Jülich: Passanten machen mit bei „Jülich liest”

Jülich: Passanten machen mit bei „Jülich liest”

„Die Hunde waren schuld. Sie waren Snobs, und üblicherweise liefen sie nach einem Gartenausflug die Vordertreppe hinauf, wo ihnen ein Bediensteter die Tür öffnete.” So steht es in dem Buch „Die souveräne Leserin” von Alan Bennett, das am Samstag in der Jülicher Innenstadt im Rahmen der bundesweiten Bibliothekswoche unter dem Motto „Deutschland liest - Jülich liest” von Passanten vorgelesen wurde.

Die Geschichte handelt von der englischen Queen Elisabeth II., die durch Zufall auf einen Bücherbus stößt, sich aus Höflichkeit Bücher ausleiht und dem Lesen verfällt. Vielleicht war das ungemütliche Herbstwetter daran schuld, dass das Vorhaben zunächst wenig vielversprechend aussah. Die Jülicher liefen an dem Lesepult, das in der Mitte des Marktes aufgebaut worden war und an den Jugendlichen des Jugendparlaments Jülich, die die Passanten zum Vorlesen animieren wollten, eilig vorbei. „Vielleicht haben die Leute einfach nur Angst, öffentlich im Mittelpunkt zu stehen”, versuchte Elisabeth Fasel-Rüdebusch vom Amt für Kinder, Jugend und Sozialplanung, dem Veranstalter der Aktion, die Situation zu erklären.

Ein nahe liegender Grund, wurden doch die Passanten gebeten, sich beim Vorlesen von Manfred Lepold und Alfred Ponten mit einer Videokamera filmen zu lassen. Auf diese Weise sollten anschließend die vorgetragenen Sequenzen des Buches von den Mitgliedern der „Senioren ins Netz” auf einer CD zusammengefasst werden. Der einsetzende Regen zwang die Teilnehmer der Aktion, den Standort zu wechseln.

Zum Glück, denn in der Kölnstraße unter dem Vordach der Buchhandlung hatte man mehr Erfolg. Die erste mutige Passantin war Hildegard Hoecker, gefolgt von dem Jülicher Autor Klaus Röhe. „Jetzt läuft es”, strahlte Ann-Christin Hensel. Nun hatten die Jugendliche wieder neuen Mut gefasst, auf die Passanten zuzugehen und sie für ihre Leseaktion zu begeistern. Auch der Jülicher Heinz Breuer blieb mit seinem kleinen Sohn Merlin stehen und war sofort dabei. „Lesen ist doch eine tolle Sache. Zu Hause lesen wir den Kindern oft vor”, erzählte der Familienvater. Merlin ist natürlich Harry Potter Fan und würde am liebsten zaubern können. Überhaupt ist das Lesen für viele Menschen eine Magie, die einen in vergangene Zeiten versetzen kann.

So werden historische Romane von den Jülichern gerne gelesen, beispielsweise von Margret Vaßen, die zu den Vorlesern gehörte. Auch Lieblingsbücher waren vertreten. Elisabeth Vietzke hatte sich im Vorfeld über die Aktion „Jülich liest” informiert und für alle Fälle ihr Lieblingsbuch „Heimsuchung” von Jenny Erpenbeck gleich mitgebracht.

An freiwilligen Vorlesern mangelte es im Laufe des Vormittags nicht mehr und schon bald war der letzte Leser, Theo Peters, gefunden, der das Ende aus der „Souveräne[n] Leserin” vortrug.

Als Dankeschön erhielten alle Teilnehmer die CD der „Senioren ins Netz”. Und Ann-Christin Hensel und ihrer Freundin Jessica Sybertz blieb nur noch, gemeinsam mit Theo Peters, die Welle zu machen: „Es hat doch noch geklappt!”