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Schleiden: Schleiden trauert um Pfarrer Weindorf

Schleiden : Schleiden trauert um Pfarrer Weindorf

Eine große Persönlichkeit ist tot. Pfarrer Weindorf verstarb am Freitag, dem 25. Juli 2008, im Alter von 99 Jahren in einem Dürener Pflegeheim. Bis jetzt war er amtierender Pfarrer von St. Nikolaus Schleiden.

Seinen Dienst am Altar konnte der Senior unter den amtierenden Priestern wegen seiner körperlichen Gebrechlichkeit seit Langem nicht mehr wahrnehmen.

Zuletzt hatte er Ende Mai 2006 die Erste Heilige Kommunion gespendet. Danach leitete er seine Pfarre vom Krankenbett aus, an dem auch die Kirchenvorstandssitzungen stattfanden.

Anteil genommen am Leben der Pfarrangehörigen

Im Dezember 2007 begab er sich in stationäre Pflege und übertrug die Leitung des Kirchenvorstandes seinem Vertreter Josef Schumacher. Auch in der Pflegestation ließ er sich in kurzen Zeitabständen über wichtige Dinge in seiner Pfarre berichten und nahm mit seinem hellen Verstand regen Anteil in allen Belangen seiner Pfarrangehörigen.

Mit großen Bedenken nahm er die jüngst vom Bischof angestrebte Fusionierung verschiedener Pfarreien zur Kenntnis. Als deren Folge erwartete er einen bedenklichen Rückgang des kirchlichen Gemeindelebens.

Tief religiöses Elternhaus

Peter Weindorf wurde am 21. Februar 1909 in Krefeld als Sohn eines Schneidermeisters geboren. Er entstammte einem tief religiösen Elternhaus, aus dem alle drei Söhne in den Dienst der Kirche traten, zwei als Priester und einer als Kirchenmusiker.

Peter Weindorf wurde am 17. März 1934 zum Priester geweiht. Nach Kaplansstellen in Breyell und Stolberg-Büsbach war er von 1941 bis 1945 als Kriegspfarrer an der Ostfront.

Am 26. November 1947 wurde er als Pfarrer an St. Nikolaus Schleiden berufen; für den energievollen, tatkräftigen Priester eine große Herausforderung; denn die Schleidener Pfarrkirche war durch Kriegseinwirkungen am 31. August 1943 total vernichtet worden.

Obwohl die Bevölkerung sehr unter den erheblichen Zerstörungen des gesamten Ortes litt, schaffte es Peter Weindorf, einen Kirchenbauverein zu gründen.

Als ein finanzieller Grundstock vorhanden war, wurde mit dem Bau begonnen. Dank der manuellen Hilfe seiner Pfarrkinder konnte er am 7. Dezember 1952 hier die erste hl. Messe feiern.

So ganz nebenbei hatte sich Peter Weindorf der Historie seines Heimatortes gewidmet, der nach seinen Feststellungen im Jahre 997 erstmalig erwähnt ist.

Er war auch der Initiator der Feierlichkeiten zum Tausendjährigen Bestehen im Jahre 1997 und Lieferant wichtiger Unterlagen für die Erstellung des Schleidener Heimatbuches.

Wiederbegründer der Schützenbruderschaft

Peter Weindorf war Präses der St. Nikolaus-Schützenbruderschaft, deren Wiedergründung er nach dem 2. Weltkrieg am 20. Juni 1948 maßgeblich beeinflusste.

Er begnügte sich in dieser Funktion nicht nur auf die seelsorgerische Betreuung und stand den Schützen auf sämtlichen Vorstandssitzungen und Versammlungen bis ins hohe Alter zur Seite.

Bei allen größeren Veranstaltungen, zuletzt beim 125-Jährigen im Jahre 2005, fungierte er als Schirmherr.

Besondere Bindungen hatte er zum Kirchenchor und zur Katholischen Frauengemeinschaft, deren Vorsitzender bzw. Präses er war. Im Übrigen war er allen Ortsvereinen zugetan, die er nach Kräften unterstützte.

Sie hatten ihm seinerzeit beim Kirchenneubau auf mannigfache Weise Hilfe geleistet. Das hat er ihnen nie vergessen. Pfarrer Peter Weindorf hinterlässt eine große Lücke, zumal er wohl Schleidens letzter Pfarrer war.