Jülich: Pilzbefall: Die alten Zitadellenlinden sind gefällt

Jülich: Pilzbefall: Die alten Zitadellenlinden sind gefällt

Eine heftige Windboe rauscht durch die mächtige Krone der letzten verbliebenen der drei Winterlinden im Innenhof der Zitadelle. Am Boden liegen in handliche Stücke zersägt die Stämme der beiden bereits gefällten 140 Jahre alten Baumriesen.

Sie lassen überdeutlich erkennen, weshalb sieben Mitarbeiter des Bauhofs der Stadt Jülich in der Frühe angerückt sind, um das Baumtrio zu fällen.

Deutlich sichtbar wurde das Ausmaß des Pilzbefalls. Nur noch wenige Zentimeter des Außenstammes trugen das gesamte Baumgewicht und stabilisierten die einwirkenden physikalischen Kräfte. Foto: Jagodzinska

Der in Folge vorhergegangener Ultraschallmessungen befürchtete schlimme Zustand hat sich bestätigt, nun liegt offen zu Tage, dass der Pilzbefall dramatisch weit fortgeschritten ist und die vertrauten Bäume nicht mehr zu retten waren. Der Befall mit dem Brandkrustenpilz ist für den Laien nicht ohne weiteres erkennbar. Die Bäume sind im Kern unheilbar krank, über das äußere Splintholz werden sie jedoch weiter mit Nährstoffen versorgt.

So kann sich im späten Frühjahr das bekannte und idyllische Bild ergrünender Laubbäume einstellen, und dennoch ist die Stand- und Bruchsicherheit nicht mehr gewährleistet. Im Extremfall kann es dann passieren, dass ein kranker Baum ohne Vorwarnung umstürzt. Neben dem Brandkrustenpilz waren die Zitadellenlinden zusätzlich durch den Austernseitling geschwächt.

„Es ist wohl auf die geschützte Lage durch die umgebenden Gebäude zurückzuführen, dass bisher keine gravierenden Astbrüche vorgekommen sind“, erläuterte Ralf Hölters, der die Maßnahme vor Ort koordinierte. Der Fachmann bestätigte, dass ein sogenannter Kronensicherungsschnitt als Versuch, die Bäume zu erhalten, nicht möglich gewesen sei, da die Erkrankung sich über das gesamte Kernholz ausgebreitet habe.

Zumindest ein positiver Aspekt deutet sich nach der Fällaktion an. Nach Aussage von Marcell Perse hat das NRW-Bauministerium Bereitschaft signalisiert, Maßnahmen zur Trockenlegung der Außenmauern des Schlosskellers, in dem das Museum Zitadelle Jülich seine zur Zeit noch feuchte Heimat hat, zu unterstützen. Da das unterirdische Kellergewölbe sich bis in das Rasenquadrat des Innenhofs erstreckt, „bietet sich eine Außenumlaufgrube an, die als Nebenaspekt der Trockenlegung das Studium der historischen handwerklichen Mauerarbeiten ermöglicht“.

Als stimmungsvoller Hintergrund für Hochzeitsfotos nach der Trauung in der Schlosskapelle fällt der Zitadellen-Innenhof nun weg. Doch gilt auch hier: Sicherheit geht vor. Das stimmungsvollste Hochzeitsfoto nützt niemand etwas, wenn das feierlich gelobte Versprechen „Bis dass der Tod euch scheidet“ durch einen herabstürzenden morschen Ast allzu schnell makabre Wahrheit würde.

(jago)