Jülich: Schnupperkurs: Chinesische Kultur kennenlernen

Jülich: Schnupperkurs: Chinesische Kultur kennenlernen

Die Füße stehen hüftbreit auseinander. Die Knie sind leicht gebeugt. Der linke Arm ist nach vorn gestreckt. Das ist die Grundstellung. Zwölf Teilnehmer haben sich zum Schnupperkurs Wing Tsun angemeldet. Frauen, Kinder und Männer.

Der Kurs findet in der Fachhochschule Jülich statt, organisiert wird das Angebot vom Chinesischen Kulturverein. Wem es gefällt, der kann sich für einen fortlaufenden Kurs im Herbst anzumelden. Lehrer Jiajian Ding steht vor den Teilnehmern, sein Arm schnellt nach vorne, er bewegt das Handgelenk langsam zur Seite, rechts, links. Anders als im Fernsehen und der allgemein üblichen Vorstellung von Kung Fu, sieht der Zuschauer keine martialischen Kämpfe.

Die Teilnehmer sollten die Vorbilder Bruce Lee und Jackie Chan schnell vergessen, sagt Ding, das sei alles zu brutal. Wing Tsun sei eine Kampfsportart mit Köpfchen, Konzentration gefragt, die Bewegungen langsam. Wichtig sei für den Teilnehmer, die Mittellinie zu finden — ähnlich wie im Leben: Wer seine Mitte finde, könne auch alles andere leichter managen.

In China sei Wing Tsun sehr bekannt. Der Chinesische Kulturverein holt die traditionelle Kampfsportart nach Jülich. Das Angebot richtet sich an die breite Öffentlichkeit, mitmachen kann jeder. Natürlich auch Chinesen, die hier in der Region leben. Alleine 300 Studenten aus dem Reich der Mitte sind am FH-Campus Jülich eingeschrieben. Dazu kommen Mitarbeiter am Forschungszentrum und ihre Angehörigen, sagt Fau Jinfang Xu vom Verein.

Dr. Anlan Li-Meißen hat den Kulturverein 2007 mitbegründet. Sie erzählt: „Wir haben gemerkt, dass unsere Kinder ihre Muttersprache nicht sprechen können“. Um das zu ändern, gebe es nun Sprachunterricht für Kinder. Er findet Sonntags an der Fachhochschule statt. Die Kinder werden in drei Stufen unterrichtet, je nach Alter und Kenntnisstand.

Die Kleinsten spielen, tanzen, singen, schauen Zeichentrickfilme in chinesischer Sprache. Die Älteren lesen, schreiben, sprechen. Auch Kinder ohne chinesische Wurzeln seien willkommen, könnten an der Sonntagsschule angemeldet werden. Darüber hinaus gebe es für Erwachsene Chinesisch-Unterricht, im Winterhalbjahr werde chinesische Malerei angeboten.

Doch nicht nur der Kulturtransfer sei wichtig. Die Vereinsmitglieder kümmern sich um ihre Landsleute, helfen, wenn Hilfe nötig ist, beraten sich gegenseitig. Sie helfen bei Fragen, wie man sich einlebt, wie man eine Wohnung findet, wie das mit Versicherungen aussieht. Kommuniziert wird über einen digitalen Chat-Kanal. „Wenn irgendwer ein Problem hat, wissen wir das alle“, sagt die Vorsitzende, Stacey Rui Dong.

Finden Veranstaltungen der Stadt Jülich statt, macht der Chinesische Kulturverein mit. „Wir möchten, dass die Deutschen uns kennenlernen“, sagt Dong. Zum Beispiel beim Fest der Kulturen. Dann wird ein Bühnenprogramm gezeigt, werden die Kampfsportarten präsentiert. Vortragsveranstaltungen, wie sogenannte Monatsthemen, kleinere Ausstellungen oder Workshops komplettieren das Angebot.

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