Rock für Inklusion im KuBa

„Rock für Inklusion“ im KuBa : Zwei Bands begeistern mit ihren Songs

Lieder von Tim Bendzko, den Ärzten, Udo Jürgens und den Höhnern live auf der Konzertbühne im Jülicher KuBa – das ist durchaus eine Erwähnung wert. Die wahre Besonderheit stellten allerdings die Formationen selbst dar.

Bei dem besonderen Konzertereignis im KuBa sorgte nämlich zum zehnten Mal die inklusive Jülicher Band „Authentics“ für Stimmung. Zuvor traten bereits die Musiker der Gruppe „Workshop“ aus Heinsberg auf.

Die beiden Musikgruppen, bestehend aus Menschen mit und ohne Behinderungen, spielten vor knapp 100 gut gelaunten Gästen Hits aus der deutschen Pop- und Rockmusik und sorgten für ausgelassene Partystimmung.

„Du bist vom selben Stern, wie ich“, sang Daniel Stolz, Frontmann der Band „Workshop“, den Refrain des „Ich + Ich“-Songs ins Mikrofon, und traf damit den thematischen Nagel des Abends auf den Kopf. Die Musiker eröffneten damit ein Konzert der besonderen Art, wobei der Kulturbahnhof als Begegnungsstätte fungierte.

Das Musikprojekt, das ursprünglich aus einem Freizeitangebot der Werkstätten der Lebenshilfe Heinsberg hervorging, besteht bereits seit 2001. Von den zehn im Kulturbahnhof aufgetretenen Mitgliedern sind Bassist und Betreuer Marco Roßkamp sowie die beiden Sänger Daniel Stolz und Frank Döbrich von Anfang an dabei.

Die Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) verfolgen bundesweit in ihren Einrichtungen den Auftrag, die Betroffenen durch angebotene Arbeit und Fördermaßnahmen in ihrer individuellen Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen. Die Mitglieder von „Workshop“ entdeckten für sich die Möglichkeit, gemeinsam Musik zu machen, um diesem Auftrag auf eine besondere Art und Weise gerecht zu werden.

„Das Projekt bildet sich aus Menschen mit Assistenzbedarf, hauptamtlichen Betreuern der Werkstätten und Ehrenamtlern“, erklärte Gründungsmitglied Marco Roßkamp.

„Auf der Bühne sind wir alle Musiker, da spielen Behinderungen überhaupt keine Rolle“, sagte Roßkamp und beschrieb so seinen Beitrag und den der gesamten Band zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen.

„Das hat man heute gesehen und so möchten wir auch verstanden werden“, erläuterte auch der Bassist mit dem Ramones-T-Shirt, der sich während des Konzertes mit seinem Instrument im Hintergrund hielt und den Sängern und Sängerinnen die Bühne und Aufmerksamkeit überließ.

Einen ebenfalls großen Auftritt hatte Sandy Dann, ein neues Mitglied der Band. Sie sang „Geile Zeit“ von der Band „Juli“ und sorgte für bewegte Stimmung im Publikum, das ab der ersten Strophe das gesamte Lied mitsang.

Im Anschluss stellte die Band zwei ihrer selbst komponierten und getexteten Lieder im KuBa vor. Auch hier wurde freudig mitgetanzt und mitgesungen. Mit ihrem Stück „Auf geht’s“ wurde die Band 2010 in Aachen zum Karnevalsnewcomer des Jahres ernannt. Ein drittes Stück – „Schatten an der Wand“ produziert vom Gitarristen und früheren „Höhner“-Mitglied Ralle Rudnik, feiert am 4. Mai in Hückelhoven Live-Premiere.

Mittlerweile stehen „Workshop“ über zwanzig Mal im Jahr gemeinsam auf der Bühne, überwiegend im Kreis Heinsberg, aber auch in Aachen und Mönchengladbach. Das Konzert bei „Rock für Inklusion“ im KuBa war für sie der bisher erste Auftritt im Jülicher Raum.

Nach ihrer mit großem Beifall quittierten Performance gesellten sich die Bandmitglieder unter das Publikum und genossen die Darbietung der Jülicher Lokalmatadore „Authentics“, deren zahlreiche Fans im Publikum bereits anhand ihrer T-Shirts mit aufgedrucktem Bandschriftzug zu erkennen waren.

Die sechs Mitglieder, die alle seit 2006 gemeinsam auf der Bühne stehen, begeisterten das Publikum ebenfalls mit einem Potpourri deutscher Popsongs. „Mit Musik kann man viele Menschen erreichen, es ist der einfachste Weg“, beschreibt Melanie Bickschäfer die Idee, als Band den Gedanken der Inklusion möglichst vielen Menschen näher zu bringen. Die Betreuerin im Stammhaus Jülich, in dem die meisten der Musiker wohnen, spielt in der Band selbst Gitarre und legte mit ihren Kollegen einen weiteren erfolgreichen Auftritt im Kulturbahnhof hin.

„Wir sind sehr dankbar, dass uns der Kulturbahnhof das jetzt schon zum zehnten Mal ermöglicht. Das ist nicht selbstverständlich“, freute sich Bickschäfer. Passend dazu lud „Authentics“-Sänger Thomas Bachtenkirch nach zwei vom Publikum geforderten Zugaben und unter großem Applaus bereits zur elften Veranstaltung von „Rock für Inklusion“ ein.

Auch nach über zwölf Jahren gemeinsamen Musizierens lässt die Begeisterung bei keinem der Mitglieder nach. „Wir machen noch lange weiter“, bekräftigte Bickschäfer nach dem Konzert und gab einen kleinen Ausblick auf mögliche weitere Vorhaben: „Wir würden gerne eine Aufnahme produzieren und mal ein eigenes Lied schreiben.“ Nach einem stimmungsvollen Konzertabend blicken die „Authentics“-Fans sicherlich mit Vorfreude darauf.

(jadro)
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