Pfarrei „Heilig Geist“ feiert dreiteiligen Geburtstag

Pfarrei „Heilig Geist“ : Mit der Gemeinde Geburtstag gefeiert

Mit einer stimmungsvollen zweigeteilten Geburtstagsfeier zelebrierte die Pfarrei „Heilig Geist“ ihr großes, dreiteiliges Wiegenfest.

Sie selbst ist sechs Jahre jung, ferner feierten Propst Josef Wolff (50) und Pfarrer Konny Keutmann (60) mit der ganzen Gemeinde ihre „runden“ Geburtstage.

Sahnehäubchen war der Kabarett-Abend mit Ferdinand Linzenich, vielen bekannt aus dem „Senftöpfchen“ in der Kölner Altstadt. Mit seinem humoristischen und lebensbejahenden Programm begeisterte der bekennende „rheinische Katholik“, der eine der größten privat geführten Fitnessstudioketten Deutschlands betreibt, hunderte von Gästen in der vollbesetzten Propsteikirche. Diese war schummrig beleuchtet und „vorübergehend satirisch profaniert“, wie Linzenich es ausdrückte. Will heißen, in den Bänken der heiligen Hallen wurden ausnahmsweise Getränke und Laugenstangen gereicht.

Kernthema des Kabarettabends waren die sieben Todsünden, nicht im rein religiösen Sinn gemeint. Angeführt wird die Liste der Vergehen vom Hochmut. „Wir bilden uns viel auf unsere Erfahrung ein, lernen aber immer weniger hinzu. Irgendwann kommt der ganz berühmte Satz: Die Jugend von heute“.

Mit amüsanten Beispielen führte Linzenich aus, wie „Ihr erfahrenes Gehirn Sie narrt“. Lachsalven verursachte sein vermeintliches Abendgebet mit der Bitte, das Leben „sollte mit dem Tod beginnen, nicht umgekehrt“. Der Kabarettist veranschaulichte den Übergang vom dunklen Grab ins Altersheim, zum Golf und von der Arbeitsstelle in die Schule und zurück in den Mutterleib. „Du beendest dein Leben als Orgasmus“.

Zweite Todsünde sei die „Wollust am Untergang“ der verlustdenkenden Deutschen, die im Französischen bereits „Le Waldsterben“ hieße. Höchst amüsant war seine Darstellung archaischer Ängste, die „nichts mit der tatsächlichen Gefahrenlage zu tun haben“. Es folgten der „Erfolgsneid“ und der „emotionale Geiz“, der sich in den „langen Gesichtern“ so vieler Menschen widerspiegelt, die es „nicht nötig haben, traurig zu sein“.

Auf der weiteren Sündenliste standen die „Taubheit der Selbstsucht“, die „Trägheit des Herzens“ und die des Geistes. Linzenich motivierte in mancherlei Hinsicht, den Blickwinkel zu ändern, etwa zu „lieben, was man tut“ anstatt zu „tun, was man liebt“.

Eine weitere Anregung war: „Keine Zeit ist keine Lust zu hundert Prozent“. Als äußerst interessant erwies sich sein Aspekt: „Eine Krise ist ein konstruktiver Zustand. Wir bewegen uns nur in Krisen“. Die Trägheit des Geistes verdeutlichte er mit einem einfühlsamen Reim, in dem es unter anderem heißt: „Ich fühl mich wohl in allen Jahreszeiten, weil Jahreszeiten immer weiterschreiten“.

Gegen Ende seines sowohl höchst amüsanten als auch besinnlichen Vortrags wollte er „dem Ort, an dem wir uns hier befinden, ein bisschen gerecht werden“. Mit Blick auf die priesterlichen Geburtstagskinder blickte der 62-Jährige zurück auf die „lukullischen Höhepunkte“ im Speiseplan seiner Kindheit oder sein Ministrantendasein vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil mit der Beichte als „Sündenperformance“.

Oft genügt eine Veränderung des Blickwinkels: Der Kabarettist Ferdinand Linzenich begeistert das Publikum in der Propsteikirche. Foto: Jagodzinska

Wunderschön und voller Weisheit war sein zweites Gedicht: „Als ich mich selbst zu lieben begann“, mit Auszügen wie: „Seitdem lebe ich im Jetzt und Hier“. Sein Resümee des Abends lautete: „Keiner von uns kommt lebend hier raus. Lasst uns alle aufhören, das Leben zu verpassen“. Das begeisterte Publikum belohnte Linzenich mit stehenden Ovationen.

Erster Teil der Geburtstagsfeier war am Nachmittag ein gut gelauntes Miteinander im übervollen Rochusheim mit Kuchen, Limo, Geburtstagsgeschenken und einem Superprogramm, vorbereitet von den katholischen Kitas St. Rochus und St. Jakobus „auf der Bastion“ in Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat.

Ein Beispiel ist ein Rückblick auf 60 Jahre mit Blick auf Konny Keutmann, in dem Kindergartenkinder als Steffi Graf, Boris Becker oder Michael Schumacher auftraten. Eine echte Überraschung war der Besuch des Jülicher Kinderdreigestirns als Gratulanten.

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