1. Lokales
  2. Jülich

Jülich: Open-Air-Kino im Brückenkopfpark: 400 Menschen sehen „Die Verlegerin“

Jülich : Open-Air-Kino im Brückenkopfpark: 400 Menschen sehen „Die Verlegerin“

Noch sieht man auf der Leinwand in der Abendsonne nur verblasst den Testlauf des Films „Die Verlegerin“, der hier im Brückenkopfpark gleich gezeigt wird. Langsam kühlt es etwas ab und ein leichter Wind geht, während die Techniker Kabel verlegen, Ersatzteile holen, an Laternen herumschrauben, damit sie später bei der Vorstellung nicht angehen.

Seit 2009 werden jedes Jahr im Sommer unter dem Zeltdach des Brückenkopfparks ausgewählte Filme gezeigt. „Willkommen bei den Sch’tis“ und „Fack ju Göhte“ seien mit Abstand die beliebtesten gewesen, sagt Jenny Lorbach vom Kulturbahnhof. Bis jetzt sei kein Film „gefloppt“. „Das war wohl Fingerspitzengefühl und Glück von Cornel“. Gemeint ist Cornel Cremer, Mitveranstalter des Open Air Kinos. Er suche bereits weit im Voraus die Filme aus. Das Kino ist eine Kooperation von Kulturbahnhof, Kulturbüro und Daniel von Büren mit seiner Firma „dpvb“, der für die Technik verantwortlich. Nur diese Zusammenarbeit mache das Open-Air-Kino möglich, erklärt Lorbach.

Auftakt nach Maß: Nach den letzten Vorbereitungen (Foto unten rechts) strömten rund 400 Besucher zur ersten Vorführung des Open-Air-Kinos im Jülicher Brückenkopf-Park. Foto: Katharina Rings

Dieses Jahr kein Glühwein

Auftakt nach Maß: Nach den letzten Vorbereitungen (Foto unten rechts) strömten rund 400 Besucher zur ersten Vorführung des Open-Air-Kinos im Jülicher Brückenkopf-Park. Foto: Katharina Rings

So gutes Wetter wie diesen Sommer war natürlich nicht immer. „Wir hatten auch Jahre, da waren 17 Grad und Regen“. Gekommen seien die Zuschauer trotzdem: Mit Glühwein und Decken, wenn es sein musste. Heute ist das nicht nötig, es werden kalte Getränke angeboten und einige Gäste ziehen den freien Himmel dem Zelt vor und machen es sich mit ihren Stühlen dort gemütlich.

Nicht selten habe sie schon Applaus nach den Filmen und sogar Standing Ovations erlebt, sagt Lorbach und lacht. „Da freut man sich natürlich“, fügt Daniel von Büren hinzu, während er in seinem Transporter kramt, in dem der Projektor steht. „Von der Stimmung her war „Willkommen bei den Sch’tis“ wohl der beste Film, den wir gezeigt haben.“

Oft sei es gar nicht in erster Linie der Film, der die Leute ins Open Air Kino ziehe. „Die Atmosphäre hier spielt eine ganz große Rolle“, sagt sie. Das erzählen auch viele der Zuschauer, die bereits vor Einlass in der Schlange stehen. Sei es, einen freien Abend zu genießen oder an der frischen Luft zu sein. „Die Meinungen zu dem Film waren super“, sagt Lisa Scholl, die mit ihrem Freund zum ersten Mal hier ist. Auch Christine Hofmann ist gespannt auf den Film: „Die Vorschau sah vielversprechend aus!“.

„Die Verlegerin“ von Steven Spielberg; eine Geschichte über die Pressefreiheit in der Zeit des Vietnamkriegs, der Verantwortung gegenüber dem Volk und mittendrin Katherine Graham, genannt „Kay“, die Verlegerin der „Washington Post“. Sie muss die bedeutungsschwere Entscheidung treffen: Drucken oder nicht drucken. Sich gegen die Regierung auflehnen und damit ihre Zeitung aufs Spiel setzen oder der Welt die erschreckenden Regierungsgeheimnisse um den Vietnamkrieg verschweigen.

Trotz der fast 400 Leute, die heute das Zelt im Brückenkopfpark füllen, ist es eher still. Das sagen auch zwei Zuschauerinnen nach der Vorstellung. Ihnen hat der Film sehr gut gefallen, er habe „zum Nachdenken gebracht“. „Anscheinend wiederholt sich die Geschichte“, sagt ein weiterer Zuschauer.

Doch auch seine heiteren Momente hatte „Die Verlegerin“, bei denen das Publikum herzlich lachte. Da war zum Beispiel das kleine Mädchen, dass den Journalisten, die unter Hochdruck die verheerenden „Pentagon Papers“ durcharbeiteten, mit fast absurder Normalität Limonade für einen Vierteldollar anbot. Immer wieder stolperte sie mit kindlicher Naivität durch den Film und erheiterte die Zuschauer in jeder noch so düsteren Lage.

Mittlerweile ist es ganz dunkel geworden, „Kay“ hat sich schließlich zu einer Entscheidung durchgerungen und bei den Zuschauern einen bleibenden Eindruck hinterlassen, die jetzt wieder den Nachhauseweg antreten, nicht wenige angeregt über den Film diskutierend.