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Raue Frauenporträts: Patrizia Casagranda stellt ab Samstag ihre Werke aus

Raue Frauenporträts : Patrizia Casagranda stellt ab Samstag ihre Werke aus

Es sind anmutige, ungewöhnliche Frauenporträts aus scheinbar vergangenen Zeiten oder anderen Welten, die Patrizia Casagranda in ihren Arbeiten zeigt, obwohl Gesichter moderner junger Frauen erkennbar sind.

Die deutsch-italienische Künstlerin stellt von Samstag, 29. September, bis Donnerstag, 25 Oktober, in der Galerie an der Zitadelle ihre Werke aus. Die Eröffnung findet am Samstag, 29. September, um 18 Uhr statt.

Ihre Gemälde spielen mit einem Mix von vertraut und fremd. Ein markiges Relief aus Wellen, Furchen, Mörtel und Noppen, so scheint es, mischt die Oberfläche der Bilder auf. Höckerartige Erhebungen bilden dabei Gesichter, die in Rot, Pink, Blau und Violett deutlich hervortreten. Materialbetont und zerklüftet, entspringen ihre Bildhäute dem Collage-Prinzip ebenso wie seinem Gegenteil, der Abschilferung der Decollage: Von der Wellpappe flämmt sie die obere Schicht ab, um das Wellenprofil freizulegen.

Sie deckt Stoff über Papier, bringt Schrift in Graffiti-Manier auf. Mit den Noppen, in Gips ausgeführten Punkten, knüpft sie an die Rasterbilder eines Roy Lichtenstein und Siegmar Polkes an. Jedoch sind ihre Punkte dreidimensional. Ihre skulpturale Bildsprache ist eine ansprechende vielschichtige Verschränkung von Porträt und Schrift, Bild und einer rauen Materialität.

Anstoß zum Umdenken geben

Einen Teil des Jahres verbringt Patrizia Casagranda in Nordindien, wo sie indische Frauen trifft, die als Müllsammlerinnen ihren Lebensunterhalt bestreiten. Ihre Erlebnisse dort verarbeitet sie eindrucksvoll in ihren Gemälden.

Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung ist eine neue Serie „Belief“. Einige dieser Werke beschäftigen sich im weitesten Sinne mit Religion. Es sind sechs Porträts von Frauen verschiedener Weltreligionen und Kulturen. Die Künstlerin will das Verbindende und die gemeinsamen Wertevorstellungen in den Religionen Buddhismus, Shinto, Christentum, Islam, Judentum und Hinduismus betonen. Ihr großes Anliegen ist es, Denkanstöße zum Wandel der Zeit zu geben, damit ein Umdenken stattfinden kann und Veränderung möglich ist.

Die Deutsch-Italienerin Patrizia Casagranda wurde 1979 in Stuttgart geboren und lebt in Krefeld. Sie schloss 2002 ihr Design-Studium an der FH Niederrhein mit Auszeichnung ab und besuchte die Malakademien in Stuttgart, Ravensburg und Trier. Seit 2015 arbeitet sie als freischaffende Künstlerin. Innerhalb kurzer Zeit machte sie sich einen Namen mit zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland, darunter in Frankreich, Großbritannien, China. In diesem Sommer zeigte sie dem Publikum in Venedig während der Architekturbiennale ihre Werke.