Bourheim: Passionskonzert des Vokalensembles Cappellissimo

Bourheim: Passionskonzert des Vokalensembles Cappellissimo

Wer an die Auferstehung von den Toten glaubt, der sah im Passionskonzert des Vokalensembles Cappellissimo vor seinem geistigen Auge über dem Grab ganz allmählich das Licht der Ewigkeit aufleuchten. „Leite mich auf ewigem Wege“ lautete das anspruchsvolle musikalische Thema der meditativen Stunde in der gut gefüllten Kirche „Heilige Maurische Märtyrer“.

Wegen zweier Krankheitsfälle war das achtköpfige Vokalensemble mit Sängerinnen und Sängern aus verschiedenen Städten um eine Alt- und Bassstimme ärmer. Ohne den direkten Vergleich fiel dieser Mangel nicht ins Gewicht. Einführend verlas Dirigent Frank Gössel (Tenor) aus Kempen „Ein Leben nach dem Tode“ von Marie-Luise Kaschnitz.

In der Ewigkeit erwartet die Dichterin „nur frei gewordene, niemals aufzehrende Liebe..., nicht weniger“. Mit traditioneller englischer Trauer- und Begräbnisliteratur startete „Cappellissimo“ in sein in Perfektion zu Gehör gebrachtes Passionskonzert. „I am the resurrection and the life“ (Ich bin die Auferstehung und das Leben), Literatur aus der Feder des renaissancezeitlichen Komponisten Thomas Morley führte in Prozession zum Grab. Am offenen Grab bezeugte das Ensemble nach Henry Purcell aus dem Barock: „Thou knowest, Lord, the secrets of our hearts“ (Du, Herr, kennst die Geheimnisse unserer Herzen).

Schlafes Bruder

Nachdem schließlich sinnbildlich die Erde aufgeworfen wurde, erklangen Kompositionen von Morley, Purcell und Thomas Tallis. Weitere durchaus tröstende Werke über den Tod folgten in Deutsch und Latein. So hieß es im Bach-Choral „Komm, o Tod, du Schlafes Bruder, mich verlangt nach dir allein!“ Die Motetten von Guillaume Bouzignac betonten: „In pace in idipsum“ (In Frieden werde ich schlafen) und „Beati mortui“ (Selig sind die Toten). Auf der Themenschwelle zwischen Leben und Tod las Gössel den Text „Bevor ich sterbe“ von Erich Fried, der „noch einmal von der Wärme des Lebens sprechen“ wollte.

Mit dem „Kyrie, Christe, Kyrie“ aus der „Missa Assumpta est Maria“ (Messe von der Aufnahme Mariens) von Giovanni Pierluigi da Palestrina verstummte die Vielzahl der Molltöne. Auch das Gedicht „Zeit und Ewigkeit“ von Wolfgang Seifen stimmte hoffnungsvoll. Denn dort mündet die abgelaufene Zeit des Menschen in die Ewigkeit des Erlösers.

„O nata lux de lumine“ (O Licht vom Licht geboren) sangen die Vokalisten nach Tallis. Klar und rein erklang abschließend die Motette von Maurice Duruflé „Ubi caritas et amor Deus ibi est“ (wo Barmherzigkeit und Liebe ist, ist Gott), in der sich gregorianische Gesänge mit leuchtenden Harmonien verbinden. Um den Liedfluss nicht zu unterbrechen, sparten die Zuhörer ihren Beifall für das hochkarätige Konzert bis zum Ende auf. Dann ertönte donnernder Applaus.

(ptj)