Aldenhoven: Sanierung der Gnadenkapelle Aldenhoven soll im Mai fertig werden

Aldenhoven: Sanierung der Gnadenkapelle Aldenhoven soll im Mai fertig werden

Ursprünglich sollte die Totalsanierung der Gnadenkapelle im Marienwallfahrtsort Aldenhoven Ende des Jahres beendet sein. Doch die Fertigstellung des 1659 erbauten Sakralbaus mit oktogonalem Grundriss hat sich verzögert.

Bei Gebäuden dieses Alters gibt es während der Sanierungsphase häufig Überraschungen, die Gnadenkapelle ist da keine Ausnahme. So musste bei der Sanierung der Fundamente weit tiefer ausgeschachtet werden, als zunächst vermutet. Auch der Austausch defekter Steine im Mauerwerk hat sich von 1200 auf rund 2500 mehr als verdoppelt.

Die Figurengruppe des Altars wird in den Kalker Werkstätten ebenfalls aufgearbeitet. Rechts im Bild Diplom-Restaurator Markus Bennemann. Foto: Wolters

„Inzwischen ist alles schön trocken“, sagt Ralf Herhut vom Kirchenvorstand, der mit den laufenden Arbeiten befasst ist. So müssten außen die Mauern noch fertig verputzt werden und der Anstrich erfolgen. Nach Worten Herhuts hat der Mehraufwand auch die Kosten erhöht: War das Sanierungsprojekt bislang mit 375.000 Euro veranschlagt, werden inzwischen 400.000 Euro geschätzt.

Der Kerzenruss hat den Barockaltar fast schwarz werden lassen. Mitarbeiter der Restauratorenwerkstatt bei der Reinigung der Hölzer. Foto: Wolter

Innen ist ebenfalls ein neuer Anstrich vorgesehen, doch ist die Kapelle noch weitgehend leergeräumt, denn das hölzerne Inventar einschließlich des ursprünglichen Barockaltars befindet sich noch in Köln in den Kalker Werkstätten zur Restaurierung. Dort müssen außerdem einzelne Bestandteile des Altars wie das Antependium (Altarunterbau) und der Lambris-Vertäfelung, die durch Insekten- oder Schwammbefall stark geschädigt waren, originalgetreu nachgebildet werden.

Diplom-Restaurator Markus Bennemann von der Bennemann & Ellermann GbR, die Teil der 2001 gegründeten Kooperation selbstständiger Restauratoren sind, ist sehr angetan vom bauhistorischen Originalzustand des Ende des 17. Jahrhunderts geschaffenen Altars, bei dem er genau nachvollziehen kann, mit welchen Techniken, Gerätschaften und Konstruktionsprinzipien die Handwerker in der damaligen Zeit die einzelnen Bestandteile mit großem Aufwand angefertigt haben.

Doch bei der Aufarbeitung des Altars geht es zunächst darum, die holzsichtigen Oberflächen gründlich zu reinigen. Russende Kerzen, die über Jahrzehnte die Luft der Wallfahrtskapelle schwängerten, haben das Holz fast schwarz werden lassen. Eine spezielle Flüssigkeit muss in mehreren Durchgängen aufgebracht werden, um die Oberflächen stark aufzuhellen. „Wie eine gute Havanna“, umschreibt Markus Bennemann den gewünschten Farbton.

Bei der genaueren Untersuchung der Bestandteile des Barockaltars, den Mitarbeiter der Werkstatt in Aldenhoven ausgebaut haben, sind Bennemann Fassungsspuren aufgefallen, die darauf hindeuten, dass der Altar in ganz früher Zeit stellenweise noch weit farbenfroher gewesen sein könnte. Diese Befunde seien aber zu gering, sagt Bennemann, der den heute bekannten und auf Abbildungen dokumentierten Zustand des Barockaltars wiederherstellen wird. So sucht der diplomierte Restaurator noch nach alten Abbildungen des Altars, um eine Vorlage für den hölzernen Unterbau (Antependium) zu haben, für den er eine Nachbildung anfertigen wird.

Kellerschwamm, Insektenbefall

An den seitlichen Nischengehäusen muss Kellerschwamm entfernt und gegebenenfalls ausgebessert werden, während die Lambris-Vertäfelung in einer Spezialwerkstatt in Hürth mehrere Tage begast worden ist, „was alles tierische Leben zerstört hat“, wie Bennemann diese Maßnahme gegen Insektenbefall umschreibt.

Inwieweit noch partielle Vergoldungen und Versilberungen vorgenommen werden, wird im Januar bei einem gemeinsamwen Ortstermin in den Werkstätten erörtert, an dem Vertreter der Kirchengemeinde, des Bistums und des LVR-Amtes für Denkmalpflege im Rheinland teilnehmen und der Kostenrahmen eine wichtige Rolle spielen wird. Im Marienmonat Mai soll alles fertig sein.

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