Schüler aus ganz NRW: Junior-Akademie am Science College Overbach

Besser als Schule : Lernen in den Ferien an der Junior-Akademie

Bei der Junior-Akademie am Science College Overbach probieren sich Schüler bei wissenschaftlichen Projekten aus. Nanotechnologie, Mikrocontroller und Forensik stehen auf dem Stundenplan. Wie normale Schule ist diese besondere Ferienfreizeit ganz und gar nicht.

Eine Katze ist in Gefahr. Ihr Leben hängt fast wortwörtlich am seidenen Faden. Zugegeben, es ist keine echte Katze, sondern nur eine mit viel Liebe auf Styropor gemalte Mieze. Sie baumelt in Todesangst über einem Behälter mit Azeton. Käme das Kätzchen in Berührung mit der Chemikalie, würde es sich sofort auflösen. Doch das wollen zwei Gruppen heldenhafter Katzenretter mit allen Mitteln verhindern. Unter der Aufsicht von Herrchen „Schrödinger“ müssen sie Aufgaben lösen, um das richtige Werkzeug zur Rettung der Mieze zu finden.

Diese Szene spielt nicht etwa im Labor eines verrückten Wissenschaftlers, sondern am Science College Overbach, wo insgesamt 54 Schüler aus ganz Nordrhein-Westfalen an einer etwas anderen Ferienfreizeit teilnehmen. Im Rahmen der Junior-Akademie beschäftigen sich die hellsten Köpfe aus über tausend Schulen zehn Tage lang mit den Themen Nanotechnologie, Mikrocontroller und Forensik. Am so genannten Rotationstag stellen sich die Jugendlichen gegenseitig ihre Fachgebiete vor und bieten Experimente und Aufgaben an.

Der Katzenfreund Schrödinger heißt eigentlich Paul Weiß, ist 14 Jahre alt und leitet den „Escape Room“ der Nanotechnologie-Gruppe, der auf das berühmte Gedankenexperiment des österreichischen Physikers anspielt. Ausgestattet mit Laborkitteln führt die Gruppe durch kniffelige Aufgaben. Auf der Suche nach versteckten Zahlen kommen Feuer, Magnete und Licht zum Einsatz.

Um das Rätsel um „Schrödingers“ Katze zu lösen, müssen die Schüler genau hineinschauen. Foto: Kim Statzner

Das Team Forensik legt sich ordentlich ins Zeug und löst schließlich die Aufgaben, bevor die Katze das Zeitliche segnet. Einfach, weil der Versuch so klasse aussieht, muss ein anderes Stück Styropor aber trotzdem dran glauben. Die Schüler, die hier dabei sind, sind alle besonders begabt, haben zum Beispiel bei Jugend forscht mitgemacht oder wurden von ihren Lehrern extra für die Junior-Akademie vorgeschlagen. Stillschweigendes Lernen ist die „Schule in den Ferien“ aber definitiv nicht.

Die Schüler können sich ausprobieren – nicht nur bei den Workshops in ihren Themengebieten, sondern auch bei Sport, Musik und anderen Aktivitäten. So bieten die Jugendlichen am Abend selbst Kurse an, in Dingen, die sie besonders gut können. Dabei sind diverse Sportarten, aber auch Exotisches wie Origami. In den Themenworkshops werkeln die Schüler meist in Eigenarbeit an Projekten.

Bei den Forensikern stehen Ratten auf dem Plan. Tote Ratten, um genau zu sein, in verschiedenen Stadien der Verwesung und unterschiedlichen Umwelteinflüssen ausgesetzt. Das klingt eklig, ist es auch ein wenig, das macht den Jung-Forensikern aber nichts aus. Merle Dreiske kann sich sogar vorstellen, so etwas beruflich zu machen: „Forensikerin werden ist ein kleiner Traum von mir. Das hier soll ein Schritt auf dem Weg sein“, sagt die 15-Jährige.

An einer Station wird es sogar explosiv. Foto: Kim Statzner

In ihren Räumlichkeiten hat ihre Gruppe einen Tatort nachgestellt. Kunstblut tropft auf die Stufen des Hörsaals und nummerierte Karten markieren die Beweisstücke. In weißen Anzügen und mit Gesichtsmaske arbeiten die Forensiker an der Spurensicherung. Einen Raum weiter müssen die zwei Besuchergruppen dann herausfinden, wer der Mörder ist. Nach der Auswertung von Fingerabdrücken, Blutspuren und der Tatwaffe ist klar: Sarah Schmidt von der Akademieleitung muss schuldig sein.

Zwei Stockwerke höher, beim Mikrocontroller-Team, geht nichts ohne Computer. Welche Befehle sind nötig, um eine LED zum Leuchten zu bringen? Wie kontrolliert man einen Motor per Mausklick? Diese und andere Fragen klären die jungen Experten. Ihr Geheimprojekt zeigen sie allerdings noch nicht. So viel sei gesagt: Wasserdichte LEDs gehören dazu. Ausgestattet mit 3D-Drucker stellen sie in kürzester Zeit einiges auf die Beine.

Karla Wittkowski aus Münster organisiert die Arbeiten am Geheimprojekt. Die 14-Jährige ist begeistert von der Junior-Akademie: „Man knüpft viele neue Kontakte, eignet sich Wissen an und macht neue Erfahrungen“, sagt sie. „Die Räume hier sind genial und die Betreuer sind auch super.“ Diese Erfahrungen teilt auch die Gruppe der Forensiker, die sich auch außerhalb der Akademie noch einmal treffen will. Über das besondere Ferienhaus sind sich alle einig: Das ist nicht wie Schule.

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