Kreis Düren: Noch kein Fachkräftemangel im Kreis Düren

Kreis Düren: Noch kein Fachkräftemangel im Kreis Düren

Es wird schwieriger, Fachkräfte zu gewinnen. Doch von einem Fachkräftemängel möchte Uwe Günther, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Rureifel, nicht sprechen. Er und Kreishandwerksmeister Gerd Pelzer wagen anlässlich des heutigen Tags des Handwerks einen optimistischen Blick in die Zukunft. Den Betrieben müsse es aber gelingen, sowohl Schüler, die eine Förderung brauchen, als auch verstärkt Abiturienten für sich zu gewinnen. Wie? Das erklären Uwe Günther und Gerd Pelzer im Interview.

Reden wir über den Nachwuchs im Handwerk. Wie sieht die Ausbildungssituation aus?

Gerd Pelzer (l.) und Uwe Günther waren Gesprächspartner unserer Zeitung. Foto: sj

Günther: Bislang wurden 490 Verträge abgeschlossen. Das sind fünf Prozent weniger als im Vorjahr. Im Landesdurchschnitt waren es sieben Prozent weniger. Im Kreis Düren liegen wir über dem Landesdurchschnitt. 16 Stellen sind noch offen.

Wie steht es angesichts des demografischen Wandels um die Ausbildungsbereitschaft? Werden genügend Plätze angeboten?

Pelzer: Gerade größere mittelständische Unternehmen sind bereit, über Bedarf auszubilden. Und sie tun es bei uns auch. Bei Klein- und Kleinstunternehmen ist dies nicht so leicht. Dort ist meistens nur ein Lehrling im Betrieb eingestellt.

Droht im Kreis Düren ein Fachkräftemangel?

Günther: Die Situation ist momentan nicht dramatisch, der Bedarf der Unternehmen ist gedeckt. In den kommenden Jahren wird das schwieriger. Pelzer: Was mich umtreibt, ist das Problem der Qualität vieler Auszubildenden. Gerade bei Mathe- und Deutschkenntnissen hapert es. Wir müssen in Zukunft noch mehr daran setzen, schwächere Schüler durch die Ausbildung zu begleiten. Das ist eine Forderung der Politik. Aber es ist auch eine Herausforderung, der wir in unserem Berufsalltag begegnen müssen. Mancher Auszubildende ist in der Schule schwächer, aber in der Praxis Spitze. Diese Menschen dürfen wir nicht verlieren.

Haben Sie aufgrund des doppelten Abiturjahrgangs eine höhere Nachfrage von Abiturienten erlebt?

Günther: Dieser Ansturm hat im Handwerk nicht stattgefunden. Zehn Prozent eines Ausbildungsjahrgangs sind Abiturienten. Daran hat sich nichts geändert.

Haben Sie mit mehr Interesse gerechnet?

Pelzer: Das hatten wir. Die Handwerkskammer hatte sogar einen Vermittler eingestellt, der sich um diese Zielgruppe kümmern sollte.

Ist die Universität attraktiver als das Handwerk?

Günther: In Deutschland wird seit Generationen einem Studium in der allgemeinen Wahrnehmung ein höherer Stellenwert eingeräumt. Aber das Handwerk wird auch für Fachhochschüler und Abi­turienten immer interessanter. Manche Ausbildung findet bereits heute auf FH-Niveau statt. Eine Ausbildung im Handwerk öffnet Türen für ein weiteres Studium, es gibt zunehmend duale Angebote, die beides direkt miteinander verbinden. Wer nach dem Abschluss mit theoretischen Wissen und praktischer Erfahrung punkten kann, wird nicht lange eine Stelle suchen müssen. Wir wollen mehr Abiturienten für eine Ausbildung gewinnen.

Welche Angebote machen Sie?

Pelzer: Zum einen setzen wir sehr stark auf eine frühe Berufsorientierung in der Schule. Gleichzeitig wollen wir vermitteln, welche Perspektiven es nach einer handwerklichen Ausbildung gibt, welche weiteren Qualifizierungsschritte vom Meister bis zum Studium Schritte möglich sind. Das Handwerk ist äußerst durchlässig, jeder, der etwas wirklich gut kann, kann Karriere machen. Diese Angebote gelten für alle Schüler.

Hat es früher gereicht, als Betrieb auf Bewerbungen zu warten?

Günther: Diese Zeit ist vorbei. Heute muss der Meister selbst aktiv werden, er muss auf die Schüler zugehen. Es herrscht Wettbewerb.

Manche Gewerke scheinen für Jugendliche kaum interessant zu sein. Den Bäckern wird beispielsweise attestiert, eine aussterbende Zunft zu sein.

Günther: Die Bäcker-Fachklasse ist uns jüngst verloren gegangen. Die Ausbildung findet künftig nur noch in Aachen statt. Bei den Maurern konnten wir dank einer Kooperation mit Euskirchen die Ausbildung in Düren halten. Es besteht die Gefahr, dass die theoretische Ausbildung zunehmend in Ballungszentren stattfindet. Da muss auch Politik gegensteuern.

Warum? Kann den Azubis die Fahrt nicht zugemutet werden?

Pelzer: Die Fahrt ist nicht das Problem. Aber wer in Köln oder Aachen Fuß erst einmal gefasst hat, wird sich womöglich nicht beruflich in Düren orientieren. Auf diese Weise könnte der ländliche Raum viele Fachkräfte verlieren. Dann wird es eng.

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