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Jülicher Land: Noten von „sexy” bis „menschlich”

Jülicher Land : Noten von „sexy” bis „menschlich”

„Für mich ist so ein Verhalten pervers und unerträglich”, lautet das Urteil von Peter Joachim Reichard, Schulleiter des Gymnasiums Zitadelle in Jülich. Er richtet sich damit gegen die Internetseite spickmich.de, die seit einiger Zeit die Gemüter vieler Lehrer erregt.

Seit Ende Januar haben Schüler die Möglichkeit, sich auf dieser Seite kostenlos anzumelden sowie Schule und Lehrer einzutragen - und zu bewerten. In Kategorien wie „sexy”, „motiviert” und „menschlich” werden Noten von 1 bis 6 verteilt - und das anonym. Sobald ein Lehrer von fünf seiner Schützlinge benotet wurde, wird eine Durchschnittsnote öffentlich erkennbar.

„Ich bin entsetzt über die Menschen, die offensichtlich keine direkte Kommunikation wünschen”, sagte Reichard. Die Schüler sollten sich nicht über jemanden beschweren, sondern bei jemandem. Dafür gäbe es schließlich genug Möglichkeiten, wie den Vertrauenslehrer. „Auch ich habe ein offenes Ohr für Schüler, die ein Problem haben”, bekräftigt der Schulleiter weiter. Die Anonymität sei wie ein Busch, hinter dem man sich verstecken könne.

Wolfgang Felske, Informatiklehrer an der Käthe-Kollwitz-Realschule in Aldenhoven, sieht die Seite als Chance, allerdings nur, wenn sie richtig genutzt wird. „Leider wird auch viel Unsinn damit gemacht”, bedauert er. Die Kommentare der Schüler liegen oft unter der Gürtellinie und die Kategorien der Benotung sind nicht alle relevant für die Unterrichtsqualität.

Heinz Lingen, Leiter des Gymnasiums Haus Overbach in Barmen, setzt auf schulinternen Austausch. Seiner Meinung nach stört die öffentliche Bewertung die Vertrauensbeziehung zwischen Lehrern und Schülern.