Jülicher Land: Orkantief „Friederike“ wirbelt das Jülicher Land durcheinander

Jülicher Land: Orkantief „Friederike“ wirbelt das Jülicher Land durcheinander

Die beste Nachricht eines stürmischen Tages in Jülich und dem Umland: Es gab keine Verletzten. Ansonsten wirbelte Tief „Friederike“ aber so ziemlich alles weg und durcheinander und erzeugte im Norden des Kreises Düren reichlich Schaden.

Mehrere Bäume wurden entwurzelt, wenigstens zwei fielen auf parkende Autos: in der Vogelsangstraße und in der Römerstraße in Jülich, andere auf Häuser. Auch das Leben in vielen Familien wurde ordentlich durcheinandergewirbelt, weil Eltern ihre Kinder vorzeitig von der Schule abholen mussten.

Zwischen 11 und 12 Uhr gab es die Windspitze des Tages, wie die Wetterstation des Forschungszentrums Jülich ermittelte: mit 106,6 km/h, das entspricht Windstärke 11. Im Jülicher Land tobte also kein Orkan (beginnt ab 117,7 km/h), sondern ein schwerer Sturm, der zur Tageszeit viele Auswirkungen hatte. Vor zwei Wochen bei „Burglind“ maß die FZJ-Wetterstation nach Angaben von Larissa Henschke höhere Spitzen in Orkanstärke (127 km/h), das allerdings um 5 Uhr am frühen Morgen, was die meisten Menschen verschlafen haben.

Gestern fragten sich viele Eltern, ob der Unterricht ihrer Kinder denn überhaupt oder in vollem Umfang stattfindet. Es gab im Jülicher Land keine generelle Regelung, allerdings beendeten nur zwei Grundschulen in der Herzogstadt (Promenadenschule und GGS West Koslar) den Unterricht nach der sechsten Stunde, alle anderen früher. In den Schulsekretariaten glühten die Telefondrähte, um die Eltern zu verständigen, wie Schulamtsleiter Gert Marx auf Nachfrage berichtete.

Auf den Straßen gab es natürlich auch viele Beeinträchtigungen durch Bäume, Astwerk und andere „Geschosse“. Heftig geblasen hat „Friederike“ entlang der Bundesstraße 56 bei Dürboslar; und zwar so heftig, dass ein nicht beladener Kleinlastwagen in Fahrtrichtung Heinsberg einfach nach rechts weg von der Fahrbahn gepustet wurde. Der Fahrer blieb unverletzt, als sein Lkw außer Kontrolle geriet und in den angrenzenden Acker gedrückt wurde. Die Feuerwehr konnte das Fahrzeug zunächst nicht bergen, weil der Transporter zu viel Angriffsfläche für den Wind bot. So blieb der Laster im Feld liegen, bis sich der Sturm beruhigt hatte. Und er lag da als eine Art Mahnmal für alle Fahrer größerer Fahrzeuge.

Fahrverbot an solchen Tagen

„Eigentlich müsste an solchen Tagen ein Fahrverbot herrschen für Transporter mit mehr als 3,5 Tonnen“, sagte Lkw-Fahrer Hans Horst, der an der Unfallstelle angehalten hatte, um zu schauen, ob er helfen kann. „Das ist heftig, wenn man merkt, wie der Wind am Fahrzeug zieht“, schilderte er seine Eindrücke. „Gottseidank bin ich voll beladen.“

„Friederike“ machte den Rettungskräften im Jülicher Land mehr Arbeit als sie an einem normalen Tag haben. „Aber so richtig bringt mich das nicht weg vom Ruhepuls“, sagt Swen Hensseler, einer der hauptamtlichen Feuerwehrleute bei der Freiwilligen Feuerwehr Jülich. „Die jüngeren Feuerwehrleute sind vielleicht etwas mehr aufgekratzt. Aber eigentlich ist alles ruhig“, sagte Hensseler, auch mit der Ruhe von 28 Jahren Erfahrung im Blaurock.

An mehreren Stellen in der Stadt musste die Wehr Bereiche absperren, weil sich Dachziegel gelöst hatten, drei große Bäume konnten sich angesichts von „Friederike“ nicht mehr halten. Sowohl an der Schneiderstraße als auch an der Römerstraße kippten sie auf Häuser und beschädigten diese. An der Römerstraße begrub der Baum anschließend auch mehrere Autos unter sich, die auf einem Parkplatz zwischen den Gebäuden standen. Auch hier wurde niemand verletzt. In der Vogelsangstraße krachte ein großer Baum in einen Vorgarten und begrub einen Wagen unter sich.

Die Feuerwehr-Leitstelle des Kreises Düren in Stockheim hatte bis 13.30 Uhr insgesamt 115 Einsätze zu verzeichnen. Laut Teamleiter Stefan Nepomuck waren dabei in den 15 Kommunen des Kreises 260 Einsatzkräfte im Einsatz.

Kurze Zeit stand gestern nicht fest, ob die geplante zweite Damensitzung der KG Maiblömche Lich-Steinstraß überhaupt stattfinden kann. Der geplante Start im Festzelt um 14.30 Uhr wurde von der Stadt Jülich untersagt, man wollte sicher gehen, dass der Sturm tatsächlich abflaut. Eine gute halbe Stunde später gab es grünes Licht für rund 1200 Damen, die zu einem Teil lange gewartet und die Zeit in Gaststätten am Matthias­platz oder vor dem Zelt verbrachten. Letztlich stürmten sie nach dem Sturm und der Freigabe hinein: ein närrisches Happy End.

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