseinandersetzung ausgegangen war, allenfalls eine minderschwere Körperverletzung gesehen, die mit einer Geldbuße abgegolten werden könne.

Ein Vorschlag, mit dem sich Staatsanwalt Bodden sichtlich schwer tat, dem er aber, nach einer Verhandlungsunterbrechung — der 50-Jährige beriet sich mit seinem Anwalt — zustimmte. Dass es sich bei dem Vergehen des Sohnes allerdings um schwere Körperverletzung handeln würde, dies bekräftigte Bodden, machte nochmals deutlich, dass es keinen Grund für die beiden Kirchberger gegeben habe, die Auseinandersetzung in die Wege zu leiten.

Das habe die Verhandlung gezeigt. Da beide „im Leben stehen, sich bisher noch nichts hatten zuschulden kommen lassen“, fordert er als Strafmaß 90 Tagessätze zu je 50 Euro. Zudem müsse der 26-Jährige sämtliche Kosten des Verfahrens tragen. Zuvor hatte dessen Verteidiger „von einer lobenswerten Aktion des Vaters“ gesprochen, eine Aussage, die von der Zuschauerbank mit lautem Gelächter bedacht wurde. Zudem meinte er erkannt zu haben, dass die Zeugenaussagen „wie abgesprochen“ zu bewerten seien.

So plädierte er denn auf „einfache Körperverletzung mit einer Geldstrafe im unteren Bereich.“ Dem schloss sich die Vorsitzende allerdings nicht an. Sie verurteilte ihn zu insgesamt 4500 Euro Geldstrafe plus Verfahrenskosten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, innerhalb von einer Woche kann der Verurteilte Einspruch erheben.

(hfs.)