Hambach: Professor lehnt Mütterrente und Rente ab 63 ab

Hambach: Professor lehnt Mütterrente und Rente ab 63 ab

In den großen Saal der Burg Obbendorf hat der Präsident des Rotary Clubs Düren, Prof. Jörg Winter, zu einem Vortrag seines Kollegen von der Ruhr-Universität Bochum, Prof. Dr. Christoph Schmidt, gebeten.

Dieser ist auch Chef des Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen und Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, bekannt als „die fünf Wirtschaftsweisen“. Rund 100 Personen waren gekommen, von denen der Ehrenvorsitzende der Vereinigten Industrieverbände, Heinrich August Schoeller, namentlich begrüßt wurde.

„Mehr Vertrauen in Marktprozesse“ hatte Prof. Schmidt seinen Vortrag überschrieben und damit die Überschrift des diesjährigen Gutachtens übernommen. Zunächst erfuhren die Zuhörer mehr über den Sachverständigenrat, wobei Prof. Schmidt herausstellte, dass die Gutachten nicht an die Regierung, sondern vielmehr an alle Bürger adressiert seien.

Dauerthemen in den vergangenen Jahresgutachten seien der demografische Wandel und die fortschreitende Globalisierung gewesen. Die öffentliche Diskussion über diese Themen hätte allerdings nicht immer mit den richtigen Schlussfolgerungen geendet.

Zusammenspiel

Zum Verständnis der Krise im Euroraum sei es wichtig, sie als Zusammenspiel der Bankenkrise, der großen Verschuldung einzelner europäischer Staaten sowie einer Wettbewerbsfähigkeitskrise zu sehen. Zu den Maßnahmen zur Verbesserung der Situation rechnete Prof. Schmidt die Europäische Bankenunion, nicht jedoch einen weiteren Investitionsplan.

Der Umgang der deutschen Unternehmen mit ihren Investitionen — zurückhaltend im Inland und expansiv im Ausland — konnte Prof. Schmidt durchaus als der Globalisierung angemessen nachvollziehen. Staatliche Investitionsprogramme seien keine gute Idee. Die marode Infrastruktur sei allerdings ein zunehmendes Problem.

Die Einführung der Mütterrente und die Rente mit 63 hätten nicht sein dürfen. Die Ausgaben für die Renten würden zukünftig ebenso drastisch steigen wie die Ausgaben für die Gesundheit. Hierdurch kämen zukünftig auf Deutschland Finanzierungssalden zu, die an griechische Verhältnisse erinnern. Generationengerechtigkeit gebe es nicht mehr.

Eine gigantische Erfolgsgeschichte sei allerdings das Beschäftigungswunder, wobei zwar die Einkommensunterschiede weiter gestiegen seien, der Vergleich des „Gini-Koeffizienten“ (als Maßstab für die Einkommensverteilung) zwischen Deutschland und den anderen Ländern ergebe jedoch nach wie vor passable Relationen.

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