Kreis Düren: Prinz mit Partner: Löstich Kerlche im Doppelpack

Kreis Düren: Prinz mit Partner: Löstich Kerlche im Doppelpack

Wenn sich etwas beleibtere Familienväter ins Tütü - den Ballettrock - zwängen und zur Belustigung auf der Bühne einen Hüftschwung hinlegen, dann weiß man im Rheinland: Das ist vollkommen normal. Es ist schließlich Karneval.

Ein Tütü braucht Tino Linzenich auf der Bühne nicht. Als Karnevalsprinz Tino I. hat er am Wochenende die Halle in Winden zum Beben gebracht. „Da war richtig Stimmung in der Bude. Wir haben einen Super-Prinzen gefunden”, sagt Tage später noch der Vorsitzende der KG „Wendene Seempött”, Frank Lennartz. Dass die 1986 gegründete KG in ihrer 25. Session dem begeisterten Narrenvolk den ersten offen schwulen Karnevalsprinzen im Kreis Düren präsentiert hat, spielt dabei in Winden keine große Rolle. „Et es esu”, sagt Lennartz schlicht.

Zu den „Seempött” hat der 33-jährige Linzenich über seinen Lebenspartner Marcel Schenk (37) gefunden. Schenk hat früher in der Schautanzgruppe in Winden getanzt, war als Tanzmajor tätig und hat auch als Trainer fungiert. Linzenich selbst kommt aus Schmidt. „Für mich war Karneval immer ein Thema. Ich habe schon als kleiner Junge in Schmidt gefeiert.”

Sein Lebenspartner hat ihn dann mit nach Winden genommen. Die Idee, irgendwann auch mal als Karnevalsprinz eine Session mitzuerleben, kam dann eher spontan. Linzenich: „Das war nach dem tollen Karnevalsumzug im letzten Jahr. Ich habe einem der Adjutanten gesagt: Wenn Ihr irgendwann einmal einen Prinzen braucht - ich würde das machen. Und tatsächlich bin ich dann ein halbes Jahr später auch gefragt worden.”

Dass Linzenich mit einem Mann zusammenlebt, spielte da keine Rolle. Vorsitzender Frank Lennartz: „Wir haben uns im Vorfeld im Vorstand zusammengesetzt. Das war wirklich nie ein Thema. Warum auch?” Linzenich ist es sogar fast schon ein bisschen peinlich, dass überhaupt Nachfragen kommen, eben weil seine Inthronisation so unproblematisch verlief und selbst der Moment, als sein Lebenspartner ihm zum Schluss ein Ständchen sang und ihn in den Arm nahm „wie selbstverständlich” akzeptiert wurde.

„Auch den Gastvereinen hat die Stimmung bei uns gefallen. Und es gab nicht einen blöden Kommentar oder Zwischenruf”, ergänzt Linzenich. Ein Eindruck, den Lennartz nur bestätigen kann. „Wir hatten zur Inthronisation viele befreundete Gesellschaften eingeladen, mit denen ich mich auch unterhalten habe. Dass wir einen schwulen Karnevalsprinzen haben, darüber ist überhaupt nicht gesprochen worden.”

Gesprochen wurde stattdessen über die tolle Stimmung in Winden. Lennartz: „Wir mussten Tinos Begeisterung fast schon bremsen und ihm sagen, dass unsere Halle nicht die Düren-Arena ist.” Und die Begeisterung des Prinzen („Ich bin halt karnevalsjeck und gehe auf der Bühne vielleicht etwas mehr ab.”) stößt auf ein äußerst dankbares Publikum. So hat sich zum Beispiel schon ein Fanclub für Tino I. auf Facebook gegründet und bereits zur Inthronisation hatte Stephan Heimbach von den „Echte Fründe” eigens ein Lied für Linzenich umgeschrieben.

Wie karnevalsjeck Tino I. ist, wird auch noch an anderen Kleinigkeiten deutlich: die KG-Farben spiegeln sich in seiner Frisur wider. Oder sein Motto: E löstich Kerlche övverall, jetzt es er Prinz im Karneval! Und dass es zwischen ihm und seinem Lebenspartner „gefunkt” hat, kann natürlich nur auf einer Karnevalssitzung passiert sein - in Gürzenich bei der Herrensitzung. Et es esu.

Mehr von Aachener Zeitung