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Rentnerin wird von fremder Frau bis zum Haus verfolgt

Bis zum Haus verfolgt : Betrugsversuch mit angeblicher Schwangerschaft

Eine 70 Jahre alte Jülicherin wurde am Samstagmorgen von einer Unbekannten angesprochen und um Hilfe gebeten. Vorher verfolgte die Fremde die Frau bis zu ihrem Haus.

„Auf einmal steht diese Frau hinter mir in meinem Wohnzimmer.“ So beschreibt Annemie Hohn-Germes aus Jülich den Schreckmoment des vergangenen Wochenendes. Eine Frau, die mutmaßlich zu einer Gruppe von Trickbetrügern gehört, hatte es auf sie abgesehen. Angewendet hat sie eine Masche, die der Polizei bisher nicht bekannt war: Sie gab vor, schwanger zu sein und große Schmerzen zu haben. Zum Opfer geworden ist die 70-jährige Jülicherin aber nicht. Sie ist mit dem Schrecken davongekommen. „Da kriegt man es mit der Angst zu tun. Ich werde die Türe hinter mir künftig abschließen“, sagte sie.

„Wir kennen es, dass Menschen vorgeben, in einer hilfsbedürftigen Situation zu sein und dann bitten, dass man ihnen Zutritt gewährt“, teilte die Polizei mit. „Aber eine Masche mit einer Schwangerschaft war uns bisher nicht bekannt. Wir gehen aber davon aus, dass das ein Betrugsversuch war.“

Ein äußerst ausgeklügelter, den auch Hohn-Germes nicht sofort erkannt hatte. Erstmals war die Fremde der Jülicherin nämlich am Samstag in einem Supermarkt begegnet. Die angeblich schwangere Frau, etwa Mitte 20 mit einem gepflegten Aussehen und europäischem Erscheinungsbild, war ihr aufgefallen, weil sie offenbar nichts kaufte. Hohn-Germes fuhr nach Hause und begegnete der Frau wieder, die angeblich mit dem Fahrrad unterwegs war und jetzt derartige Schmerzen habe, dass sie Hilfe braucht, wie sie in gebrochenem Deutsch mitteilte. Dass es einer schwangeren Frau nicht möglich sein konnte, innerhalb von so kurzer Zeit mit dem Rad vom Supermarkt bis zu ihrem Haus zu gelangen, kam der Jülicherin erst später in den Sinn. Ein Nachbar habe die angeblich Schwangere angesprochen, für Hohn-Germes schien die Sache erledigt zu.

Sie betrat ihr Haus und erschreckte sich stark, als die Frau kurz darauf hinter ihr stand und um Hilfe flehte. „Ich dachte wirklich, die kriegt hier jetzt ihr Kind“, schilderte die Jülicherin die Überzeugungskunst der Fremden. Sie habe ihr auf Toilette geholfen und sie gefragt, wo ihr Mann oder ihre Familie sei und ob sie einen Krankenwagen rufen soll. Die Kommunikation habe aber nicht funktioniert. „Dann habe ich durch ein Fenster gesehen, dass meine Tochter auf dem Weg zu mir war. Ich habe der Frau gesagt, dass meine Tochter sie ins Krankenhaus bringen kann. So schnell konnte ich gar nicht gucken, wie die auf einmal weg war“, schildert Annemie Hohn-Germes das Ende der Erfahrung, die von der  Polizei als Betrugsversuch eingestuft wird.

(jan)