Jülich: Raffaels Spuren in Jülich gefolgt

Jülich: Raffaels Spuren in Jülich gefolgt

Zart erklangen renaissance-zeitliche Musikinstrumente und Festgesänge in der Schlosskapelle, so wie sie auch vor 450 Jahren am selben Ort hätten zu Gehör gebracht werden können. Anlass des beeindruckendes Konzertes des Renaissance-Ensembles „Convivium musicale Wesel” war die Buchvorstellung „Das italienische Jülich”, gemeinsam herausgebracht von „den großen Bastionen des Jülicher Ehrenamtes”, dem Förderverein Festung Zitadelle und dem Geschichtsverein.

Wie schon von Bürgermeister Heinrich Stommel zuvor lobend erwähnt, stellte auch Festredner Prof. Dr. Udo Mainzer, Landeskonservator im Amt für Denkmalpflege im Rheinland, das ehrenamtliche Engagement vor allem „der Protagonisten jener Vereine” heraus. Ihnen verdanken die Jülicher Bürger, dass sie Geschichte und Gesicht ihrer Stadt immer besser kennen lernen. „Respektable Pasqualini-Studien paaren sich in dem gewichtigen und wichtigen Werk auf das Glücklichste mit wissenschaftlichen Ressourcen in Lehre und Forschung im universitären Bereich”. Dies betonte der Professor in seinem Vortrag.

Am Anfang des Buches stand die Bitte des Förderverein-Vorsitzenden Konrad Doose an RWTH-Professor Hajo Lauenstein, um Prüfung, ob und inwieweit sich Maßverhältnisse in Raffaels „Schule von Athen” womöglich auf die Jülicher Schlosskapelle übertragen lassen. Raffael (1483 - 1520) war ein Star der Hochrenaissance, bekannt ist er vor allem durch seine lieblichen Madonnenbilder.

Von Lauenstein stammt die Untersuchung „Arithmetik und Geometrie in Raffaels Schule von Athen”. Von besonderem Interesse ist hier die Proportionierung der Sternfigur des 1509 bis 1511 geschaffenen Monumental-Freskos im Vatikan, die Raffael auf der Tafel des Euklid dargestellt hat. Lauenstein gelang der Nachweis, dass es sich um eine Grundfigur im „Goldenen Schnitt” mit dem Seitenverhältnis 8:13 handelt.

Pasqualinis Idealstadt

Jetzt kommt bei der Umsetzung der Buchidee Jürgen Eberhardts bahnbrechende Untersuchung zu „Jülich - Idealstadt der Renaissance” ins Spiel: „Angestachelt von Conrad Doose lässt die renaissance-zeitliche Proportionslehre die einschlägigen Jülicher Festungs- und Stadtforscher nicht mehr los”, so Mainzer.

Guido von Büren, „profunder und von Detailwissen erfüllter Kenner der Materie am Ort, gewährt uns einen Introitus in das opulente Sammelwerk, in dem er jeden Beitrag subtil in seinen Kernaussagen vorstellt”, was nach Bekunden des Referenten dem Leser natürlich nicht die Lektüre der Aufsätze im Einzelnen erspart.

14 Autoren haben in 21 Beiträgen mit mehr als 600 Seiten meist farbiger Abbildungen ein stattliches Werk geschaffen. Bezüge zur Aachener Pfalzkapelle oder dem Schloss Hambach fehlen nicht.

Auch Stadtplaner Réné von Schöfer, der mit dem Wiederaufbau Jülichs betraut wurde, findet Erwähnung in den Aufsätzen, in denen „kein Aspekt verloren geht”. „Und bevor wir das frisch erschienene Buch überhaupt richtig gelesen und verstanden haben, freuen wir uns jetzt schon unbändig auf das nächste große Jülicher Publikationswerk”, so Mainzer.

Das Konzert mit Musikstücken der Vereinigten Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg im Umfeld der Jahre 1559/1609 erhob die Buchvorstellung zu einer Art Zeremonie. Tenor-, Kontratenor und Sopranstimmen interpretierten unter anderem das lateinische „Laudate Dominum omnes gentes” von Martin Peudargent oder das auch heute noch bekannte „Nu lobet Gott im hohen Thron” von Konrad von Hagen. Die Texte in Deutsch, Französisch, Italienisch und Latein wurden begleitet von einem Spinett, oder renaissance-zeitlichen hölzernen Blas- und Streichinstrumenten mit angenehm gedämpften Klängen. Das Instrument mit dem tiefsten Klang heißt „Rankett” und erinnerte an einen besonderes dicken Fagott. Aus Dulzianen ging der Fagott hervor, der Zink mit seinem Kesselmundstück wurde später von der Violine verdrängt. Die Gambe ähnelt einem Cello.