Jülich: Rapper Mister Morris begeistert mit durchdachten Reimen

Jülich: Rapper Mister Morris begeistert mit durchdachten Reimen

„Massentierunterhaltung“ heißt die neue CD des Hip Hop-Rappers „Mister Morris“, die er unlängst im Rahmen einer Release-Party mit reichem Rahmenprogramm in der Kuba-Kneipe vorstellte. Was ist das? „Massentierunterhaltung“ ist ein Kofferwort aus den Begriffen Massentierhaltung und Unterhaltung und meint „Künstler als arme Hühnchen in Legebatterien“, wie Morris es ausdrückte.

Individuelle Musikrichtungen würden von der Musikindustrie immer mehr zu einem Einheitsbrei vermischt, „um die breite Masse zu bedienen“, so Morris. Nicht so bei ihm, der in seinen elf Jahren in der Musikbranche dem „Boom Bap“, einem Subgenre des Hip-Hops aus den 90er Jahren, treu geblieben ist. Als der 28-jährige, schmächtig erscheinende Mister Morris mit Brille und Cap sehr spät am Abend auf die Bühne der gut gefüllten KuBa-Kneipe stieg, herrschte beste Stimmung.

Dafür hatten seine vier hörenswerten Vorbands aus zumeist lokalen Rappern gesorgt. Morris performte Stücke wie „Fragmente“ mit Trompeteneinspielung von Tobias Winstel, wo der Hip-Hopper Vergangenes resümiert und hinterfragt. Ein anderes Beispiel ist „Komma kla“, eine Anklage an einen Rapper, der sein wahres Ich hinter einer Maske versteckt. Rappend veranlasste Morris sein Publikum, sich mit dem Hip Hop aus kultureller Sicht und komplexen Themen ohne Schubladendenken zu beschäftigen. Wichtig war es ihm auch, medienkritisch das „Cyber Leben“ mit seiner ständigen Vernetzung zu monieren.

Mister Morris verzichtet überwiegend auf jugendlichen Slang und bedient sich stattdessen komplexer Satzstrukturen und durchdachter Reimfolgen. Garantiert sind seine Stücke „nicht unter Drogeneinfluss entstanden“. Er ist nämlich gegen unkontrollierten Alkohol- und Drogenkonsum, wie er in seiner musikalischen Geschichte „Trinkfest“ erzählt.

Das Eis brachen am frühen Abend die Dürener Hip-Hopper Fio, Platino und Doc West. Sie rappen einzeln und gemeinsam und firmieren als Band unter dem Namen „Keiner von den Bösen“. Ihr Genre ist „Deutscher Rap mit Sinn“. Im Anschluss bot die Düren-Jülicher Band „Dolce Vita“ coolen elektronischen Rap. Nach Tobi Miesepeters, der auch in anderen Rapper-Kombinationen immer wieder auf die Bühne eingeladen wurde, ist das nachfolgende Alternative/Acoustic-Duo „Herr Miesepeters“ aus Jülich benannt.

Songwriter Tobi singt und spielt Gitarre, Simon Jülicher singt und sorgt für die passende Percussion. Die stark nachdenklichen Texte des Duos behandeln persönliche Geschichten. Titelbeispiele sind „Würde, wenn ich könnte“, „Krieg mit mir selbst“ oder „Asche, Staub und Stein“. Eine super Nummer folgte mit Agi Dassler, Buddeck, Nos und B-Raw aus Jülich und Wuppertal. Erstere drei wirkten gemeinsam mit Tobi Miesepeters am neuen Tonträger von Mister Morris mit.

Ihr Repertoire setzte sich zusammen aus alten bewährten Songs wie „Ab jetzt werden Rapper gehänselt“ oder „Mach den Kopf frei“ und neuen, noch namenlosen Songs im klassischen Battle-Rap mit schwebender Sprachmelodie, selbstzerstörerischem Touch und einer Prise Witz.

(ptj)
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