Aldenhoven: Schulsozialarbeiterin betreut bald eine zweite Einrichtung

Aldenhoven: Schulsozialarbeiterin betreut bald eine zweite Einrichtung

Das Schulsystem verändert sich — auch in Aldenhoven. Die Schülerzahl an der auslaufenden Hauptschule wird sich von Jahr zu Jahr verringern, die junge Gesamtschule jährlich wachsen. In der Konsequenz hat das nun Auswirkungen auf die Schulsozialarbeit.

Selcen Kayan, die bis dato für die Sorgen und Nöte der Hauptschüler zuständig war, ist in Kürze zusätzlich für die Schüler der Gesamtschule Ansprechpartnerin. Das ist gut, auch wenn die Stelle nicht erweitert, sondern aufgeteilt wird. Doch wer ist diese blonde Frau mit türkischem Namen? Was soll sie tun, und bringt das was, was sie tut?

Eine von ihnen: Selcen Kayan kennt die Probleme der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund.

„Wir müssen sie mit einigen Stunden abgeben“, sagt Schulleiter Karl-Heinz Sonntag mit einem Bedauern und macht deutlich, dass sich an der Schule viele Kinder befinden, die Unterstützung von Selcen Kayan dringend nötig haben. Tendenziell werde der Bedarf größer, nicht kleiner.

Probleme gebe es von A bis Z, bestätigt Kayan. Mobbing ist ein Thema, die Kindern ärgern sich untereinander. Probleme zwischen Lehrern und Schülern, familiäre Probleme — sei es zu wenig Aufmerksamkeit, oder zu wenig Liebe —, auch Leistungsschwäche und Schulverweigerer gehören dazu. Eltern seien oft mit ihrer Erziehungsaufgabe überfordert, wissen nicht, was sie tun sollen. Während Kayan erzählt, kommen Schüler vorbei, grüßen freundlich. erzählen von einer Prüfung. Die Sozialarbeiterin unterbricht freundlich, aber bestimmt, weist auf unser Gespräch hin. Die Schüler stellen ihr eine Süßigkeit hin, verschwinden wieder. Kayan lacht und sagt, sie bekomme „so viel zurück, das sei das Schöne an ihrer Arbeit“. Sie ist gefragt an der Schule, herzlich im Umgang, die Schüler sind respektvoll und vertrauen ihr. „Ich sage immer, wenn ihr vernünftig mit mir redet, kann ich euch helfen.“

Täglich ist sie bis 12 Uhr in ihrem Büro ansprechbar. Die Schüler kommen mit Terminen (manche brauchen ständige Begleitung), mit aktuellen Problemen, andere einfach so, um von ihren Erlebnissen zu erzählen, da sie mit ihren Mitschülern, der Stiefmutter oder dem Stiefvater nicht klar kommen. Kayan nimmt alle Gespräche ernst, sie kümmert sich.

Andere Jugendliche seien perspektivlos, sie hilft dann in Ausbildungsfragen. Generell unterstützt sie den Übergang Schule-Beruf, spricht Vorstellungsgespräche durch. Auch Gewalt komme vor, Aggressionen in und außerhalb der Schule. An und ab muss sie Kontakt zur Polizei aufnehmen.

Sie ist als Dolmetscherin in Eltern-Lehrer-Gesprächen gefragt. Warum Dolmetscherin? Selcen Kayan ist Deutsche mit türkischen Wurzeln. Doch sie sagt bestimmt: „Deutschland ist meine Heimat.“

Selcen Kayan ist in Aldenhoven aufgewachsen, bestens vernetzt, kennt viele Familien der Kinder, da stellt sich automatisch eine soziale Kontrolle ein. Viele Probleme und unangemessene Reaktionen der Jugendlichen mit Migrationshintergrund entstünden aus einem Gefühl der Minderwertigkeit. Doch: „Dass ich mit ihnen schimpfe, nur weil sie Ausländer sind, können die bei mir nicht sagen“, erklärt sie.

Kayan hat nach dem Abitur Soziologie, Psychologie und Volkswirtschaft an der RWTH Aachen studiert. Nach Geburt ihrer Tochter und einer Erziehungszeit trat sie 2011 die Stelle an, die im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepaketes eingerichtet wurde. Für die Schulsozialarbeit stehen 19,5 Stunden zur Verfügung. Jedoch ist ihr Arbeitstag nicht nach zwölf Uhr beendet. Am Nachmittag wird sie zur Lehrerin. Als Honorarkraft unterrichtet Kayan im Wahlpflichtbereich, macht Hausaufgabenbetreuung, wird im Förderunterricht oder als Vertretungskraft eingesetzt. Auch in den Ferien geht es weiter, dann organisiert sie Ferienprogramme, geht mit den Kindern schwimmen, kocht oder backt.

Die Arbeit macht ihr Spaß, das merkt man, sie mag Herausforderungen, das sagt sie. Ihr Vater habe sie zu einer „helfenden Hand“ erzogen. Ein starkes Bild. Ist das der Job, den sie sich vorgestellt hat? Kayan antwortet spontan: „Wenn man in Kinder investiert, bekommt man einiges zurück, das ist genau das, was ich mir vorgestellt habe.“

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