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Jülich: Qualitätsmanagement: Virus aus der Wirtschaft?

Jülich : Qualitätsmanagement: Virus aus der Wirtschaft?

Die Stadt Jülich ist verantwortlich für sechs Kindergärten. Alle Leiterinnen haben sich dafür eingesetzt, ein Qualitätsmanagementsystem einzuführen, sagt jedenfalls die Stadt Jülich.

Am Dienstag findet die Auftaktveranstaltung hierfür statt, wie Katarina Esser von der Stadtverwaltung im Ausschuss für Soziales, Schule, Kultur und Sport erklärte.

Aus Sicht Essers sprechen eine Reihe von Gründen für diese Art von systematischer Selbstreflexion und Leistungskontrolle. Bildungspolitisch wachsen die Ansprüche, was Kindergarten zu leisten haben.

Pädagogisch zentral wird die Frage, welche Schlüsselqualifikationen und Grundhaltungen Kindergarten zu vermitteln hat und welches Betreuungsangebot diese Einrichtung bieten soll. Weiterhin zu berücksichtigen sind Altersmischung, Sprachförderung, flexible Öffnungszeiten und Teilnahme der Eltern.

Nicht zu vergessen ist, was mit welchem Geld machbar ist und noch sein wird. Darüber hinaus müssen sich Kindergärten in kommunaler Trägerschaft in Zukunft der Konkurrenzsituation stellen, besonders gegenüber Initiativen und Trägern in Form von Verbänden und gegenüber freien Einrichtungen.

Die Rede ist auch von „kundenorientiertem Dienstleistungsunternehmen”. Die Verwaltung hat den „Impuls der Leiterinnen” aufgegriffen und startet einen Prozess zum Qualitätsmanagement, in dem Mitarbeiterinnen und Eltern eingebunden sind.

Existenzberechtigung

Nun ja, will man meinen, wenn man die warnenden Worte von Dr. Thomas Kreßner vernimmt, der als evangelischer Pfarrer Einblick hat, was Qualitätsmanagement bedeuten kann. Kreßner sprach beschwörend und karikierend von einem „Virus Qualitätsmanagement”, das aus der Industrie kommt.

Gefahr ist aus seiner Sicht, dass nur mit erheblichem Aufwand ein Mehr ein- und desselben, was ohnehin vorhanden ist, produziert wird, ohne eine Verbesserung zu bewirken. Kreßner warnte vor „heilloser Arbeit und unglaublicher Papierproduktion”.

Es könne angesichts des Bedarfs der Familien an Betreuung der Kinder kein Interesse an Wettbewerb geben. Der Pfarrer hob die Existenzberechtigung aller Kindergärten hervor.

Qualitätsmanagement beinhalte die Gefahr, dass viel Geld für entsprechende Fortbildung ausgegeben und Zeit eingesetzt werde.

Zeit, die für die Betreuung von Kindern verloren geht?

Dezernent Joachim Krause erklärte, dass Geld aus dem Jahresetat hierfür vorgesehen sei.

Katarina Esser, Gleichstellungsbeauftragte und für das Kinder- und Jugend-freundliche Jülich zuständig, entgegnete, dass Qualitätsmanagement ein neuer Name für etwas sei, was schon längst gepflegt werde. Die Betreuerinnen sollten sich Zeit für konstruktives Hinterfragen nehmen. Laut Esser sei damit kein Papierberg und kein bürokratischer Aufwand verbunden. Man wird sehen...