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Reportage: Wie funktioniert eigentlich die Ernte auf dem Feld

Ab aufs Feld : Mit dem Mähdrescher auf Erntefahrt

Seit einigen Wochen kann man auf den Feldern in der Region das wachsende Getreide beobachten, das sich oft so anmutig im Wind bewegt. Nun ist Erntezeit und Volontärin Kim Statzner war mit auf dem Feld.

Es ist warm. Die Mittagssonne knallt auf das Feld vor den Toren von Welldorf. In der Luft liegt der süßliche Geruch von Gerste. Seit dem Winter reift sie hier unter den wachsamen Augen der örtlichen Landwirte heran. Anfang Juli ist es soweit: Das Getreide kann geerntet werden, nicht nur von unserem Feld, sondern von hunderten Parzellen in der gesamten Region. Für die Mitarbeiter auf den Höfen und Feldern bedeutet das rund eine Woche Erntestress von morgens früh bis abends spät.

Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde die Gerste noch von Hand gemäht und dann auf dem Hof gedroschen. Seit der Mechanisierung der Landwirtschaft übernimmt diese Aufgabe, wie der Name ja schon sagt, der Mähdrescher. Auch auf dem Feld vor Welldorf kommt ein solches Wunderwerk der Landwirtschaftstechnik zum Einsatz. Für den Laien erinnert das eindrucksvolle Gefährt an ein gefräßiges Biest, das unersättlich Getreide in sein scharf bezahntes Maul schaufelt und hinten die verdauten Reste wieder ausspuckt. Der Experte weiß, da steckt viel mehr dahinter. Stefan Meuser sitzt quasi schon, seit er Laufen kann, an den Steuern großer Landmaschinen. Seine Aufgabe für den Tag: Das rund fünf Hektar große Stück Land nahe Welldorf abernten und die Gerste in großen Containern für Lagerung und Verkauf abtransportieren.

Mit knatterndem Motorengeräusch beginnt die Fahrt. Das über fünf Meter breite Vorderteil, an dem sich die so genannte Einzugsschnecke, der Messerbalken und die Haspel – das ist der Teil, der sich vorne dreht – befinden, senkt sich langsam ab. Durch die große Scheibe der Fahrerkabine lässt sich ausgezeichnet beobachten, wie die Maschine die Gerste verschlingt. Ein kleines Fenster auf der Rückseite bietet eine etwas verstaubte Aussicht auf die im Inneren bereits voll automatisch vom Rest der Pflanze getrennten Gerstenkörner, die aus einem Rohr in einen rund 4,5 Tonnen fassenden Behälter rieseln.

Die geerntete Gerste wird nach jeder Runde in einen Anhänger abgeladen. Foto: ZVA/Kim Statzner

Dass Meuser heute überhaupt losfahren kann, ist nicht selbstverständlich. „Ob wir Ernten können, hängt immer stark vom Wetter ab“, erklärt der 38-Jährige während der Fahrt durch die Ähren. „Die Gerste muss absolut trocken sein.“ Deshalb beginnt seine Arbeit auf dem Feld auch frühestens am Mittag, wenn der Morgentau bereits getrocknet ist. Am Vormittag steht stattdessen Maschinenpflege auf dem Plan.

Sein Arbeitsplatz, die Fahrerkabine, ist komfortabel. Es gibt eine Klimaanlage und sogar Radio. Früher, erzählt Meuser, war das nicht so. Da habe man fast ohne Schutz vor dem allgegenwärtigen Staub auf dem Bock gesessen und auch die Technik sei bei weitem nicht so ausgeklügelt gewesen. Heute verhindert auch der Arbeitsschutz die offenen Kabinen von anno dazumal.

Auch fahren kann so ein Mähdrescher annähernd von alleine. Deshalb darf auch eine landunerfahrene Volontärin einmal kurz ans Steuer und stellt fest: Mähdrescherfahren macht Spaß. Die Geschwindigkeit hält das Fahrzeug automatisch, wie ein Tempomat im Auto. Zum Lenken muss man allerdings kräftig kurbeln, bis sich die schwerfällige Maschine in die Kurve legt. Meistens sind aber nur Feinjustierungen nötig, um die zu erntende Gerste im richtigen Winkel zu erwischen. Für das Wenden am Rand des Feldes übernimmt der Experte sicherheitshalber wieder das Steuer.

Das ganze Feld abzuernten dauert rund viereinhalb Stunden. Hinten kommt das gehäckselte Stroh heraus. Foto: ZVA/Kim Statzner

Nach einer gefahrenen Runde wird abgeladen. Über ein Rohr werden die Gerstenkörner in einen bereitstehenden Container geschüttet. Das erfordert Geschick, denn um alles gleichmäßig zu verteilen, muss der Mähdrescher während des Abladens langsam vor und zurück fahren.

Bei der nächsten Runde fällt dann plötzlich etwas auf dem abgeernteten Teil des Feldes auf. Nahe der Straße hat der Mähdrescher nicht nur Ähren geschreddert. Die Überreste von etwas, was wohl einmal Prospekte waren, liegen in Fetzen auf dem Boden verstreut. „Das passiert tatsächlich leider öfter“, berichtet Meuser. „Vor einiger Zeit haben wir sogar einmal einen Suppentopf mitsamt Erbsen auf einem Feld gefunden, den wir aber zum Glück schon vor der Ernte bemerkt hatten und entfernen konnten.“ Um Rehkitze muss er sich auf den Gerstenfeldern aber keine Gedanken machen. Zur Erntezeit sind diese bereits groß genug und liegen nicht mehr in den Pflanzen.

An diesem Tag fährt Stefan Meuser noch rund viereinhalb Stunden, bis die ganze Parzelle abgeerntet ist und nur noch die Stoppeln auf dem Feld zurückbleiben. Wenn die Wintergerste schließlich auf dem Weg in die Silos ist, kehrt bei den Landwirten wieder etwas Entspannung ein. Bis zur nächsten Ernte.