Titz: Schützenbruderschaften: Tradition wird in die Moderne übersetzt

Titz: Schützenbruderschaften: Tradition wird in die Moderne übersetzt

Auch wenn ihr Wirken nicht auf diese Jahreszeit beschränkt bleibt, wird besonders in den Sommermonaten offensichtlich, dass Schützenbruderschaften ein nicht zu unterschätzender Faktor mit stabilisierender Wirkung im sozialen Gefüge vieler Dörfer sind.

Erkennbar wird dies unter anderem bei den Festzügen zum Höhepunkt der Schützenfeste. Stolz tragen die Bruderschaften dann das auf den Fahnen prangende Motto „Für Glaube, Sitte und Heimat” ins Bewusstsein der Öffentlichkeit.

Den Schützenbruderschaften von heute ist durchaus bewusst, dass Kritiker dieses Motto gerne als nicht mehr zeitgemäß angreifen. Wie reagieren die vier Bruderschaften, die ihre Heimat in der Gemeinde Titz haben, auf derartige Behauptungen? Wie vermitteln sie, dass trotz aller Fortschritte „Glaube, Sitte, Heimat” immer noch aktuelle und moderne Ideale sind?

Antworten auf diese Fragen gaben die Schützenbruderschaften St. Sebastianus Rödingen, St. Sebastianus Müntz und St. Gereon Spiel. Spiel hat knapp über 200 Einwohner, da ist alleine schon die beeindruckende Zahl von 55 Mitgliedern in der Bruderschaft ein Beleg für die „Generationen übergreifende respektvolle Anerkennung”, wie Schriftführer Werner Anrath und Brudermeister Jürgen Matzerath es ausdrücken.

Bei den Müntzer Schützen ist die Jugend besonders durch die sehr aktive Fahnenschwenkergruppe stark vertreten. „Unsere Jugendlichen sind zur Stelle, wenn es darauf ankommt. Aktualität heißt bei ihnen, die Ideale unter Achtung der historischen Gegebenheiten in moderne Umgangsmöglichkeiten zu integrieren”, lobt Brudermeister Johannes Hintzen den Nachwuchs. Dass dabei die drei Ideale verschieden stark gewichtet würden, sei in allen Altersgruppen die logische Folge der individuellen Entwicklung.

Auch in Rödingen gilt es nicht als uncool, in der Schützenbruderschaft aktiv zu sein. So weist Brudermeister Gebhard Gerken darauf hin, dass sich seit zwei Jahren die Schützenfestplanung auf ein „Festteam” stütze, das überwiegend aus Jugendlichen bestehe, um auch deren Belange einfließen zu lassen.

Klagen über mangelnden Nachwuchs sind generell bei den Bruderschaften in der Gemeinde Titz nicht zu hören, offensichtlich hat vorausschauendes Handeln modern denkender Vorstände den Negativtrend gestoppt. Nicht überall ist der Trend so positiv. So mahnte Bundesschützenmeister Heinzgerd Dewies kürzlich in einem Grußwort: „Die heutige Zeit des Verlustes christlicher Werte verlangt von den christlichen Bruderschaften den besonderen Einsatz.”

Wie dieser aussehen kann, hat man in Spiel damit gezeigt, dass man als kleiner Ort bereits dreimal das Bezirksbundesfest ausgerichtet hat. Dass die christlichen Werte verloren gegangen seien, lässt Gebhard Gerken so nicht stehen: „Es gibt viele unter uns, die ihren Glauben im Verborgenen leben.”

So brennen beispielsweise an einigen Wegkreuzen beständig Kerzen, Gräber von Verstorbenen ohne Angehörige werden weiterhin gepflegt, oder Spendengelder aus dem Schießsport kommen Kindergärten zugute. „Schütze sein heißt, sich nicht nur am Alten aufzuhalten, sondern das Gefühl von Herzblut, einer geborgenen Umgebung und Vertrauen in die Zukunft an die Jugend in einer Form weiterzugeben, dass sie es gerne annimmt”, fasst der Rödinger Brudermeister zusammen.

Für die Müntzer Schützen betont Brudermeister Johannes Hintzen: „Wir legen Wert darauf, dass unsere Feste den Idealen gerecht werden. Zum Feiern gehören Kirchgang und Gedenken an die Verstorbenen.” Es gehe nicht um „besonderen Einsatz”, sondern um jede einzelne Begegnung; nicht darum, Verluste zu beklagen, sondern Überzeugungen zu teilen und die Werte anderer zu achten.

Die Bruderschaften in der Gemeinde Titz machen insgesamt für die Zukunft einen eher positiven Trend aus. In Spiel wird man ohne Frage ein Stützpfeiler bleiben. Die Bruderschaft ist sich bewusst, dass die gesamtgesellschaftliche Entwicklung nicht ohne Folgen für das Schützenwesen bleiben kann. Gerken geht deshalb davon aus, dass „sich in Rödingen in den nächsten Jahren Vereine mit den gleichen Interessen zusammenschließen werden”. Auch wenn die Fluktuation im Mitgliederbereich groß sei, bleibe eine ausgewogenen Mischung der Altersgruppen erhalten.

Das Fazit von Hintzen lautet: „Sollten wir es nicht schaffen, die Gesellschaft als sozial ausgewogene Gemeinschaft zusammenzuhalten, wird sich das auch auf das Schützenwesen auswirken. Erfolgreiche Nachwuchsarbeit ist nicht zum Nulltarif zu haben. Das vorhandene ehrenamtliche Engagement lässt aber, wenn es denn so bleiben wird, optimistisch in die Zukunft schauen.”