Jülich: Per Treppenlift in Museumskeller

Jülich: Per Treppenlift in Museumskeller

Ein wenig mulmig schien es Balto Matzerath zu sein, als sich die Bügel um ihn und seinen Rollstuhl geschlossen hatten und sich die Plattform langsam nach unten bewegte. Es ging hinab in den Keller der Zitadelle, wo das Stadtgeschichtliche Museum Sehenswertes präsentiert.

Die Ausstellungsstücke standen an diesem Tag aber nicht im Vordergrund, vielmehr war der Weg das Ziel. Nach intensiven Bemühungen können nämlich nun auch Rollstuhlfahrer weitgehend ohne fremde Hilfe nach unten - das war bislang nicht möglich.

Der neue Treppenlift wurde getestet. Er ist offiziell wahrscheinlich gegen Ende der Sommerferien zur Nutzung freigegeben und legt - einmal im Keller angekommen - auch noch eine überraschende 90-Grad-Wendung ein. Die erlaubt es, dass Behinderte entweder nach vorn oder nach hinten die Liftplattform verlassen können.

Zur „Generalprobe” jetzt waren neben Hochbauamtsleiter Leo Heuter und der stellvertretenden Bürgermeisterin Margarete Esser-Faber weitere Vertreter aus der Kommunalpolitik und den beteiligten Stellen vor Ort, die sich neben Esser-Faber für die Sache engagiert haben: Hans Renn (Museum), der Schulhausmeister Marc van Snick, Winfried Cremerius und Marco Johnen.

Natürlich durfte auch der Planer nicht fehlen: Peter Brutsch hat die behindertengerechten Veränderungen an Schule und Bauwerk konzipiert. Neben dem Treppenlift sind das eine Rampe und eine automatische Tür, die sich auf Knopfdruck öffnet.

Das alles war nicht billig. 60.000 Euro hat die Bezirksregierung in Köln locker gemacht, damit Schule, Schlosskapelle und Museumskeller von Behinderten künftig sehr viel komfortbaler oder überhaupt erst genutzt werden können.

Euroschlüssel öffnet WC

Die Stadt hat sich nach Informationen von Leo Heuter auch eingebracht und im Rahmen der Gebäudesanierung ein Behinderten-WC bauen lassen (Kosten 25.000 Euro), das mit einem Euroschlüssel zu öffnen ist. Um den neuen Treppenlift nach seiner Freigabe zu nutzen, muss zunächst ein Museumsvertreter dabei sein, der die Anlage freischaltet. Die Investitionen haben sich gelohnt, davon war beim jetzigen Test nicht nur Balto Matzerath überzeugt.

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