Selgersdorf: Romantische Musik mit und ohne Worte

Selgersdorf: Romantische Musik mit und ohne Worte

Trotz der zeitgleich laufenden, spannenden zweiten Halbzeit um das WM-Viertelfinale mit deutscher Beteiligung fanden sich recht viele Liebhaber der „Musik der Romantik” in der Pfarrkirche Selgersdorf ein. Die wunderschöne Romanze „sans Paroles” (ohne Worte) von Joseph Bonnet stimmte als Orgelsolo von Reinhard Lahm von der Empore aus auf das Konzert ein.

Um die Orgel versammelt, brachte der Frauenchor ad libitum Selgersdorf unter Leitung von Barbara Brüsselbach mit Lahm die Motetten „O beata et benedicta” und „Veni Domine” von Felix Mendelssohn in Perfektion zu Gehör, gefolgt von der Hymne zur Eucharistie-Feier „O salutaris hostia” von Gabriel Fauré.

Nun wechselten nicht nur Ort und Instrument, sondern auch das Genre von der Kirchenmusik in die Klassik: Mit der „Fantasie über ein Thema von Haydn” von Marcel Grandjany lotete Harfenistin Daniela Wolff im Chorraum feinfühlig das gesamte Farbspektrum ihres Instruments aus. Zurück zu Mendelssohn: „Hebe deine Augen auf” erklang kristallklar aus dem Mund des Frauenchors des Forschungszentrums Jülich, gefolgt vom „Sancta Maria” von Johannes Schweitzer und dem „Leise, leise, fromme Weise” von Carl Maria von Weber. Es dirigierte Sabrina Pelzer, die gleichzeitig mit ihrer hohen, voluminösen Stimme den Chorgesang verstärkte.

Von der Empore aus erklangen Orgel und Horn feierlich im „Gebet” von Bernhard Eduard Müller. Hornistin Claudia Schietzel-Reimann und Organist Lahm zeigten ein perfektes Zusammenspiel. „Vier Gesänge Opus 17” von Johannes Brahms unter Mitwirkung fast aller Beteiligten gestalteten den Höhepunkt des einstündigen romantischen Konzerts.

Sabrina Pelzer dirigierte die beiden Frauenchöre unter Einbeziehung von Harfe und Hörnern. Bisher noch nicht in Erscheinung getreten war Hornist Felix Wilmen. Die tragische Thematik zog sich durch alle vier Stücke, deren letztes „Frauenchor-Kenner” Brahms ein halbes Jahr später schrieb als die anderen.

Dies war auch stilistisch erkennbar: Waren die ersten drei Gesänge in einem zarten, empfindsamen Tonfall gehalten, gestaltete sich der abschließende „Gesang aus Fingal” als dramatische Szene, der bereits auf den späteren „Gesang der Parzen” hinweist. Die beeindruckende Gesamtleistung der Musiker erntete begeisterten, lang anhaltenden Applaus.

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