Titz: Primusschule ist für Titz der Rettungsanker

Titz: Primusschule ist für Titz der Rettungsanker

Die Zahlen sprachen vor drei Jahren eine klare Sprache in der Gemeinde Titz. Dass sich die kleine Landgemeinde mit ihren 8300 Einwohnern von der Grundschule in Rödingen und der Hauptschule in Titz verabschieden musste, schien unausweichlich. Die Anmeldezahlen wurden immer weniger. Da kam ein Erlass von NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann wie gerufen.

„Gemeinsames Lernen von der ersten bis zur zehnten Klasse“ warb sie für eine sogenannte Primusschule, von der es nur eine in NRW gab. Titz bewarb sich und erhielt die Zusage, ab dem Schuljahr 2014/2015 eine zweizügige Primusschule betreiben zu können. Ein Erfolgsmodell, wie sich herausstellte, denn jetzt besuchen mehr als 150 Kinder die Einrichtung. Und für das kommende Schuljahr liegen 66 Anmeldungen vor.

Spatenstich 2016: Mit dem Presslufthammer haben Stefanie Törkel-Howlett und Jürgen Frantzen den Umbau symbolisch begonnen.

„Die Stimmungslage ist gut“, stellte Schulleiterin Stefanie Törkel-Howlett fest, als sie im Titzer Schulausschuss einen Bericht über die Entwicklung der Schule gab. Eine Schulform, die für die Pädagogin „die Schule der Zukunft ist“, wie sie bei der Schuleröffnung am 21. August 2014 betonte und ergänzend hinzufügte, „dass längeres gemeinsames Lernen in den Klassen von 1 bis 10 ohne Schulwechsel das Erreichen höherer Bildungsabschlüsse ermöglicht.“

Mund-zu-Mund-Propaganda

Das bestätigten die Eltern, deren Kinder die Primusschule besuchen, und durch Mund-zu-Mund-Propaganda dafür sorgen, dass die Anmeldezahlen stetig nach oben gegangen sind. Zum neuen Schuljahr muss wohl eine dritte Eingangsklasse gebildet werden. Zurzeit unterrichten 13 Lehrer in Titz. Den Erfolg der Primusschule führt die Schulleitung auch darauf zurück, dass ein Wechsel nach der Klasse 4 für einen jungen Menschen ein wahnsinniger Bruch sei, der Druck und Stress erzeuge. Und diesen Wechsel gibt es nicht.

Als Ganztagsangebot können alle Schulabschlüsse der Sekundarstufe I (alle Formen von Haupt- und Realschulabschlüssen) erlangt werden. Durch eine Kooperation mit gymnasialen Oberstufen — den Gymnasien Zitadelle Jülich und Haus Overbach in Barmen — kann das Kind nach 13 Jahren auch das Abitur ablegen, als sogenanntes G-9 Abitur.

Dass bereits zum Start 2014 Eltern ihre Kinder für die fünfte Klasse anmelden wollten, dies, so Törkel-Howlett im Titzer Ausschuss, sei ein Indiz dafür, dass nicht nur die Primusschule, sondern auch das G-9 Abitur hoch im Kurs stehen würden. Dass zum Beispiel Anfragen aus Erkelenz, Bergheim oder Niederzier negativ beschieden werden müssen, sei zwar traurig. „Aber Kinder aus der Gemeinde Titz gehen vor“, unterstrich die Schulleiterin.

Mit einem Presslufthammer erfolgte jetzt der symbolische Start der Schulerweiterung. „Wir müssen schauen, was sich hinter der Verkleidung tut“, meinte Architekt Ludwig Rongen, in dessen Händen die gesamte Planung liegt. Apropos Planung: Bürgermeister Jürgen Frantzen betonte, dass von Anfang an die Schulleitung mit Törkel-Howlett eng eingebunden gewesen sei. „Dafür sind wir auch sehr dankbar“, sagte diese.

6,5 Millionen Euro

Der Bau geht bei laufendem Schulbetrieb über die Bühne. Aufgeteilt in mehrere Bauabschnitte, werden für die energetische Sanierung der beiden Schulgebäude von Grund- und Hauptschule sowie der beiden Turnhallen rund 6,5 Millionen Euro investiert. Gestreckt auf insgesamt fünf Jahre, wird zuerst die Aula in Angriff genommen.

Dafür müssen rund 350.000 Euro in die Hand genommen werden, um die technische Ausstattung oder zum Beispiel die Elektroinstallation auf den neuesten Stand zu bringen. Fertiggestellt zum Schulbeginn 2017/2018, wird dann dort die neue Mensa eröffnet, die aber auch als Veranstaltungsort für die Titzer Vereine herhalten wird. Sukzessive folgen anschließend die anderen Bauabschnitte, ehe dann im Jahre 2021 der Schulstandort Titz in neuem Glanz erstrahlt. Nach modernen Gesichtspunkten, denn schließlich will die Gemeinde kräftig bei den Unterhaltungskosten sparen.

„Dieser Schulstandort kann künftig als Beispiel für andere Kommunen oder Städte dienen, die ebenfalls Sanierungsmaßnahmen vornehmen wollen oder müssen“, sagte der Architekt, der betonte, dass man erst in die konkrete Planungsphase eingetreten sei, als eine Machbarkeitsstudie für die jeweils fünf Bauabschnitte vorgelegen habe. Denn schließlich sollte die wirtschaftlichste Variante greifen, um dem Status eines Passivhauses gerecht zu werden.

(hfs.)