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Jülich: Saitenkunst in Perfektion

Jülich : Saitenkunst in Perfektion

Ein Stuhl, eine Fußbank und eine Gitarre - viel mehr braucht Detlev Bork nicht, um in die Klangsprache der andalusischen Kultur einzutauchen.

Ein beeindruckendes Konzert, in dem sich die klassische Gitarre und Flamenco-Gitarre ein Stelldichein gaben, erlebte das Publikum auf Einladung des Musikstudios „SixAndFour” im Jülicher Kulturbahnhof.

Borks sensibler Flamencostil schimmerte schon im ersten Teil seiner Darbietung durch, obwohl dort nur klassische Titel spanischer Komponisten angesagt waren und sich der Klang einer Konzertgitarre grundlegend von der Flamencogitarre unterscheidet.

Ausgereiftes Spiel

In seinem ausgereiften Spiel lebt die spanische Romantik auf und wird greifbar. Virtuos tanzen seine Finger in atemberaubender Geschwindigkeit über die Saiten, wenn er zu einem Streifzug durch die verschiedenen Spielarten seiner Musik einlädt.

Ob kraftvoller Zapateado oder feurige Rumba, seine Liebe zu spanische Rhythmen war bei allen Beiträgen spürbar. Auch eine Hommage an seinen großen Lehrer Andrés Batista fehlte an diesem Abend nicht.

FAst ohne Bässe

Im zweiten Teil seiner Darbietungen stand der Flamenco im Vordergrund, und schon bei dem ersten Titel „Farruca” war der Rhythmus dominant und er bestimmte auch den weiteren Verlauf des Abends. Die Sprache seiner der Flamenco-Gitarre ist kurz, spitz mit brillantem Anschlag und fast ohne Bässe.

Seine Interpretationen zeugen von einem tiefen Respekt vor dieser wundervollen Musik. Obwohl in Kiel geboren und in Heidelberg zu Hause, ist er ein gestandener „Guitarrista” der sich vor seinen spanischen Kollegen nicht zu verstecken braucht.

Plaudereien aus dem Nähkästchen

Der 36-jährige Künstler mit einer klassischen Gitarrenausbildung weiß sehr viel über die spanische Kultur und Musik und natürlich den Flamenco. Zwischen den Stücken plaudert er aus dem Nähkästchen. Der Flamenco ist ein Musikstil, der sich über einen Zeitraum von 500 Jahren entwickelte, in der Region von Andalusien und Süd-Spanien beheimatet ist und viele Spielarten hat. Experten sind sich darin einig, dass Flamenco ein Element der Zigeunermusik ist und arabischen, hebräischen und andalusischen Einflüssen unterliegt.

Flamenco ist ernst und erzählt von Einsamkeit, verlorener Liebe oder dem Tod. Seltsamerweise kommen politische Texte im Flamenco gar nicht vor, erklärte Detlev Bork. Seine erste Begegnung mit dem Flamenco hatte er mit elf Jahren. „Mein erster Gitarrenlehrer war ein spanischer Gastarbeiter und der konnte nur Flamenco”, erklärte er im Gespräch mit unserer Zeitung.