1. Lokales
  2. Jülich

Schuhputz-Aktion in Jülich: Pfadfinder stellen Natur in den Vordergrund

Schuhputz-Aktion in Jülich : Pfadfinder stellen Natur in den Vordergrund

Das Wetter war Samstag nicht sehr angenehm: nasskalt und windig. Trotzdem wartete in der Fußgängerzone eine Gruppe Wölflinge auf Passanten, die zum Einkaufen unterwegs waren.

Die näherten sich auch ohne Angst, denn im Gegensatz zu den großen Namensvettern sind die Wölflinge nicht nur harmlos, sondern friedlich, hilfsbereit und immer einer guten Tat zugewandt. Die „Wölflinge“: das ist die kleinste Stufe innerhalb der Pfadfinderbewegung, die auch in Jülich zu Hause ist. Sieben bis zehn Jahre alt sind die Kinder alt, die etwas bewirken wollen.

Ihre gute Tat an diesem Morgen: Schuhe putzen gegen einen kleinen Obulus. Das ist die Idee der Pfadfinder in Jülich, genauer „Pfadfinder St. Georg, Stamm Franz von Sales“. Daraus lässt sich ableiten, dass die Pfadfinder, die ja seit mehr als 100 Jahren weltweit als Jugendbewegung organisiert sind, in Jülich ein katholisches Fundament haben und in der gleichnamigen Pfarre zu verorten sind, natürlich ohne Kinder und Jugendliche anderen Glaubens auszuschließen. Nina Köth ist ihre Vorsitzende.

Sie begleitet mit einigen erwachsenen Mitstreitern die Aktion der jungen Schuhputzer. „Das ist schon lange eine vorweihnachtliche Tradition“, erläutert sie. „Seit 20 Jahren machen wir das, und jedes Mal überlegen wir, wem die eingesammelten Spenden zu Gute kommen sollen.“ Aus den vielen Möglichkeiten haben sich die Pfadfinderkinder in diesem Jahr mit einem globalen Problem beschäftigt, das in unseren Breiten kaum mal in den Blick gerät, nämlich sauberes Trinkwasser.

Hier heißt es einfach, den Wasserhahn aufdrehen, und schon sprudelt das kühle Nass, während fast 600 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, damit aber auch die sanitäre Situation, z. B. Toiletten und sonstige Hygiene, teilweise katastrophale Zustände erreichen. „Die Wölflinge“ haben sich deshalb entschlossen, ihren Beitrag zu leisten, um zu helfen“, erklärt Nina Köth. „Sie haben entschieden, dass die heute eingesammelten Spenden an die Organisation „Viva con Agua“, also übersetzt „Leben mit Wasser“, gehen sollen. Das Netzwerk setzt sich dafür ein, dass die Wasser- und Hygieneversorgung weltweit gerade in den Gebieten verbessert wird, die von hiesigen Standards nur träumen können.

„Solche Aktionen wie diese hier, sind natürlich nicht die einzigen, die wir auf dem Zettel haben“, sagt Nina Köth. „Wir Pfadfinder verstehen uns als eine Form der Erlebnispädagogik.“ Verantwortung schon in jungen Jahren für die Gemeinschaft zu übernehmen, sei das eine, führt sie aus. Aber „wir sind grundsätzlich dafür da, Kinder und Jugendliche zusammenzuführen, mit Pfingstlager, Sommerlager und Gruppenstunden.“ Dabei stehe die Natur im Vordergrund, also genau das, was in Zeiten des Klimawandels so breit und kontrovers diskutiert wird. Und sie weist in diesem Zusammenhang stolz darauf hin, dass die Pfadfinder mit zu den Preisträgern des Klimaschutzpreises gehören, die die Stadt Jülich mit den Sponsoren Innogy und Indeland ausgelobt hat. „Mit dem Geld gestalten wir eine große Erlebniswiese am Rurdamm nahe des Freibads.“ Dort soll auf 2000 qm eine Zelt-, Obst- und Blumenwiese entstehen. „Auch so können wir als Pfadfinder Zeichen setzen“, ist Nina Köth überzeugt.

Die Aktion bringt 900 Euro ein

„Ihre“ Wölflinge haben auch schon ein Zeichen gesetzt, denn deren Schuhputz-Aktion hat sich gelohnt: Rund 900 Euro sind an diesem Morgen an Spenden von den engagierten Knirpsen eingesammelt worden, in vielen Fällen ohne Schuheputzen, bei dem Wetter ja auch fast verlorene Liebesmüh.

Klar, 900 Euro sind möglicherweise ein Tropfen im Kampf um sauberes Wasser, aber die Kinder wissen auch, dass viele Tropfen einen Bach machen und aus kleinen Bächen ein Fluss entsteht, der die Welt etwas besser macht.