Linnich: Schaufenstergalerie in Linnich setzt multikulturelle Akzente trotz Baustellen

Linnich: Schaufenstergalerie in Linnich setzt multikulturelle Akzente trotz Baustellen

Was macht eine gute Hausfrau bei einer länger angelegten Renovierung in ihrem Heim? Sie bemüht sich, den vorherrschenden Staub im Zaum zu halten und trotz aller Widrigkeiten den Alltag für die Bewohner so angenehm wie möglich zu gestalten.

Analog dazu entschied sich der Arbeitskreis des Stadtmarketingvereins „Wir in Linnich“ trotz der großen Baustelle auf der Rurstraße auch in diesem Jahr die Auslagen der städtischen Geschäfte und Läden mit Kunst und Kunsthandwerk zu schmücken.

An einem sehr warmen Abend wurde die „Linnicher Schaufenstergalerie“ im Rahmen des 12. Linnicher Kultursommers mit vielen Gästen feierlich eröffnet. „Irgendwann werden doch die tristen Baustellen der Vergangenheit angehören und bis dahin wollen wir unsere Stadt bunt halten“, sagt die ehrenamtliche Organisatorin Hilde Gottfroh.

Nicht nur Farbenfroh sondern auch den anderen Kulturkreisen gegenüber offen präsentierten sich die Räumlichkeiten des ehemaligen Boschladens in der Rurstraße 48 während der offiziellen Vorstellung der Künstler. Neben den Kunstschaffenden aus Linnich, Düren und Köln stellen zum ersten Mal auch die Neu-Linnicher ihre Arbeiten in der „Straßengalerie“ aus.

Kunst aus Afrika

In der Kooperation mit dem Initiativkreis Asyl Linnich nehmen junge Zeichner aus Syrien und Guinea an der diesjährigen Straßen-Aufwertungsaktion teil. „Linnich ist und bleibt eine bunte Stadt. Nicht zuletzt dank der Menschen, die hier wohnen, auch zunehmend multikulturell. So entstand die Idee, Kunst als Integrationsmittel wahrzunehmen und Menschen mit Migrationshintergrund bei der Verschönerung der Stadt zum Mitwirken einzuladen“, erklärte Gottfroh in ihrer Begrüßungsrede die Initiative des Arbeitskreises.

So begegneten die Gäste im ehemaligen Boschladen, der mit maritimer Dekoration und entsprechenden Bildern in ein „Künstleratelier am Meeresufer“ stilvoll umfunktioniert wurde, auch einem Hauch von Afrika.

Mahmoud und Mohamad Eslam Jarjanaze aus Syrien, deren künstlerische Talente bislang im Verborgenen schlummerten, stellen ihre in Bleistift oder Farbe angefertigten Skizzen vor. Die jungen Brüder stammen aus einer künstlerischen Familie, in der seit Generationen die Malerei ausgeübt wurde. Neben ihrer Ausbildung zum Optiker bzw. Zahntechniker bleiben sie der Familientradition treu und zeichnen in ihrer Freizeit Bilder, die unter anderem mit einer filigranen, orientalischen Note verzaubern. „Wir möchten unseren Dank an die Menschen aussprechen, die uns ermöglicht haben, unsere Arbeiten hier auszustellen“, sagt Mohammad Jarjanaze, der seine Skizzen gerne mit „Eslam“ signiert.

Ebenso erfreut und „sehr glücklich“ darüber ist der jüngste Aussteller, Aboubacar Konde aus Guinea. Seine naive Malerei besticht mit afrikanischen Symbolen, neben verblüffenden, in einem Strich gezogenen Piktogrammen.

Mit Ela Bullik gewann das Projekt „Linnicher Schaufenstergalerie“ eine weitere Newcomerin. Ihre Ölmalerei ist in der Auslage der St. Martin-Apotheke zu bewundern. Das große Fenster der Volksbank Erkelenz in der Löffelstraße beherbergt die Ergebnisse vieler kreativer Arbeitsstunden gleich mehrerer Künstlerinnen. Das „Malstudio Privatkreis“ von Hilde Gottfroh präsentiert dort die farbenfrohen Arbeiten von Gisela Dohmen in Aquarelltechnik neben den Pastellen von Anna Pohl. Mit Acrylfarben bringen Inge Meuser-Königs und Gene Mörschel ihre malerischen Motive zum Ausdruck.

Neben den im Boschladen präsentierten Afrika-Reminiszenzen stellt Gottfroh hier ihre Ölgemälde aus. „Die Ideen für meine Bilder entstehen oft über Nacht und aus dem Bauch heraus“, sagt sie. Es sind surreale Motive, abstrakte Landschaften und in Bewegung festgehaltene Menschen, welche die Künstlerin bei ihren vielen Reisen inspiriert haben.

Im Bereich der Löffelstraße stellt zudem Dorothea Wolf-Öhneskog hinter den schön dekorierten Glasscheiben von „Optik Mennen“ ihre Malerei aus. Ein paar Häuser weiter im Schaufenster von „Wir in Linnich e. V.“ kann der handgefertigte Glasschmuck von Dorothea Gerards bestaunt werden.

„Das Durcheinander auf den Straßen schreckt viele Aussteller ab und deswegen fällt unsere Galerie diesmal etwas kleiner aus“, stellt Hilde Gottfroh fest und fügt hinzu, „Unsere Aktion befindet sich noch in Bewegung, es muss doch in Linnich irgendwie und vor allem bunt weitergehen“.

(mavo)