Jülich: Ohne die Zivis wird es eng

Jülich: Ohne die Zivis wird es eng

Max Hampel gehört zu einer aussterbenden Spezies, er ist einer der letzten seiner Art - ein Teil des Auslaufmodells Zivildienstleistender Denn mit dem Aussetzen der Wehrpflicht ertönt auch für den Wehrersatzdienst der Zapfenstreich.

Hampel, der seit August beim DRK Jülich seinen Dienst am Menschen leistet, bedauert diese politische Entscheidung. „Für mich und viele andere Zivis war diese Zeit eine wichtige und prägende Erfahrung”, sagt der 20-jährige Abiturient. Viel werde er aus seiner Zeit beim DRK mitnehmen. Insbesondere die Dinge, die man in der Schule und in der Ausbildung nicht lernt.

„Bei der Arbeit mit alten und behinderten Menschen lernt man einfach fürs Leben. Und es macht Spaß, weil man weiß, dass man gebraucht wird”, betont Hampel. Das ist auch der Grund, warum der junge Mann seinen Zivildienst freiwillig um einige Monate verlängert hat.

Lücke beim Personal

So ehrenhaft dieser Einsatz auch ist, die Lücke, die die Abschaffung des Zivildienstes in die Personalstruktur reißt, sind auch mit den freiwilligen Verlängern nicht zu füllen. „Für Hilfsorganisationen und soziale Einrichtungen ist das ein herber Verlust”, betont Uwe Palmen, Geschäftsführer der Jülicher DRK-Ortsgruppe. Er und hunderte anderer Einrichtungen setzen nun ihre Hoffnungen in den Bundesfreiwilligendienstes.

„Leider sind die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen dieses Ersatzdienstes sind bislang aber noch gar nicht geklärt”, nennt Hans Schüffler, Abteilungsleiter Soziale Dienste beim DRK Jülich, einen besoneren Kritikpunkt des neuen Freiwilligendienstes. Die sozialen Einrichtungen hängen sozusagen in der Schwebe, in einem luftleeren Raum. „Wir schauen ein wenig bedrückt in die Zukunft”, gesteht Schüffler. „Natürlich machen wir uns Sorgen, wie es nun weitergeht”, sagt er. Immerhin waren die Zivis ein festes Standbein der Organisation. Zwischen 12 und 16 junge Männer leisteten im Durchschnitt ihren Zivildienst beim Jülicher DRK ab, beispielsweise beim Hausnotruf, im Rettungsdienst oder beim Fahrdienst, wo sie Menschen mit Behinderungen morgens in die Schule oder in die Werkstätten brachten. Damit ist es jetzt vorbei.

„Es gibt einen großen Unsicherheitsfaktor, die Sicherheit in der Planbarkeit ist nicht mehr gegeben. Und wir können jetzt nicht einmal schätzen, wie viele Menschen sich für einen Bundesfreiwilligendienst melden”, erklärt Palmen. Bis der Freiwilligendienst richtig angelaufen sei, könne man die Zeit mit Aushilfen überbrücken. Und was geschieht, wenn sich nicht genug Menschen melden? „Dann werden wir wohl manches Einsatzgebiet streichen”, erklärt Palmen.

Die Schulfahrten könnten dann von privaten Anbietern übernommen werden. „Die Individualfahrten, das sind Fahrten zum Einkaufen oder zu Veranstaltungen, wollen wir aber auf jeden Fall aufrechterhalten, um den Menschen die Möglichkeit zu geben, am normalen Leben teilzunehmen.”

Auch im Altenzentrum St. Hildegard waren die Zivis in den vergangenen Jahren stets eine konstante Größe, mit der man rechnen konnte. Obwohl man in St. Hildegard weniger auf die Hilfe der Zivis angewiesen ist als beim DRK, waren sie doch immer eine große Stütze, auf deren Unterstützung man auch dort nur ungern verzichten mag. „Jetzt haben wir noch drei Zivildienstleistende”, erklärt Stephanie Collip, die für die Männer zuständig ist. „Wie es aber nun weitergehen wird, das wissen wir noch nicht.” Denn auch in dieser Einrichtung verhindern die fehlenden rechtlichen Grundlagen eine ordentliche Planung.

„Wir haben noch gar keine Vorstellung, wie sich die Situation mit dem Freiwilligendienst verändern wird”, sagt Collip. Fest steht aber: Wenn es in St. Hildegard bald keine Zivis und keine Freiwilligen gäbe, dann werde man das schon merken. Doch erstmal bleibt Collip optimistisch: In Aachen findet ein Infotag statt. Von dem erhofft sie sich präzisiere Informationen zum Bundesfreiwilligendienst.

„Der Wegfall des Zivildienstes trifft uns nicht dramatisch”, sagt dagegen Kaya Erdem, Sprecher der Caritas Trägergesellschaft West, die Träger des Jülicher und Linnicher Krankenhauses sind. Er verspricht: „An den Leistungen in den beiden Häusern werde sich durch den Wegfall nichts ändern. „Die Situation kommt ja nicht plötzlich, wir hatten Zeit zu planen und bauen derzeit das Freiwillige Soziale Jahr aus”, erklärt er.

In Pflege und Verwaltung

Er muss aber auch zugeben, dass man auch vorher mit einer geringen Anzahl Zivis arbeitete.

Rund ein Dutzend Zivildienstleistende beschäftigten die beiden Krankenhäuser zusammen, sie werden in der Pflege eingesetzt oder übernehmen verwaltungs- und technische Aufgaben. „Aber wir werden sicherlich auf Aushilfskräfte ausweichen müssen.”