Titz: Profitieren von der chinesischen Medizin

Titz: Profitieren von der chinesischen Medizin

Behutsam setzt Dr. Anlan Li-Meißen die Akupunkturnadel auf das Bein der Patientin, während ihre frühere Akupunkturlehrerin Dr. Lifan Tian ihr kundig über die Schulter schaut. Denn die europäischen Patienten reagieren viel sensibler auf die Einstiche als die asiatischen.

TCM heißt das Stichwort, Traditionelle Chinesische Medizin. In ihre eigene Abteilung, dem 17 Ärzte umfassenden Department of Acupuncture and Tuina-Massage des Beijing Hospitals, kommen täglich zahlreiche Patienten zu Dr. Tian zur ambulanten Behandlung. Daneben begibt sich Dr. Tian als Leiterin des Departments auch beispielsweise in die Neurologie, um sich um stationäre Schlaganfallpatienten zu kümmern.

Außerdem bildet sie in dem Bereich der TCM andere Ärzte aus vielen Ländern aus. So unterrichtete Dr. Lifan Tian ihre Kollegin Anlan Li-Meißen drei Monate lang im Jahr 2004 in Sachen Akupunktur. „Danach blieben wir in Kontakt”, erklärt Dr. Li-Meißen. „Jedes Mal, wenn ich nach China fliege, besuche ich Lifan.”

Auf Einladung von Dr. Li-Meißen besuchte die Pekingerin bereits 2006 für zwei Wochen die Gemeinschaftspraxis der Doktores Hubertus Koenen und Anlan Li-Meißen in der Gemeinde Titz, wo Dr. Li-Meißen auch nach der traditionellen chinesischen Methode praktiziert. Diesmal ist sie im wissenschaftlichen Austausch für fünf Wochen bis Ende Mai hier.

„Dieser Austausch ist sehr sinnvoll, denn aus Unterschieden in Kultur, Lebensstil, Ernährung und Umwelt gibt es unterschiedliche Ausprägungen und Häufigkeiten einiger Krankheiten. Viel häufiger als in China gibt es in Europa beispielsweise Weichteilrheuma oder Allergien, die mit TCM auch effektiv behandelt werden können. Die Europäer reagieren sensibler auf TCM-Behandlungsmethoden wie Akupunktur, Heilkräuter, Schröpfen oder Moxibustion.

Der energetische Zustand des Menschen spielt dabei eine große Rolle und in diesem Zusammenhang wiederum die Ernährung des Einzelnen. Von den kulturellen Eigenheiten über die Kondition des Körpers bis zur Darmflora - alles steht in Beziehung zueinander. „Häufig helfen einfache Rezepturen, beispielsweise lauwarmes Wasser trinken, denn die Deutschen nehmen zu kalte Speisen und Getränke zu sich”, sagt Dr. Tian.

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