Reitturnier in Jülich: Dressur statt Springen

Jülicher Reit- und Fahrverein : Eleganz und Harmonie beim Dressurturnier

Wenn der Jülicher Reit- und Fahrverein „Jan von Werth“ vom 10. bis zum 12. Mai zu seinem Dressurturnier einlädt, dann spielt Tradition eine große Rolle. „1884 fand das erste Reitturnier des damaligen Jülicher Rennvereins statt“, weiß Natalie Brocks von Reitverein und Vorsitzender Matthias Wickerath sieht seinen Verein genau in dieser Tradition. Trotz aller Traditionen hat der Verein aber auch mit Problemen zu kämpfen.

Die Turniere des Jülicher Reit- und Fahrvereins sind ein beliebter Treffpunkt. „Beim Springturnier haben wir an drei Tagen bis zu 3000 Besucher“, erzählt Vorsitzender Matthias Wickerath. Für den Verein und seine Mitglieder ist das stets eine logistische Herausforderung.

Das wird auch deutlich, wenn der Verein in diesem Jahr erstmals auf sein attraktives Springturnier verzichtet und stattdessen ein größeres Dressurturnier verspricht. Das fand zuletzt 2017 statt. „Dressur zeichnet sich durch Eleganz, Feinheit, viel Ausdruck und Harmonie aus“, sagt Natalie Brocks. Gestartet wird bei der Neuauflage in diesem Jahr am Freitag mit den Prüfungen für junge Pferde. Am Samstag folgen dann die Klassen L und M, eine Prüfung der Klasse A und eine Mannschaftsprüfung.

Natalie Brocks: „Gerade die Mannschaftsprüfungen sind bei den Zuschauern sehr beliebt, weil es darum geht, eine einheitliche Vorstellung mit drei bis vier Pferden zu gestalten. Und da um die Kreismeisterschaft des Kreispferdesportverbandes Düren geritten wird, steht erneut ein spannender Konkurrenzkampf zwischen den verschiedenen Vereinen und Mannschaften bevor.“ Der Sonntag ist für den Nachwuchs reserviert – dann können sich die Kleinsten den Richtern bei Prüfungen in der Führzügelklasse, einem Reiter- und einem Dressurwettbewerb präsentieren.

Matthias Wickerath und Natalie Brocks vom Reit- und Fahrverein „Jan von Werth“ freuen sich auf das Dressurturnier am Wochenende. Foto: Burkhard Giesen

Dass sich der Verein in diesem Jahr ganz auf das Dressurturnier konzentriert und das beliebte Springturnier gestrichen wurde, hat gleich mehrere Gründe. „Wir haben zwar kein Nachwuchsproblem, aber die Zahl der aktiven Helfer bei solchen Veranstaltungen geht deutlich zurück. Wir mussten schon beim letzten Turnier auf bezahlte Helfer zurückgreifen“, erläutert Matthias Wickerath. Hinzu kommt, dass auch die Anzahl der Sponsoren, die die Ausrichtung der Turniere unterstützen, rückläufig ist. Geld oder Helfer sind aber gar nicht der Hauptgrund.

Der Verein hat vielmehr ein Problem mit der Infrastruktur. Der Dressurplatz am Hasenfelder Weg befindet sich unmittelbar an der Reithalle, wohingegen der Turnierplatz am Stadionweg hinter dem Freibad angesiedelt ist – rund 600 Meter entfernt von der Reithalle und von sämtlicher Infrastruktur. Veranstaltungen an zwei unterschiedlichen Standorten mit getrennter Infrastruktur anzubieten ist kosten- und arbeitsintensiv. „Schon im letzten Jahr haben wir nur einen Wettbewerb organisiert, um das logistisch meistern zu können“, sagt Wickerath.

Beim Blick auf den Turnierplatz fehlt insbesondere ein Stromanschluss. Im letzten Jahr hat sich der Verein mit einem Notstromaggregat beholfen und rund 100 Meter Kabel verlegt. Das ist aber keine Dauerlösung. Die Alternative: „Wir könnten auf die neue Trafostation für das Freibad zugreifen“, sagt Wickerath. Haken an der Sache: Das Kabel müsste auf 400 Metern in der Erde verlegt werden. Das dürfte rund 6000 Euro kosten, schätzt Wickerath. Vor der Investition schreckt der Verein zurück, weil man nicht weiß, wie lange der Turnierplatz überhaupt noch genutzt werden kann.

Im Oktober 2018 hat der Jülicher Stadtrat einstimmig die Verwaltung mit der Planung eines neuen Hallenbades beauftragt – in direkter Verbindung zum Freibad. Zwar sind die Planungen noch nicht wirklich weit gediehen, aber denkbar ist durchaus, dass der Turnierplatz am Stadionweg, der sich unmittelbar an das Freibadgelände anschließt und in städtischem Eigentum befindet, ein möglicher Standort für einen derartigen Neubau sein könnte. Bis in diesem Punkt Klarheit herrscht, denkt der Jülicher Reit- und Fahrverein darüber nach, auch in Zukunft seine Turniere im Wechsel stattfinden zu lassen – bis Planungssicherheit herrscht.

Erstmals wird es beim Dressurturnier des Jülicher Reit- und Fahrvereins Prüfungen bis zur M*-Klasse geben. Das beliebte Springturnier muss in diesem Jahr allerdings ausfallen. Einer der Gründe: Probleme mit der Infrastruktur, die die Reiter gerne abstellen würden. Foto: Antje Coenen-Hons
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