Barmen: Overbacher präsentieren Passionszyklus

Barmen : Overbacher präsentieren Passionszyklus

Dass es lohnt, sich auf den Weg zu machen, wusste schon ein 20-jähriger Johann Sebastian Bach, als der junge Komponist im Jahre 1705 von Arnstadt in Thüringen nach Lübeck 400 Kilometer Fußmarsch zurücklegte, um dort Buxtehude zu „behorchen“.

Dietrich Buxtehude (1637-1707) hatte es als Organist und Kantor an der Marienkirche in Lübeck mittlerweile zu Weltruhm gebracht und dem jungen Bach lag viel daran, von diesem bedeutenden Barockkomponisten zu lernen.

Jülicher Musikfreunde haben es heutzutage leichter, Buxtehude zu „belauschen“, denn passend zur Passionszeit und als feierlicher Abschluss des „2. Overbacher Frühlingsreigens“, erklingt am 22. März, ab 17 Uhr in der Klosterkirche Buxtehudes größtes oratorisches Werk: Der aus sieben Kantaten bestehende Zyklus „Membra Jesu Nostri“. Zu diesem Anlass kooperieren als neue Initiative der Overbacher Singschule Mitglieder und Solisten des Overbacher Kammerchores mit Mitgliedern des Jungen Chores Overbach, begleitet von Solisten des Overbacher Kammerorchesters.

Erstmals komplett

Damit wird in Overbach erstmals Buxtehudes „Glücksfall der Musikgeschichte“, wie der Passionszyklus von Musikexperten auch bezeichnet wird, komplett aufgeführt, nachdem Kerry Jago, Singschulleiter und Alte-Musik-Kenner, in den vergangenen Jahren jeweils drei Kantaten mit seinem Kammerchor einstudiert und bereits in Matineen zu Gehör gebracht hatte.

„Buxtehudes Musik verdient es einfach, dauerhaft in das Repertoire der Ensembles aufgenommen zu werden, sie ist einfach zu schön, um in Vergessenheit zu geraten“, betont Jago.

Mit vollem Namen heißt das Werk „Membra Jesu nostri patientis sanctissima“, übersetzt: „Die allerheiligsten Gliedmaßen unseres leidenden Jesus“. In jeder Kantate richtet der imaginäre Betrachter den Blick in aufsteigender Reihenfolge auf ein verletztes Körperteil des gekreuzigten Jesus, angefangen bei den Füßen, über die Knie, Hände, Seite, Brust und das Herz bis hin zum Gesicht.

Das Vorgehen, in einer Dichtung die Körperteile jeweils einzeln zu besingen, stammt aus der weltlichen Liebesdichtung, wird aber im Passionzyklus auf Jesus übertragen und dort jedem seiner Körperteile eine Heilsbedeutung zugeschrieben.

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