Oliver Krischer kritisiert geplanten Ausbau der B 56

Oliver Krischer kritisiert geplanten Ausbau : Eine vierspurige B56 für den Strukturwandel?

Gleich acht Infrastrukturmaßnahmen, die den Kreis Düren betreffen, listet das Abschlusspapier der Kohlekommission auf, die aus einem Sonderfinanzierungsprogramm Verkehr im Rahmen des Strukturwandels gefördert werden sollen. Mit dabei: der vierspurige Ausbau der B56.

Es gibt spannendere Projekte, mit denen man den Strukturwandel gestalten könnte. Zum Beispiel das erst vor wenigen Tagen präsentierte Projekt „Brain-Train“, das unter anderem für eine Vernetzung der Forschungseinrichtungen in der Region per Schiene sorgen soll. Das Forschungszentrum Jülich und der Campus Aldenhoven würden dann über die alte Strecke der Jülicher Kreisbahn eine Direktverbindung nach Aachen erhalten. Der „Brain-Train“ ist genauso Teil der Projektliste im Papier der Kohlekommission wie Maßnahmen, die sich seit Jahren schon in der Planung befinden – etwa die Forderung nach einem dritten Gleis für die Bahnstrecke Aachen–Köln, die Reaktivierung der Bördebahn von Düren nach Euskirchen, den Lückenschluss zwischen Linnich und Baal und den Bau der Nordumgehung B399 in Düren.

Auf die Liste der zu realisierenden Projekte hat es aber auch der vierspurige Ausbau der B56 zwischen den Autobahnen A4 und A44 geschafft. Schon vor zwei Jahren sorgte dieses Projekt für Verwunderung. Im damals vom Bundesverkehrsministerium vorgestellten Verkehrswegeplan wurde der Ausbau mit einem „vordringlichen Bedarf“ eingestuft und in die Liste der Projekte aufgenommen, die bis zum Jahr 2030 zu realisieren seien. Die Begründung: Eine Berechnung der Verkehrsströme für das Jahr 2030 habe gezeigt, dass das Verkehrsvolumen auf der A4 und der A44 deutlich steigen werde – insbesondere durch erwarteten Güterverkehr aus Belgien. Deshalb, so die Logik, müsste eine sichere und belastbare Verkehrsspange zwischen diesen beiden Autobahnen her.

Güter auf die Schiene

Eine Logik, die der Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer (Grüne) schon vor zwei Jahren unlogisch fand: „Hier soll eine Straße gebaut werden, wo schon vor Ort niemand versteht, welchen Sinn dieses Projekt macht.“ Zumal nach Ansicht von Krischer gerade bei einem erwartetem Ansteigen des Güterverkehrs ein zusätzliches drittes Gleis für die Bahnverbindung zwischen Aachen und Köln aus seiner Sicht viel sinnvoller wäre und den Ausbau der B56 überflüssig machen würde.

Krischer: „Dass die NRW-Landesregierung den Ausbau jetzt auch noch als Projekt für den Strukturwandel geadelt hat, ist absurd. Ein Straßenausbau, den niemand gefordert hat und offensichtlich niemand braucht und der auch noch erhebliche Folgen für die betroffenen Ortschaften wie zum Beispiel Selhausen hätte, soll die Folgen des Kohleausstiegs auffangen. Das zeigt, in den Listen findet sich noch viel Unsinn.“

Zukunftsbausteine sieht Krischer eher bei er Realisierung der anderen genannten Projekte – etwa beim Lückenschluss der Bahn zwischen Linnich und Baal. „Das ist für die Anbindung von Jülich und insbesondere des Forschungszentrums Richtung Düsseldorf, Neuss und Mönchengladbach ein entscheidender Zukunftsbaustein.“

(bugi)
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