Pink-Shirt-Day am 17. Mai im Mädchengymnasium Jülich

Ganz in Rosa gegen Mobbing : Pink-Shirt-Day im Mädchengymnasium Jülich

Am Mädchengymnasium Jülich gibt es am Freitag eine besondere Aktion: Die Einrichtung nimmt am Pink-Shirt-Day teil. Dies ist eine Aktion gegen Mobbing.

Die Bezeichnung Pink-Shirt-Day geht auf eine Geschichte zurück, die sich 2007 an einer Schule in der kanadischen Provinz Nova Scotia ereignete und ein erbauliches Statement gegen Ausgrenzung setzte. Weil ein Schüler an seinem ersten Schultag ein rosafarbenes Oberteil trug, wurde er von einigen Mitschülern öffentlich lächerlich gemacht und ausgebuht. Am Tag darauf erschienen die meisten Lehrer und Schüler in pinkfarbenen Outfits zum Unterricht.

2012 erklärten die Vereinten Nationen den 4. Mai zum internationalen Tag gegen Mobbing. Dies wurde ebenfalls von einer Geschichte an einer kanadischen Schule hervorgerufen, die jedoch nichts Erbauliches an sich hatte. Im Internet zu chatten, wurde einem jungen Mädchen zum Verhängnis. Es fiel dem Cybermobbing zum Opfer und wurde fortan auch von den Mitschülern monatelang gepeinigt. Amanda Todd nahm sich das Leben, ihr tragisches Schicksal blieb bis heute kein Einzelfall. Der Tag gegen Mobbing oder der Pink-Shirt-Day wird in verschiedenen Ländern an unterschiedlichen Tagen begangen. Das Symbol, ein rosafarbenes Kleidungsstück, und seine Aussage sind überall gleichbedeutend. Am 17. Mai kann das pinke Shirt zum ersten Mal auch in der Herzogsstadt, zumindest am Mädchengymnasium Jülich (MGJ), zum Statement gegen Ausgrenzung, Intoleranz und Ungleichbehandlung werden.

Die Schülersprecherin des MGJ, Katharina Hapke, verbrachte das vergangene Schuljahr in Kanada. „Dort wird der Pink-Shirt-Day jedes Jahr von der ganzen Schule gefeiert und es wird gemeinsam über das Thema Mobbing diskutiert“, berichtet die Q1-Schülerin, „mit dieser Idee bin ich zurückgekommen“. Bei der Schülervertretung haben Katharina und ihre Vertreterin Anne-Sophie Thouet für das Pink-Shirt-Day-Statement „ein gutes Feedback bekommen“, also stellten sie ihr Vorhaben der Schulleitung vor und haben auch dort grünes Licht erhalten.

„Ich war überrascht, weil ich diese Idee nicht kannte, doch Katharina hat darüber so anschaulich berichtet, dass ich sofort fast eine Gänsehaut bekommen habe“, erinnert sich die Schulleiterin Christiane Clemens. Dass die Schulkonferenz einheitlich die Aktion begrüßte, hat sie sehr erfreut. „Wir sind eine muntere, selbstbewusste Konferenz und oft werden verschiedene Themen länger diskutiert“, erläutert Clemens, „beim diesem Thema gab es keine Diskussion“.

Danach hieß es für die Schülervertreterinnen, die Mitschülerinnen für ihre Idee zu begeistern. „Ganz so groß wie in Kanada wollen wir das ganze beim ersten Mal nicht aufziehen“, erklärt Katharina, „wir möchten an dem Tag zunächst nur die pinken Sachen tragen und während der langen Pause etwas über die Bedeutung unserer Aktion erzählen“. Mit den rund 50 Lehrerinnen und Lehrern sowie den 613 Schülerinnen hätte der kommende Freitag am MGJ die Chance, zu einem sehr rosafarbenen und aussagekräftigen Event zu reifen. Die Teilnahme ist selbstverständlich freiwillig. Ob und wieviel Resonanz letztlich der Pink-Shirt-Day an ihrer Schule und vielleicht auch in Jülich haben wird, wissen die Schülervertreterinnen noch nicht.

Katharina gehört zu den vom Mobbing betroffenen Personen. „Es ist schon länger her, doch damals war es für mich sehr schwer. Ich wollte mit niemandem darüber reden, stand kurz davor, die Schule zu wechseln“, erinnert sie sich. Sie wollte dem Konflikt und der mobbenden Person aus dem Weg gehen. Heute kann und will sie darüber erzählen. „Jemand fängt mit dem Mobbing an und die anderen aus der Gruppe schauen zu“. Sie fand die Kraft, sich einer Lehrerin anzuvertrauen, und sie hat ihre Freunde gehabt. „Sie haben hinter mir gestanden, sich mit mir vor die Klasse gestellt und die verbreiteten falschen Aussagen entkräftet“. Mit der Verursacherin ihres Leids hat sie schließlich das Gespräch gesucht. „Wir haben beide die Kurve bekommen und uns in Frieden gelassen. Ich habe Glück gehabt“.

Noch schlimmer kann das Cybermobbing einem zusetzen, davon ist Anne-Sophie überzeugt. „In meinen Augen ist Cybermobbing aufgrund der Anonymität im Netz noch gefährlicher als in der Schule oder am Arbeitsplatz“, sagt sie, „wir erfahren nicht einmal, von wem wir gemobbt werden“. Dass Mobbing an jeder Schule – auch an ihrer – alltäglich geschieht, weiß die Schulleiterin Christiane Clemens. „Es wäre unrealistisch, wenn ich dem widersprechen würde“, bekräftigt sie, „wir haben allerdings eine gute Präventionsarbeit, was dieses Thema betrifft“. Konzeptionell eingebunden wird das Problem bereits mit den Schülern der fünften Klasse durch die Schulsozialarbeiterin angegangen. Bis hin zur Abiturklasse werden Anti-Mobbing Maßnahmen getroffen.

„Die Lehrer sollen gegebenenfalls vom Mobbing natürlich nichts bemerken. Durch die Prävention werden unsere Schülerinnen auf das Problem sensibilisiert“, erklärt Clemens, „oft kommen sie dann selbst auf uns zu und wir können schneller aktiv werden“. Mit dem Cybermobbing werden die Kinder immer früher konfrontiert. Laut Clemens besitzen alle Kinder im fünften Schuljahr bereits ein Handy und die Lehrer sind dabei, sich darauf einzustellen. „Das müssen wir auch“, erläutert die Schulleiterin, „denn das Handy und das Internet gehören zum Leben unserer Kinder dazu“. Um die Gefahren darin zu sehen und die Warnsignale zu erkennen, müssen zunächst die Lehrer geschult werden. „Lehrer-Fortbildungen hierzu sind sehr wichtig“, bekräftigt Christiane Clemens, „unsere Schülerinnen wissen oft viel mehr darüber als wir selbst“.

Mobbing kann jeden treffen, denn für die Mobbenden wird es immer einen vermeintlichen Grund geben. Man ist zu dick, zu schlank, kleidet sich unkonventionell, kann oder mag es nicht, die in seinem Umfeld geltenden Muster zu vervielfachen. „Das allein reicht schon, um als anders bezeichnet und aus einer Gruppe ausgeschlossen zu werden“, sagt Katharina, „ich glaube, dass wir die Individualität und die Vielfalt in unserer Gesellschaft nicht zu schätzen wissen. Wer anders ist, gehört nicht dazu“. „Oft haben die mobbenden Personen selbst Probleme und wollen diese dadurch überspielen“, fügt Anne-Sophie hinzu, „doch was auch immer der Grund für Mobbing sein sollte, wir müssen dagegen vorgehen und eine klare Stellung beziehen“. Mit einem rosafarbenen Shirt könnte es in Jülich bereits am 17. Mai jeder tun.

(mavo)
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