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Lamersdorf: Nur aus Glas, Holz und Gips gebaut

Lamersdorf : Nur aus Glas, Holz und Gips gebaut

„Wann wird denn endlich das Haus gestrichen?” Eine Frage, die Reiner und Alexandra Lövenich aus Lamersdorf mittlerweile nicht mehr stört.

Denn heute wissen die meisten Dorfbewohner, dass ihr eigenwillige Neubau mit dem Charakter einer Scheune außen mit Lärchenholz verkleidet ist.

„Sie gehen doch auch nicht in den Wald, und streichen diese Bäume”, begegnete der Bauherr und Umweltberater dem neugierigen Fragesteller. Der wusste dann, dass Lärchenholz von Natur aus grau ist „und so eben verwittert aussieht”, lacht Alexandra Lövenich, um dann zu betonen, „dass unser Haus nur aus Glas, Holz und Gips besteht”.

Kenner wissen mittlerweile, dass es sich um ein so genanntes „Passivhaus” handelt, dass die Lövenichs mit Schwiegereltern und der Schwester im Ortskern von Lamersdorf gebaut haben. „Unsere Idee war es, beim Hausbau all das zu verwirklichen, was heute zur Schonung der Umwelt bereits machbar und bezahlbar ist.”

Mit diesem Gedanken gingen die Ehelaute ihr Vorhaben an, rissen zuerst eine Scheune auf dem Grundstück der Eltern vom Bauherrn ab, die sich als Glücksfall erwies. „Die alten Steine konnten wir bestens als Schütt- und Wärmespeichermaterial brauchen.

Zudem durften wir den Scheunengrundriss für unseren Neubau übernehmen, da dieser optimal nach Süden ausgerichtet war.” Grund: Das Holzhaus sollte nur „passiv” von der Sonne, von inneren Wärmequellen und von zurückgewonnener Wärme behaglich warm gehalten werden.

So findet man auf einer Wohnfläche von 120 Quadratmetern kein konventionelles Heizsystem mit Heizkörpern. Das Sonnenlicht wird durch die großen Fensterflächen sozusagen eingefangen, die dreifach isoliert, mit einer Gasfüllung versehen sind.

„Sie lassen etwas weniger Licht herein, dafür lassen sie aber keine Wärme heraus”, umschreibt Lövenich ein wesentliches Teilstück der Heizung, die von einer Lüftungsanlage mit Erdwärmetauscher und Wärmerückgewinnung komplettiert wird.

Ergänzt wird die Haustechnik durch thermische Solarkollektoren zur Brauchwassererwärmung. Hinzu kommt eine Regenwasser-Nutzungsanlage, an der unter anderem die Waschmaschine und die Toilettenspülung angeschlossen sind.

„Sollte es einmal ganz kalt werden, dann können wir unseren Holzpelletkessel in Betrieb nehmen”, wurde dieser aber seit dem Einzug im Frühjahr diesen Jahres noch nie genutzt. Dies liegt auch daran, dass zwischen der Holzfassade eine 36 Zentimeter dicke Mineralfaser-Isolierung eingebracht wurde.

„Die haben wir natürlich selbst eingebaut, ebenfalls die komplette Holzverbretterung im Haus selbst”, wurde das Holzständerwerk mit zwei Geschossen fachmännisch von einem Zimmereibetrieb aufgestellt. Die fehlenden Innenflächen auf der Südseite erhielten dann die Spezial-Fenster, ansonsten wurde mit Gipskartonplatten gearbeitet.

„Wir haben gemerkt, dass unser Architekt zuerst eine Zimmermannslehre absolviert hat”, betont Reiner Lövenich, dass das Zusammenarbeiten zwischen Bauherr und Planer optimal war.

Reiner Lövenich ließ sich vor Jahren als Umweltberater ausbilden, ist heute im Verein zur „Förderung kirchlicher Umweltberatung” tätig. „Wir stellen uns so zukunftsfähiges Bauen vor”, sind die Lövenichs stolz auf ihr Haus, laden Interessierte herzlichst ein, dass Passivhaus unter die Lupe zu nehmen, sich vom Bauen mit nachwachsendem heimischen Holz inspirieren zu lassen.

Am 13. und 14. November wird in Deutschland der erste Tag des Passivhauses begangen. Das Wochenende soll möglichst vielen Interessierten die Chance bieten, diese Form des Bauens mit allen Sinnen zu erleben, sich „live” vom Komfort eines solches Hauses überzeugen zu lassen.

Zum Infobesuch laden auch Reiner und Alexandra Lövenich sowie Cornelia Lövenich ein. Ihr Holzhaus mit insgesamt drei Wohneinheiten - besichtigt werden können zwei davon - steht auf der Corneliusstraße 55 a/b in Lamersdorf. Von 15 - 17 Uhr steht ihr Passivhaus am Sonntag, 14. November, allen Interessierten offen.

Da es in der Straße keine Parkmöglichkeiten gibt, sollten Parkplätze an der Kirche oder an der Papierfabrik genutzt werden. Um 15.15 Uhr und 16 Uhr gibt es Führungen durch den Architekten bzw. den Heizungsbauingenieur.