1. Lokales
  2. Jülich

Landesbetrieb will Immobilie verkaufen: Schloss Kellenberg zum Schnäppchenpreis abzugeben

Landesbetrieb will Immobilie verkaufen : Schloss Kellenberg zum Schnäppchenpreis abzugeben

Es war Gegenstand von Untersuchungsausschüssen und Gerichtsverfahren: Jetzt will das Immobilienunternehmen des Landes das überteuert erworbene Schloss Kellenberg in Jülich-Barmen zum Schnäppchenpreis abgeben.

Das Wasserschloss Kellenberg in Barmen steht zum Verkauf. In einem Bieterverfahren will der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes NRW (BLB) 300.000 Euro erzielen. Ursprünglich hatte er drei Millionen Euro für die gesamte Immobilie bezahlt.

Das Exposé des Landesbetriebes liest sich gut: Standort und Lage könnten kaum besser sein, das Objekt liegt zudem „idyllisch in einem Naturschutzgebiet“. Die historische Anlage besteht aus der Hauptburg mit Herrenhaus und der Vorburg sowie land- und forstwirtschaftlichen Nutzflächen. Und wer auf etwas Luxus setzen möchte, den wird vielleicht freuen, dass die Burganlage, umgeben von einem Wassergraben, nicht nur mit drei Brücken versehen ist, sondern dass zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert „in mehreren Baustufen der Aus- und Umbau der Burganlage zu einem Barockschloss“ erfolgte.

Dabei konnte zuletzt nur ein Wohngebäude der Vorburg noch als Wohngebäude genutzt werden, weil vor 30 Jahren ein Brand das Dachgeschoss der Hauptburg so schwer beschädigt hatte, dass sie von innen eher einer Ruine gleicht. Letzte Bewohnerin dürfte Maria-Immaculata Erzherzogin von Österreich gewesen sein, die Witwe des früheren Eigentümers Reinhart Reichsgraf von und zu Hoensbroech. Maria-Immaculata ist Anfang April 2022 verstorben, seitdem steht die Immobile leer.

 Idyllische Lage und für potenzielle Prinzessinnen und Prinzen bestens geeignet: Für 300.000 Euro steht das Wasserschloss Kellenberg zum Verkauf.
Idyllische Lage und für potenzielle Prinzessinnen und Prinzen bestens geeignet: Für 300.000 Euro steht das Wasserschloss Kellenberg zum Verkauf. Foto: BLB NRW

Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb hatte die Immobile 2009 für die damals schon sagenhafte Summe von zwei Millionen Euro erworben, plus weiterer 1,1 Millionen Euro für 18.000 Quadratmeter Grün- und Waldfläche. Die Überlegung: Das Schloss sollte zu einer repräsentativen Tagungsstätte mit Hotelbetrieb ausgebaut werden. Das gab die baufällige Substanz aber nicht her. Nur zwei Jahre später hatte der Landesrechnungshof den überteuerten Ankauf gerügt, ein Untersuchungsausschuss des NRW-Landtages befasste sich mit dem Fall, der BLB versuchte gar noch zehn Jahre später den Kaufvertrag wegen Wucher für sittenwidrig erklären zu lassen, um den Kaufpreis zurückzuerhalten – und scheiterte vor Gericht.

Als die Mitglieder des damaligen NRW-Untersuchungsausschusses 2013 das Wasserschloss besichtigten, waren sie entsetzt. Der Zustand der Immobilie dürfte sich seitdem eher nicht gebessert haben. Der BLB beschreibt sein Schloss heute so: „Verschiedene Gebäudeteile der Hauptburg sind einsturzgefährdet. Es besteht die Notwendigkeit einer kompletten Erneuerung wesentlicher tragender und nichttragender Bauteile.“ Mit anderen Worten: Wer die Immobilie erwirbt, muss das Vielfache des Kaufpreises investieren.

An dieser Stelle wütete vor 30 Jahren ein Feuer: Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW kaufte Schloss Kellenberg in Jülich-Barmen 2009 für zwei Millionen Euro. Mit diesem Vorgang beschäftigte sich ein Landtags-Untersuchungsausschuss, der sich im Jahr 2013 vor Ort umsah.
An dieser Stelle wütete vor 30 Jahren ein Feuer: Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW kaufte Schloss Kellenberg in Jülich-Barmen 2009 für zwei Millionen Euro. Mit diesem Vorgang beschäftigte sich ein Landtags-Untersuchungsausschuss, der sich im Jahr 2013 vor Ort umsah. Foto: ZVA/Harald Kroemer

Das erklärt auch die aktuelle Kaufpreisvorstellung von 300.000 Euro. Die, so sagt ein BLB-Sprecher, „bildet als Orientierungswert den Ausgangspunkt für das Bieterverfahren. Die Höhe orientiert sich an dem aktuellen Verkehrswert der Liegenschaft“. Sie trägt aber auch dem hohen Sanierungsbedarf Rechnung und dem Umstand, dass bei allen Planungen der Denkmalschutz und der Naturschutz zu berücksichtigen sind.

Aber wer könnte sich heute für die Immobilie interessieren? Weil potenzielle Prinzen und Prinzessinnen, die Schlösser erwerben wollen, rar gesät sind, schwebt dem BLB „bei dieser einzigartigen Liegenschaft mit hohem Entwicklungspotenzial“ eine wohnwirtschaftliche oder gewerbliche Nutzung wie ein Büro oder Hotel vor, auch eine Mischung unterschiedlicher Nutzungen seien am Standort prüfenswert.

„Als Bürostandort verfügt die Liegenschaft über einen einzigartigen Charme und Charakter, so dass eine derartige Liegenschaft als repräsentativer Firmensitz interessant wäre“, preist der BLB sein Wasserschloss an und bringt es zudem als möglichen Hotelstandort ins Spiel: „Mit zunehmender Entwicklung des Brainergy-Parks Jülich sind weitere Nachfragepotenziale für Hotelübernachtungen zu erwarten“, heißt es da, die sich zudem auch aus den Aktivitäten der FH Aachen, des Forschungszentrums Jülich (FZJ) und des Technologienzentrums (TZJ) ergeben würde. Diese Idee verwundert, weil es parallel Pläne gibt, im Stadtzentrum ein Hotel mitsamt Kongresszentrum zu realisieren, was mit Blick auf FH, TZJ, FZJ und Brainergy-Park deutlich günstiger liegen würde, als ein Objekt im Stadtteil Barmen.

Das Bieterverfahren des BLB läuft noch bis zum 6. Februar. Alle Interessenten werden zum Ablauf über das Höchstgebot informiert, so dass sie die Möglichkeit haben, ihr Angebot nachzubessern. In einer dritten Runde könnten dann alle Bieter ein letztes Höchstgebot abgeben.

Ein Interessent dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht dabei sein: die Stadt Jülich selbst. Die hat gleich an mehreren Stellen das Interesse, Liegenschaften beziehungsweise Grundstücke des BLB zu erwerben. So etwa bei dem Teil des Baugebietes alte Fachhochschule in Jülich, der dem BLB zugesprochen worden war und der nach wie vor ungenutzt ist. Ebenso am Areal des ungenutzten ehemaligen Lehrerseminars im Bereich von Krankenhaus und Polizei. In beiden Fällen haben Verhandlungen zwischen Stadt und BLB keine Erfolge erzielt. Deswegen gab es in der Politik durchaus die Überlegung, dem BLB die Altlast Schloss Kellenberg abzunehmen, um im Gegenzug die anderen Grundstücke zu erhalten.