Nicht gepennt, sondern zu wenig Zeit

Nicht gepennt, sondern zu wenig Zeit

Freialdenhoven (an-o/ks) - Mit dem 48-jährigen Rob Hutting trainiert ab sofort ein neuer Mann den Oberligisten aus Freialdenhoven. Der Holländer löste Heinz Otten wegen der fehlenden Trainer A-Lizenz mit sofortiger Wirkung ab.

"Das kann ich absolut nicht nachvollziehen. Wenn er es denn so gesagt hat, gut. Aber ich werde mich jetzt nicht mehr dazu äußern." Recht erstaunt reagierte gestern Morgen Heinz Otten, Ex-Trainer von Borussia Freialdenhoven, auf die Aussagen des Freialdenhovener Vereinspräsidenten Rolf Imdahl, "dass zwischen Mannschaft und Trainer Otten auch die Chemie einfach nicht mehr gestimmt habe."

Direkt angemeldet

Fakt ist, dass Otten gut sechs Wochen nach seiner Amtseinführung den Auflösungsvertrag unterschrieb, ja unterschrieben musste. Otten ist nicht im Besitz einer A-Lizenz, die vom Deutschen Fußballbund (DFB) für die neue Oberliga-Saison gefordert wird. "Davon haben wir erst Kenntnis erhalten, als es zu spät war", so Borussen-Pressesprecher Lothar Offermanns.

Für den Verein habe sich dieses Problem erst Mitte Juni ergeben. "Da haben wir Heinz Otten direkt zu einem Lehrgang angemeldet. Diese sind aber bis Frühjahr 2004 ausgebucht", wurde laut Offermanns dann der alte Trainerfuchs Hans Lipka ins Boot geholt, dessen Lizenz 1999 abgelaufen war. Der absolvierte dann noch einen Lehrgang in Freiburg, erhielt dort auch eine A-Lizenz. "Aber die wurde dann vom Westdeutschen Fußballverband doch nicht anerkannt, weil Lipka nur 20 anstatt der 40 Stunden vorgeschriebenen Trainerfortbildungs-Stunden absolviert hatte."

Da der Verband eine Übergangslösung ablehnte, für das Oberligateam den geforderten A-Lizenztrainer forderte, wurde Rob Hutting, Ex-Trainer von Borussia Brand, verpflichtet. Vorwürfe an die Vereinsadresse, sich nicht um die im Mai bekannt gegebene DFB-Neuregelung gekümmert zu haben, nahm Offermanns nicht hin. "Den Vorwurf, wir hätten gepennt, lasse ich nicht gelten. Wenn Neuerungen eingeführt werden, dann muss man den Vereinen auch die Möglichkeit einräumen, diese umzusetzen", verwies der Borussen-Pressesprecher auf die Lehrgänge, die weit bis ins Frühjahr 2004 ausgebucht seien. "Wir haben Heinz Otten direkt angemeldet, aber es ging nichts mehr."

Otten, der schon in der Regionalliga bei Germania Teveren als Trainer arbeitete, war über die Entwicklung alles andere als erfreut. "Natürlich war ich enttäuscht, dass ich meine Arbeit nicht fortführen konnte." Nichtsdestotrotz wird er die A-Lizenz machen, über die der 48-jährige Hutting verfügt.

Mannschaft verunsichert

"Die Mannschaft war natürlich in Anbetracht der Vorgänge der letzten Wochen verunsichert, aber im Training haben sie gut gearbeitet", so der neue Borussen-Trainer am Sonntag nach der ersten gemeinsamen Arbeit, der die Mannschaft vor seinem Engagement nach eigenem Bekunden "mehrmals beobachten konnte".

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