Jülich: Neues Stadtquartier verheißt Millionen

Jülich: Neues Stadtquartier verheißt Millionen

Die Stadt geht finanziell auf dem Zahnfleisch. Da sind unerwartete Einnahmemöglichkeiten immer eine gute Nachricht. Eine solche vernahm im Jülicher Rathaus die interessierte Öffentlichkeit am Donnerstagabend von Professor Jörg Aldinger, der sich mit seiner vierten Studie zum Stammgast in der Herzogstadt entwickelt.

Der Architekt aus Stuttgart stellte drei Möglichkeiten vor, den Bereich neben der Stadthalle und gleich vor der Zitadelle mit einer städtebaulich passgenauen Lösung zu vermarkten. Allen drei Vorschlägen ist gemeinsam: Jülich könnte dort ebenso begehrten wie exklusiven Wohnraum in 1a-Lage realisieren (lassen) - und damit zwischen zwei und drei Millionen Euro Gewinn machen.

Einen Haken hat die Angelegenheit: Den zu sanierenden oder zu erneuernden „Problemfall” Stadthalle ließ der renommierte Planer links liegen, da er dazu bereits dezidierte Vorstellungen unterbreitet hat, die bis heute politisch nicht weiter vorangetrieben wurden (siehe „Was wird aus der Stadthalle?”).

Was plant Aldinger? Die zur Verfügung stehende Fläche umfasst zwischen 22.000 und 29.000 Quadratmetern, die im Osten von der Zitadelle, im Süden von der Stadthalle, im Westen von der bestehenden Häuserzeile an der Düsseldorfer Straße und im Norden vom Ehrenfriedhof begrenzt wird. Das Pflaster ist nicht billig: Je nach Lage hat Aldinger Grundstückspreise zwischen 250 und 400 Euro je Quadratmeter ermittelt, die von der Stadt eingenommen werden könnten.

Es entstehen aber auch Kosten: zum Beispiel für den Abriss von Schirmerschule und Turnhalle, für eine Straßenerschließung und die Vorfinanzierung über fünf Jahre. Dennoch soll - laut Aldinger - das Projekt profitabel sein.

Allen Vorschlägen ist ein neues Jülicher „Panorama” gemeinsam: Vom Propst-Bechte-Platz aus entsteht eine weitere Sichtachse auf die Zitadelle - diese Würdigung der reichen Stadtgeschichte und ihrem typischen Stil im Herzen war Aldinger wichtig.

Er legte sich fest: Lösung 2 lautet seine Empfehlung, weil sie die meisten Vorteile biete, letztlich auch bei der Vermarktung, der laut Architekt ebenso wichtigen Durchgrünung („Jülich ist eine grüne Stadt, das fällt Auswärtigen sofort auf”) und der idealen Anordnung der Gebäude.

Die Sichtachse auf die Festung liefert gleich neben der Stadthalle einen neuen Platz, der sicher auch für „Open Air”-Zwecke hervorragend zu nutzen und laut Aldinger etwas „Besonderes” wäre.

Der Ausschuss für Planung, Umwelt, Bauen - diesmal unter dem Vorsitz von Winfried Cremerius (FDP), der den verhinderten Erich Gussen vertrat - lobte die Vorschläge. Cremerius und Petra Gruben (SPD) waren fasziniert, dass der Stuttgarter einen praktisch versteckten Teilbereich Jülichs unter Wahrung der Besonderheiten aufwertet. Cremerius: „Als alter Jülicher ist man überrascht, was für ein Potenzial diese Stadt besitzt.”

Die Fraktionen werden nun beraten, ob sie wie Aldinger Variante 2 befürworten, was sich am Donnerstag abzeichnete, und wie weiter verfahren wird.