Aldenhoven: Raiba Aldenhoven rät trotz Niedrigzins zu Gelassenheit

Aldenhoven: Raiba Aldenhoven rät trotz Niedrigzins zu Gelassenheit

Es ist eine verrückte Zeit. Was wird aus der Krise in der Ukraine, aus Griechenland? Wer wird zur Kasse gebeten? Das sind für den Normalbürger nur Randprobleme. Viel wichtiger ist für ihn die aktuelle Geldpolitik. Seitdem die Europäische Zentralbank die Märkte mit Geld überflutet, sinken die Sparzinsen im Sturzflug. Ob die Geldschwemme etwas bringt, darüber streiten die Fachleute.

Der traditionelle Sparer, der sein Geld zur Bank bringt und nach althergebrachter Weise auf dem Sparbuch, dem Tagesgeldkonto oder als Festgeld anlegt, hat das Nachsehen — auch im Jülicher Land.

Er trägt die Folgen der „kalten Enteignung“ wie Georg Fahrenschon, der Präsident des Sparkassenverbandes, es ausgedrückt hat. Und zahlt für die Schuldenpolitik einiger Staaten, die windigen Finanzgeschäfte der Spekulanten und die Geldpolitik der EZB. Lohnt sich also noch das hergebrachte Sparverhalten im Hinblick auf die Altersvorsorge? Es könnte noch schlimmer kommen. Schon ist die Rede von Anlagegebühren, ein weniger schlimm klingendes Wort für Negativzinsen. Oder muss sich das Anlegerverhalten grundsätzlich ändern?

„Die Notenbanken haben den Zins abgeschafft. Die Dividende ist der neue Zins.“ So unkte Horst-Kaspar Greven vom Bankhaus Sal. Oppenheim in einer Präsentation im Januar. In der Tat haben die Aktien so kräftig wie lange nicht mehr zugelegt. Die Geldanlage in Aktien und Aktienfonds ist aber nicht Jedermanns Sache. Das braucht Nerven, Sachkenntnis, ständige Beobachtung und einen langen Atem.

Aber wie verhält sich der normale Bürger, der Kleinsparer? Unser Mitarbeiter Arnold Greven sprach mit Ralf Schwegmann, dem Vorstandssprecher der einzigen (noch) selbstständigen Bank im Jülicher Land, der Raiffeisenbank Aldenhoven. Auch das bleibt nicht so, denn in Kürze wird eine Fusion mit der Aachener Bank vollzogen.

„Im Grunde bleibt er ruhig und gelassen“, sagt Schwegmann in Richtung Kleinanleger. „Er kann die niedrigen Zinsen eher verkraften, weil die Inflation ebenfalls gegen Null tendiert. Also entstehen ihm keine Substanzverluste.“ Schwegmann hat den Eindruck, dass mehr konsumiert und auch in Immobilien und Wohneigentum investiert wird. Der eine oder andere Sparer denke an den „Sparstrumpf“ oder den eigenen Safe.

Aber wenn er für sein Geld Sicherheit wolle, bliebe ihm nur der Weg zur Bank. Der Banker aus Aldenhoven empfiehlt, die Geldanlage dem eigenen Bedarf anzupassen, kurzfristig soweit nötig und langfristig gegebenenfalls auf dem Aktienmarkt oder in geschlossenen Immobilienfonds. Er warnt vor unseriösen Angeboten, die hin und wieder durch Gazetten oder das Internet geistern. Sie seien keinem Sicherungsfonds angeschlossen.

Die Raiffeisenbank Aldenhoven denke nicht daran, die Sparer mit Negativzinsen zu belasten. Da brauche sich niemand Sorgen zu machen. „Das Kreditgeschäft läuft gut. Es gibt kaum Kreditausfälle.“ Also könne die Bank ihre Personal- und Sachkosten decken, ohne den Anleger zu belasten. Die den Mitgliedern in Kürze auf der Generalversammlung vorzulegende Bilanz werden seine Worte bestätigen, kündigt Schwegmann an.

(gre.)
Mehr von Aachener Zeitung