Jülich: Poetry Slam: Die Probleme der Brillenträger bei Regenschauern

Jülich: Poetry Slam: Die Probleme der Brillenträger bei Regenschauern

In der Schlosskapelle in der Zitadelle hat der dritte Poetry Slam des Gymnasiums Zitadelle seinen Platz gefunden. Schüler wie auch Lehrer präsentierten auf der Veranstaltung ihre Texte zu völlig unterschiedlichen Themen, die das Publikum zwischen lautem Lachen und trauriger Emotionalität schwanken ließen.

Dabei stellten sich die teilnehmenden Schüler dem Urteil einer Jury, welche aus einen Teil des Deutschlehrerkollegiums der Schule bestand, namentlich Melanie Landen, Jana Peltzer und Mario Maintz.

Den ersten Platz sicherte sich Hannah Jung. Der Slam-Vollprofi belegte bereits bei den letzten Slams der Schule erste Platzierungen. Sie begann: „Wenn ich vorstellen darf: Der träge Plastikmüllerzeuger, der Datenkraken fütternde, fossile Brennstoffräuber.“ Sofort antwortete das Plenum mit Gelächter. Auch andere, sprachliche Facetten zeigte Hannah am Podium: „Doch trotzdem ist laut Deutsch analysierenden Fachwissenschaftlern zufolge das unsinnträchtigkeitsschwangere Geschreibsel hier Ausdruck der inneren Aufgewühltheit des lyrischen Ichs. Nun ist das lyrische Ich letztendlich mein Geistesinhalt.“

Zu der Performance sagte Philipp Weckauf, der mit Lioba Horn den Abend moderierte: „Eine sehr gelungene Darstellung.“ Daraufhin gab er das Wort an die Jury weiter und Maintz honorierte: „Der Text spricht für sich. Ein sehr guter Vortrag.“

Die zweite Platzierung sicherte sich Laura Mertens mit einem hochemotionalen Slam gegen die eigenen Dämonen. Mit zittriger Stimme trug die Schülerin vor: „Denn eines Tages, ich verspreche es dir, wirst du glücklich sein. Es passiert möglicherweise nicht morgen, nicht nächsten Monat, aber es wird passieren. Und jetzt öffne deine Augen, lass die Sonne dich begrüßen und verabschiede die Nacht.“

Großer Jubel

„Das hat mich sehr mitgenommen“, sagte das Jurymitglied Melanie Landen mit Tränen in den Augen und fügte an: „Wir haben alle unsere Dämonen und müssen weitermachen.“ Als die Platzierung von Laura Mertens verkündet wurde, erschallte der größte Jubel des Abends in Schlosskapelle. Das Echo auf das Gefühl, das der Text erweckte.

Schließlich landete Dominik Hartung mit seinem Slam auf dem dritten Platz. Zuvor trat er an das Mikrofon, grinste einmal in die Runde und sagte dann schelmisch: „Eigentlich habe ich den Text geschrieben, weil er eben eine Deutschhausaufgabe war“, worauf die Zuschauer auflachten und Dominik ernster weiter: „Aber auch, weil es Leute gibt, die in ihrem Leben viel verloren haben.“

Es folgte eine motivierende Rede mit Rhythmusgefühl. Sie beinhaltete den Appell, immer sein Bestes zu geben und immer wieder aufzustehen. „Nichts, was sich wirklich lohnt, ist einfach. Ich allein bin mein größter Gegner. Ich mache auch meine Fehler und gebe immer 110 Prozent“, brachte Dominik Hartung dem Publikum näher. Mario Maintz fällte in der Jury sein Urteil: „Der Text stellt eine Lebensphilosophie dar. Man spürt den Elan, der in den Zeilen steckt.“

Auch das Lehrerteam, welches den Slam organisierte und begleitete, brachte während des Events Slams zu Gehör. So zeigte Madeleine Dovern einen überspitzt-lustigen Vortrag über den Lehreralltag, Nils Aßmus erinnerte an die Melancholie des Herbstes und die Probleme der Brillenträger bei vermehrten Regenschauern in der bunten Jahreszeit. Schließlich eröffnete Mandy Tavernier den Besuchern die farbenprächtige Literaturwelt, die sie auch in den Texten ihrer Schüler wiederfände.

Jurymitglied Jana Peltzer fasste den Abend zusammen: „Wir finden hier Spaß an Literatur. Die Veranstaltung ist eine Bereicherung für unsere Schule.“