Inden: Pilger auf dem Weg zum Klimagipfel unternehmen Abstecher zum Tagebau

Inden : Pilger auf dem Weg zum Klimagipfel unternehmen Abstecher zum Tagebau

Im Herbst wollen Hunderte Menschen im Vorfeld des Pariser Weltklimagipfels für Klimagerechtigkeit auf die Straße gehen — als Pilger. Organisiert wird der Ökumenische Pilgerweg unter dem Titel „Geht doch!“ von Kirchen und kirchlichen Organisationen in Deutschland und Frankreich.

Dabei ist der Titel durchaus zweideutig zu verstehen. Einmal als Aufforderung, sich auf den Weg zu machen und gleichzeitig auch als Statement, dass man mit Bewegung etwas erreichen kann. Auf der siebten der zwölf Etappen zwischen Flensburg und Paris wird das Thema Braunkohletagebau und seine Auswirkungen im Mittelpunkt einer Exkursion stehen. Bei der ursprünglichen Planung des Pilgerwegs war das nicht vorgesehen.

Große Umweltbelastung

„Die Umweltbelastung durch die Tagebaue und die Braunkohleverstromung in den Kraftwerken ist doch der eigentliche Grund, warum die Pilger nach Paris gehen“, sagte sich Reiner Lövenich aus Lamersdorf. Er lebt mit seiner Familie im Schatten des Braunkohlekraftwerks Weisweiler und hat den Tagebau Inden ständig im Blick. Außerdem ist er Vorsitzender des FKU, dem Verein zur Förderung kirchlicher Umweltberatung in der katholischen Kirche, der eng mit der Kirchlichen Umweltberatung in der Evangelischen Kirche Deutschlands zusammenarbeitet.

Reiner Lövenich holte den Evangelischen Kirchenkreis Jülich und die Projektorganisation Regionale Ölpflanzennutzung (P.R.O.e.V.) in Eschweiler mit ins Boot und wandte sich an die Organisatoren des Projekts „Geht doch!“, überzeugte sie von der Bedeutung eines Besuchs unmittelbar am Tagebau. Zwar wurde die Route des Pilgerwegs nicht dorthin verlegt, doch es wird am 29. Oktober einen Workshoptag am Braunkohlentagebau Inden geben.

„Wir möchten vor allem die auswärtigen Pilger erreichen, die noch nie einen Tagebau gesehen haben und gar nicht wissen, welche Auswirkungen der Braunkohleabbau auf die Natur und die Menschen hat“, sagt Reiner Lövenich. Lange waren die Themen Umweltbelastung und Umsiedlung nicht einmal in den nicht vom Tagebau betroffenen Nachbarkommunen ausreichend bekannt.

Wer das Thema in Köln, Düsseldorf oder gar in anderen Bundesländern anspricht, wird ungläubig angeschaut und hört nicht selten den Kommentar: „Davon habe ich noch nie etwas gehört.“ Zwar hat der Streit um die Verkleinerung des Tagebaus Garzweiler II zwischen Jüchen und Erkelenz immer mal wieder bundesweit Schlagzeilen gemacht. Eine dramatische Wende in der Energiepolitik habe das aber nicht zur Folge gehabt, stellt Lövenich lakonisch fest. Deshalb gehe es den Beteiligten in der Region darum, eine Diskussion über alternative Energiegewinnung anzustoßen.

Gemeinsam werden der FKU, der Evangelische Kirchenkreis Jülich und P.R.O. e.V. den Exkursionstag am Tagebau Inden für die Klimapilger gestalten. Nach einem liturgischen Impuls durch Vertreter beider Kirchen erwartet die rund 100 Teilnehmer eine Fahrt zum Tagebau-Aussichtspunkt. Hier gibt es Informationen zu Technik, Kosten, Umwelt-Auswirkungen und sozialen Konflikten im Strukturwandel, etwa durch den Wegfall von Arbeitsplätzen.

Am Nachmittag wird am Beispiel der Landwirtschaft erläutert, welche Alternativen es gibt zum Tagebau, etwa bei der Erzeugung von Energiepflanzen. Auch wird diskutiert, ob und wie der Tourismus der regionalen Wirtschaft nutzt. Ein weiteres Thema ist die Umsiedlung. Hier gibt es Begegnungen mit Betroffenen, die über ihre Erfahrungen sprechen.

Nicht nur Pilger sind eingeladen, sich an der Exkursion zu beteiligen. Willkommen ist jeder, der sich mit dem Klimawandel und der Bewahrung der Schöpfung kritisch und engagiert auseinandersetzen möchte. Anmeldungen nimmt Reiner Lövenich entgegen unter fku-info@kirchliche-umweltberatung.de.

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