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Für ihre Corona-Forschung: Physikerin Viola Priesemann mit Minerva-Preis ausgezeichnet

Für ihre Corona-Forschung : Physikerin Viola Priesemann mit Minerva-Preis ausgezeichnet

Viola Priesemann trägt mit der Modellierung von Infektionsverläufen dazu bei, dass wir die Corona-Pandemie besser verstehen und vorhersagen können. In Jülich ist sie jetzt für ihre Arbeit ausgezeichnet worden.

„Der Schlüssel zur Lösung der Krise liegt bei uns – zur Hälfte – aber auch in der Politik. Politik braucht ein ungeheures Feingefühl“. Das sagte Physikerin Viola Priesemann, Leiterin der Max-Planck-Forschungsgruppe „Theorie neuronaler Systeme“ in Göttingen nach ihrer Auszeichnung mit dem Minerva-Preis durch Professor Wolfgang Marquardt, Vorsitzender des Fördervereins Museum Jülich.

Wie wenige habe sich die Physikerin „im Spannungsfeld von Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft verdient gemacht“, sagte Marquardt. In der „Hitze des Infektionsgeschehens standen die Wissenschaftler unter dem Brennglas der öffentlichen Wahrnehmung“. An dieser sensiblen Kommunikationsschnittstelle aus den Laboren direkt an die Massen bekomme „die Wissenschaft ein Gesicht“. Hier entscheide sich, ob mit sachlicher und faktenzentrierter Kommunikation Vertrauen gewonnen oder verloren werde.

Bürgermeister Axel Fuchs, der sich nach vier Jahren Pause besonders über die Preisverleihung freute, motivierte zunächst die illustren Gäste in der vollbesetzten Schlosskapelle zu einem kräftigen Applaus für den verstorbenen Conrad Doose, der während der Pandemie auf die würdige Ehrung für sein Lebenswerk verzichten musste.

Die Laudatio hielt der emeritierte Professor Dr. Ottfried Jarren aus dem Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung an der Uni Zürich. Er lobte Priesemann als „überragende Fachwissenschaftlerin und exzellente Kommentatorin“, die ihre laufenden Forschungsarbeiten ruhen ließ, um in sehr kurzer Zeit fundierte Ergebnisse zu präsentieren.

„Sie hat Kritik vorgebracht, aber sich nicht auf die eine oder andere Seite ziehen lassen. Sie hat Kurs gehalten, immer wieder auf die Komplexität hingewiesen“, betonte der Laudator. Dabei unterstrich er – wie später auch die Geehrte – die Ausrichtung des Max-Planck-Instituts, Grundlagenforschung zu Innovationsprozessen zu betreiben. Pianistin Elena Kelzenberg umrahmte die Feierstunde mit erstklassig gespielten Potpourris quer durch die Musikgenres.