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Schophoven/Pier: Schneise durch die Ernte macht Bauern wütend

Schophoven/Pier : Schneise durch die Ernte macht Bauern wütend

Die weißen Wolken, die Anfang der Woche über Schophoven und Pier zogen, waren nicht sehr beschaulich. Sie trugen Millionen Distel-Samen mit sich und ließen sich auf den Feldern, aber auch den noch jungen Gärten im Baugebiet Müllenark nieder.

Das hartnäckige Wildkraut ist in den Augen der Bewohner und Landwirte aber nur ein Ärgernis, das vom Wall ausgeht, der eigentlich schützen soll. Die meterhohe Aufschüttung hat den Sinn, den Lärm und die Immissionen des nahenden Tagebaus zu „schlucken”. Und was hinter dem Wall geschieht, versetzt die meisten ortsansässigen Bauern in Rage.

Dort arbeiten RWE Power und Vertragspartner auf Hochtouren, um das so genannte „Vorfeld” des Tagebaus Inden zu bestellen. Die Flächen gehören zwar in der Regel dem Konzern, sind aber an Landwirte verpachtet. Die wissen, dass der Bergbautreibende Tiefenbrunnen bohren, Wege und Leitungen (ver-)legen muss. Doch wenn das quasi über Nacht auf einem bestellten Feld geschieht, macht das die Bauern wütend.

„Ohne Absprache und Mitteilung läuft plötzlich quer durch die Parzelle, wo Weizen gestanden hat, ein sechs Meter breiter Weg, der gut einen halben Meter tief ausgekoffert ist”, berichten Ulrich Langels, Karl Butterweck, Hans-Josef Schreyer, Josef Wirtz sowie Ursula Abschlag-Milz und Josef Milz - allesamt Landwirte aus Schophoven und Pier. Kritisiert wird nicht die Schaffung von Wegen oder Betriebsstraßen, sondern die aus Sicht der Bauern fehlende oder unzureichende Kommunikation.

Josef Wirtz: „Hätte man drei Wochen mit der Maßnahme gewartet, wäre die Ernte noch eingefahren worden.” Hans-Josef Schreyer: „Wir können nicht einfach mal mit dem Traktor und zwei Anhängern auf die Flächen, weil wir nie wissen, ob da gearbeitet wird und wir durchkommen. Und dann kann ja mal einer versuchen, mit zwei Anhängern 100 Meter rückwärts zu fahren. Das schafft keiner.”

Mit der kurzfristigen Schaffung von Wegen in den Feldern haben die Anwohner im alten und neuen Teil von Schophoven keine Probleme. Der Bau von Tiefenbrunnen - ohne zusätzliche Lärmschutzwand - sorgte ob seiner Geräuschkulisse schon für Proteste der Anwohner. Und nicht zuletzt die aufsteigenden Saat-Wolken, die Wildkräuter aus dem „Vorfeld” verteilen. Sie sind ebenfalls für Landwirte ein großes Ärgernis. Die müssen nämlich inzwischen die Krautbekämpfung intensivieren.

Auf Anfrage unserer Zeitung äußerte sich Arthur Oster, Leiter des Tagebaus Inden, zu den Vorwürfen. „Alles, was wir machen, ist vertraglich abgesichert und im Vorfeld besprochen. Das ist sauber geregelt.” In den Vereinbarungen sei nachzulesen, dass „wir jederzeit Maßnahmen durchführen können”.