Jülich: Publikation gibt Einblick in die Vermögensverhältnisse vor 140 Jahren

Jülich: Publikation gibt Einblick in die Vermögensverhältnisse vor 140 Jahren

Der Bürgermeister war überrascht. „Es ist schon ganz erstaunlich, wie viele Begriffe aus dem Steuerrecht gleich geblieben sind“, bemerkte Axel Fuchs bei der Vorstellung der jüngsten Publikation der Joseph-Kuhl-Gesellschaft im kleinen Rathaussaal der Stadt. Und er ist ja als früherer Finanzbeamter vom Fach.

„Arm und Reich in Jülich. Wiedergabe und Auswertung der städtischen Steuerlisten 1877/1878“ von Claudia Wendels ist als 71. Band des Forums Jülicher Geschichte veröffentlicht worden und wurde nun der Öffentlichkeit präsentiert. Der Titel hört sich ein wenig spröde an, beleuchtet aber mit einem Bühnen-Spot die Sozialstruktur dieses Zeitraums. Da lässt sich dann auch schlussfolgern, wer der reichste Jülicher vor 140 Jahren war.

Stolz, so erklärte Prof. Günter Bers als Vorsitzender der Gesellschaft, sei man, dass man die selbst gestellte Aufgabe, die Geschichte der Stadt und des Jülicher Landes in den Grenzen des alten Herzogtums zu beleuchten, in der Vergangenheit gut gemeistert habe. So stellte er bei dieser Gelegenheit auch den 30. Band der Reihe „Neue Beiträge zur Jülicher Gesellschaft“ vor. Zahlreiche Autoren haben Aufsätze dazu geliefert. Diese Publikation beinhaltet nun Beiträge über Herzog Rainald von Jülich-Geldern, über die Stadtbefestigung Münstereifel, die noch intakt ist und durch die sich Rückschlüsse auf die Stadtbefestigung in Jülich ziehen lassen. Es geht um die Familie Römer aus Jülich, um Arnold von Arnoldsweiler und viele andere Themen.

Eine Reihe von Rezensionen wurde verfasst und auch zwei Nachrufe — zum einen auf Willi Dovern und zum anderen auf Dr. Hans Günther Richter. Die Publikation wurde an diesem Abend allen Mitgliedern der Joseph-Kuhl-Gesellschaft übergeben. Auch Bürgermeister Axel Fuchs erhielt Exemplare der beiden Bücher.

Gespannt verfolgte er wie alle Anwesenden die Ausführungen der Autorin. Es ist schon erstaunlich, welche Rückschlüsse so trockene Unterlagen wie Steuerlisten auf das Leben in einer Stadt zulassen. Daraus abzuleiten war, wer einmal der reichste Mann der Stadt war: Es war der Rentner Josef Jungbluth, der 1000 Mark der „verschiedensten Steuern“ zu zahlen hatte und damit Spitzenreiter war. Es war seinerzeit nicht unüblich, dass manche Ruheständler sehr gut von ihrem Besitz leben konnten. Aus den Steuerlisten lässt sich zum Beispiel die Zusammensetzung der Bevölkerung nach Religion und Einkommen oder Grundbesitz herauslesen. Rückschlüsse sind auch mit Blick auf Gewerbe und Handwerk möglich.

Über das damalige Steuerrecht und die Steuersätze, das Einkommen der Menschen sowie die Preise der Grundnahrungsmittel wusste Claudia Wendels auch zu berichten. Die Publikation ist ab sofort im Buchhandel zum Preis von 10 Euro erhältlich.

(Kr.)
Mehr von Aachener Zeitung